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Rover Idefix ist auf dem Weg zum Marsmond Phobos
Redaktion
/ Pressemitteilung des DLR astronews.com
20. Oktober 2026
Die japanische Raumsonde MMX ist gestern Abend mit einer
H3-Trägerrakete vom Tanegashima Space Center gestartet. Der gemeinsam
von DLR und CNES entwickelte Rover Idefix soll zum Jahreswechsel
2028/2029 auf dem Marsmond Phobos landen und diesen rund 100 Tage erkunden. MMX
soll die Herkunft der Marsmonde klären und 2031 erstmals Bodenproben von Phobos
zur Erde bringen.

Am 19. Oktober
2026 ist die japanische Raumsonde MMX (Martian
Moons eXploration) planmäßig an Bord einer
H3-Trägerrakete vom Tanegashima Space Center
gestartet.
Foto: DLR (CC BY-NC-ND 3.0) [Großansicht] |
Die Erkundung des Marssystems tritt in eine neue Phase. Am 19. Oktober 2026
um 21:41 Uhr MESZ ist die japanische Raumsonde MMX (Martian Moons eXploration)
an Bord einer H3-Trägerrakete vom Tanegashima Space Center erfolgreich
gestartet. Mit an Bord: der deutsch-französische Rover Idefix, den das
Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die französische
Raumfahrtagentur CNES gemeinsam entwickelt und gebaut haben. Er soll etwa zum
Jahreswechsel 2028/2029 als erster Lander in der Geschichte der Raumfahrt auf
dem Marsmond Phobos landen und dessen Oberfläche für 100 Tage erkunden. Die
MMX-Muttersonde wird anschließend selbst auf dem größeren der beiden Marsmonde
landen, um erstmals Proben aus dem Marssystem zur Erde zu bringen. MMX ist die
bisher größte Mission der japanischen Raumfahrtagentur JAXA ins Sonnensystem.
"Mit dem Rover Idefix schicken Deutschland und Frankreich ein Stück
europäischer Robotik-Kompetenz auf eine außergewöhnliche Forschungsreise", sagt
Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR. "Idefix
wird sich auf einem Himmelskörper bewegen, dessen geringe Schwerkraft kaum mit
der irdischen vergleichbar ist. Die Mission verbindet technologische
Pionierarbeit mit grundlegenden Fragen zur Entstehung unseres Sonnensystems und
zeigt die Stärke internationaler Zusammenarbeit." Dorothee Bär, Bundesministerin
für Forschung, Technologie und Raumfahrt, ergänzt: "Der erfolgreiche Start der
MMX-Mission mitsamt dem Rover Idefix freut mich sehr. Der
Raumfahrtstandort Deutschland zeigt eindrücklich, was er kann: hochpräzise
Technik, die in den Weiten des Alls auf dem Marsmond Phobos noch perfekt
funktionieren muss. Dass das DLR gemeinsam mit der französischen
Raumfahrtagentur CNES einen wesentlichen Beitrag zu dieser Mission leistet,
macht mich besonders stolz. Japan, Deutschland und Frankreich – JAXA, DLR und
CNES – treiben gemeinsam die Exploration unseres Sonnensystems voran.
Gleichzeitig betreten wir mit Idefix auch technologisches Neuland – das
ist Hightech Hand-in-Hand."
Der spannendste Moment der Mission erwartet das Team etwa zum Jahreswechsel
2028/2029: MMX wird Idefix aus einer Höhe von etwa 40 bis 100 Metern
über Phobos ausklinken. Nach dem ungebremsten Aufprall, Abprall und daraus
resultierenden Sprüngen auf der Oberfläche richtet sich der Rover eigenständig
aus der Ruhelage auf, entfaltet seine Solarpaneele und beginnt seine 100-tägige
Erkundungsfahrt. Die Umweltbedingungen stellen dabei extreme Anforderungen an
die Technik: Die Schwerkraft auf Phobos beträgt weniger als ein Tausendstel der
Erde, zudem schwanken die Temperaturen im Sieben-Stunden-Tagesrhythmus um mehr
als 200 Grad Celsius.
"Auf Phobos zu landen und zu fahren ist absolutes robotisches Neuland",
erklärt Prof. Markus Grebenstein, DLR-Projektleiter für Idefix.
