Anzeige
 Home  |  Nachrichten  | Frag astronews.com  | Bild des Tages  |  Kalender  | Glossar  |  Links  | Forum  | Über uns    
astronews.com  
Nachrichten

astronews.com
astronews.com

Der deutschsprachige Onlinedienst für Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt

Home  : Nachrichten : Forschung : Artikel [ Druckansicht ]

 
FREIFLIEGENDE PLANETEN
Lebensfreundliche Bedingungen auf Exomonden?
Redaktion / idw / Pressemitteilung des Exzellenzclusters Origins
astronews.com
11. März 2026

Flüssiges Wasser gilt als Voraussetzung für Leben. Doch auch fernab jeder Sonne könnten stabile lebensfreundliche Bedingungen existieren. Ein Forschungsteam hat jetzt gezeigt, dass Monde freifliegender Planeten dank dichter Atmosphären und gezeitengetriebener Wärme ihre Wasserozeane bis zu 4,3 Milliarden Jahre lang flüssig halten können - ausreichend lang für die Entwicklung von Leben.

Planet

Darstellung eines freifliegenden Planeten und seines Mondes. Bild: David Dahlbüdding / KI-generiert (ChatGPT / DALL·E) [Großansicht]

Planetensysteme entstehen in ihrer frühen Phase oft unter instabilen Bedingungen. Kommen sich junge Planeten zu nahe, können sie sich gegenseitig aus ihrer Umlaufbahn schleudern. Zurück bleiben sogenannte freifliegende Planeten (Free-Floating Planets, FFP), die ohne Stern durch die Galaxie wandern. Eine frühere Arbeit der Physikerin Dr. Giulia Roccetti von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zeigte, dass solche ausgestoßenen Gasriesen dabei nicht zwangsläufig alle ihre Monde verlieren (astronews.com berichtete).

Der Auswurf verändert jedoch die Umlaufbahnen der Monde. Sie werden stark elliptisch, sodass sich ihr Abstand zum Planeten ständig verändert. Die daraus entstehenden Gezeitenkräfte verformen den Mondkörper rhythmisch, pressen sein Inneres zusammen und erzeugen durch Reibung Wärme. Diese sogenannte Gezeitenheizung kann ausreichen, um auf der Oberfläche flüssige Wasserozeane zu erhalten – selbst ohne die Energie eines Sterns und in der Kälte des interstellaren Raums.

Ob diese Wärme an der Oberfläche erhalten bleibt, entscheidet die Atmosphäre. Kohlendioxid wirkt auf der Erde als effektives Treibhausgas. Frühere Studien zeigten, dass Kohlendioxid auf Exomonden lebensfreundliche Bedingungen über Zeiträume von bis zu 1,6 Milliarden Jahren stabilisieren könnte. Unter den extrem niedrigen Temperaturen freifliegender Systeme würde Kohlendioxid jedoch kondensieren, sodass die Atmosphäre ihre Schutzwirkung verliert und Wärme entweichen kann.

Anzeige

Das Forschungsteam aus den Bereichen Astro- und Biophysik sowie Astrochemie untersuchte daher wasserstoffreiche Atmosphären als alternative Wärmespeicher. Molekularer Wasserstoff ist zwar für Infrarotstrahlung weitgehend transparent. Unter hohem Druck tritt jedoch ein entscheidender physikalischer Effekt auf: die kollisionsinduzierte Absorption. Dabei bilden kollidierende Wasserstoffmoleküle kurzzeitig Komplexe, die Wärmestrahlung aufnehmen und in der Atmosphäre zurückhalten können. Gleichzeitig bleibt Wasserstoff selbst bei sehr niedrigen Temperaturen stabil.

Die Ergebnisse liefern auch neue Hinweise auf die Entstehung von Leben. "Die Zusammenarbeit mit dem Team von Prof. Braun hat uns geholfen zu erkennen, dass die Wiege des Lebens nicht unbedingt eine Sonne benötigt", sagt David Dahlbüdding, Doktorand an der LMU. "Wir haben eine klare Verbindung zwischen diesen fernen Monden und der frühen Erde entdeckt, wo hohe Wasserstoffkonzentrationen durch Asteroideneinschläge die Voraussetzungen für Leben geschaffen haben könnten."

Gezeitenkräfte könnten dabei nicht nur Wärme liefern, sondern auch chemische Entwicklungsprozesse antreiben. Durch die periodische Verformung entstehen lokale Nass-Trocken-Zyklen, bei denen Wasser verdunstet und erneut kondensiert. Solche Zyklen gelten als wichtiger Mechanismus für die Bildung komplexer Moleküle und könnten entscheidende Schritte auf dem Weg zur Entstehung von Leben ermöglichen.

Freifliegende Planeten gelten als häufig. Schätzungen zufolge könnte es in der Milchstraße mindestens so viele dieser "nomadischen" Planeten geben wie Sterne. Ihre Monde könnten daher langfristig stabile Lebensräume darstellen. Die neuen Ergebnisse erweitern damit das Spektrum möglicher lebensfreundlicher Umgebungen erheblich – und zeigen, dass Leben möglicherweise selbst in den dunkelsten Regionen der Galaxie entstehen und bestehen kann.

Über ihre Ergebnisse berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der Zeitschrift Monthly Notices of the Royal Astronomical Society erschienen ist.

Forum
Lebensfreundliche Bedingungen auf Exomonden? Diskutieren Sie mit anderen Lesern im astronews.com Forum.
siehe auch
Extrasolare Planeten: Auch auf sehr speziellen Monden könnte Leben möglich sein - 20. März 2023
Extrasolare Planeten: Zahlreiche Planeten ohne Sonnen aufgespürt - 23. Dezember 2021
Extrasolare Planeten: Leben auf Exomonden möglich? - 17. Januar 2013
Ferne Welten - die astronews.com Berichterstattung über die Suche nach extrasolaren Planeten
Links im WWW

Dahlbüdding, D. et al. (2026): Habitability of Tidally Heated H2-Dominated Exomoons around Free-Floating Planets, Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, stag243           
Exzellenzcluster Origins 
In sozialen Netzwerken empfehlen
 
 
Anzeige
astronews.com 
Nachrichten Forschung | Raumfahrt | Sonnensystem | Teleskope | Amateurastronomie
Übersicht | Alle Schlagzeilen des Monats | Missionen | Archiv
Weitere Angebote Frag astronews.com | Forum | Bild des Tages | Newsletter
Kalender Sternenhimmel | Startrampe | Fernsehsendungen | Veranstaltungen
Nachschlagen AstroGlossar | AstroLinks
Info RSS-Feeds | Soziale Netzwerke | astronews.com ist mir was wert | Werbung | Kontakt | Suche
Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Cookie-Einstellungen
     ^ Copyright Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999-2023. Alle Rechte vorbehalten.  W3C
Diese Website wird auf einem Server in der EU gehostet.

© astronews.com / Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999 - 2020
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.


URL dieser Seite: https://astronews.com:443/news/artikel/2026/03