"Konstruktiv benötigt dies einen extremen Leichtbau – bei gleichzeitiger
Robustheit. Zudem erfordern die langen Signallaufzeiten zur Erde völlig neue
Ansätze bei der Steuerung des Rovers. Unsere erste Bewährungsprobe wird das
Aufrichten in dieser unbekannten Umgebung aus einer beliebigen Position sein."
Idefix soll unterschiedliche Bereiche von Phobos untersuchen und
Erkenntnisse über die mechanischen, thermischen und mineralogischen
Eigenschaften der Oberfläche sammeln. Dafür sind auch zwei Instrumente des DLR
an Bord: das Ramanspektrometer RAX und das Radiometer miniRAD. Seine Messungen
liefern zugleich Informationen für die Auswahl einer geeigneten Landestelle und
die spätere Probenentnahme der MMX-Muttersonde.
Am Kontrollzentrum im Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC) des DLR in
Köln laufen die Vorbereitungen für den Betrieb von Idefix auf Hochtouren. Nach
dem Start liegt der Schwerpunkt zunächst auf der Flugphase zum Mars. Während
dieser Zeit bleibt der Rover an der MMX-Raumsonde angedockt. Das MUSC plant und
erstellt abwechselnd mit dem Kontrollzentrum in Toulouse gemeinsam mit dem
deutsch-französischen Rover-Team die Steuerungssequenzen für regelmäßige
Gesundheitschecks, Instrumentenkalibrierungen und Wartungsmaßnahmen,
beispielsweise das Laden der Batterie. Auch ein Software-Update ist im Flug
vorgesehen. Während der Reise der MMX-Sonde zum Marssystem bereiten sich das
orschungs- und Betriebsteam auf die Erkundung von Phobos vor: Sie entwickeln
Betriebsabläufe, führen Tests durch und trainieren die späteren Abläufe.
Die MMX-Mission soll eine zentrale Frage der Planetenforschung beantworten:
Wie sind die beiden Marsmonde Phobos und Deimos entstanden? Sind sie Asteroiden,
die von der Schwerkraft des Mars eingefangen wurden, oder entstanden sie aus
Trümmern gewaltiger Einschläge auf dem Planeten? Beide Monde sind unregelmäßig
geformt und mit Durchmessern von maximal 27 Kilometern (Phobos) beziehungsweise
maximal 15 Kilometer (Deimos) vergleichsweise klein. Ihre Entstehungsgeschichte
könnte wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung des Marssystems und die
Prozesse der Planetenentstehung insgesamt liefern.
Nach der Ankunft im Sommer 2027 wird die MMX-Sonde die Marsmonde zunächst mit
acht wissenschaftlichen Instrumenten aus der Umlaufbahn untersuchen. Nach dem
Absetzen von Idefix auf Phobos soll die Raumsonde auch selbst landen,
mindestens zehn Gramm Bodenproben aufnehmen und diese in einer Rückkehrkapsel
2031 zur Erde bringen. Erstmals könnten damit Proben eines Marsmonds in
irdischen Laboren untersucht werden.
"Als ich die Rakete H3F10 in den Himmel steigen sah, gingen meine Gedanken
zurück zu den Anfängen dieses Projekts vor mehr als einem Jahrzehnt", erinnert
sich Dr. Yasuhiro Kawakatsu, MMX-Projektleiter bei der JAXA. "Mit der Rakete
startete ein Raumfahrzeug, das von einem internationalen Team mit einer
gemeinsamen Vision entworfen und gebaut wurde. Gemeinsam haben wir eine Mission
von Weltklasse geschaffen und eine beispiellose Reihe wissenschaftlicher
Instrumente zusammengestellt, um die Marsmonde zu erforschen. Der Rover
Idefix, der gemeinsam von DLR und CNES entwickelt wurde, ist ein
wesentlicher Bestandteil dieser Mission. Als erstes Fahrzeug, das den Einsatz
auf der Oberfläche eines Marsmondes wagt, wird es einzigartige Einblicke zu
Phobos liefern und dabei helfen, eine der größten Herausforderungen der Mission
vorzubereiten: die Entnahme einer Probe von dessen Oberfläche. Um diesen Moment
zu erreichen sind Ausdauer, Innovationskraft und vor allem eine enge
Zusammenarbeit zwischen Partnern auf der ganzen Welt erforderlich. Wir haben
gemeinsam viele Herausforderungen gemeistert, und ich freue mich auf die
Entdeckungen auf der Reise zum Phobos, die uns erwarten."
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