Marskamera CaSSIS lieferte erste Farbbilder
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Universität Bern astronews.com
30. April 2018
Im Herbst 2016 schwenkte die europäisch-russische Sonde
ExoMars Trace Gas Orbiter in eine Umlaufbahn um den Roten Planeten ein.
Seitdem wurde die Sonde treibstoffsparend auf den Orbit gebracht, aus dem sie
vor allem die Atmosphäre des Mars untersuchen soll. An Bord ist aber auch ein
Kamerasystem, das nun erste Farbaufnahmen lieferte.

Aufnahme vom Rand des Korolev-Kraters auf
dem Mars. Es hat eine Auflösung von 5,08 Metern
pro Pixel und entstand bei einer
Bahngeschwindigkeit der Sonde von 2,90 Kilometern
pro Sekunde. Der Sonneneinfallswinkel betrug 76,6
Grad bei einer lokalen Sonnenzeit von 7:14:11.
Bild: ESA / Roscosmos / CaSSIS [Großansicht] |
An Bord der ExoMars-Sonde Trace Gas Orbiter, einer
Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA und der russischen
Weltraumorganisation Roskosmos, befindet sich auch das Colour and Stereo
Surface Imaging System (CaSSIS), das von einem internationalen Team unter
Leitung der Universität Bern entwickelt wurde. Nun hat CaSSIS seine ersten
farbigen Bilder aus der Umlaufbahn rund um dem Mars zurückgeschickt. Das
Kamerasystem wurde am 20. März eingeschaltet und ist nach den letzten Tests nun
bereit für die Hauptmission, die am 28. April 2018 begonnen hat.
"Wir hatten in der ersten Testphase ein paar kleinere Softwareprobleme",
erzählt CaSSIS-Projektleiter Nicolas Thomas vom Center for Space and
Habitability (CSH) der Universität Bern. "Nun ist das Instrument aber
wieder betriebsbereit." Das Berner Team musste zu Beginn der Testphase eine
komplett neue Softwareversion auf das Gerät übertragen. "Es ist schon
erstaunlich, dass man in einem Instrument, das in über 100 Millionen Kilometer
Entfernung rund um den Mars fliegt, eine völlig neue Software aufsetzen und zum
Laufen bringen kann", sagt Thomas.
Doch die Mühe hat sich gelohnt, wie ein Blick auf die ersten Bilder zeigt. So
ist auf dem ersten Ende der vergangenen Woche veröffentlichten Beispielbild ein
Ausschnitt vom Rand eines eisgefüllten Kraters namens Korolev am hohen
Breitengrad der nördlichen Mars-Hemisphäre zu sehen. Das helle Material im Bild
ist Eis, das sich am Kraterrand gebildet hat. Die Aufnahme hat eine Auflösung
von knapp über fünf Metern. In Zukunft soll sogar eine Auflösung von weniger als
5 Metern erreicht werden.
"Wir waren sehr erfreut zu sehen, wie gut dieses Bild bei den herrschenden
Lichtverhältnissen war", sagt CaSSIS-Projektmitarbeiter Antoine Pommerol vom
CSH, der an der Kalibrierung der Daten arbeitet. "Es zeigt, dass CaSSIS einen
wichtigen Beitrag zur Erforschung des Kohlendioxid- und Wasserkreislaufs des
Mars leisten kann." Das Bild wurde aus drei Aufnahmen in verschiedenen Farben
zusammengesetzt, die CaSSIS am 15. April 2018 fast zeitgleich aufgenommen hat.
Sie wurden anschließend montiert, um die Farbansicht zu erzeugen. "Unser Ziel
ist es, den Bilderzeugungsprozess vollständig zu automatisieren", sagt Thomas.
"Sobald wir dies erreicht haben, können wir die Daten rasch zur Analyse allen
interessierten Forschungsgruppen zur Verfügung stellen."
CaSSIS soll die Daten, die ExoMars und andere Mars- Orbiter sammeln
werden, vervollständigen und neue Erkenntnisse über die Marsoberfläche liefern.
Da sich der Mars als dynamischer erwiesen hat als bisher gedacht, sind Aufnahmen
davon, was sich auf seiner Oberfläche abspielt, von besonderem Interesse. Das
Forscherteam erhofft sich vor allem neue Erkenntnisse über Veränderungen, die
sich während eines Mars-Tages ergeben, sowie während der Mars-Jahreszeiten.
Eines der Hauptziele von CaSSIS ist es, kürzlich entdeckte Spuren von flüssigem
Wasser genauer zu untersuchen, die regelmäßig im Mars-Frühling erscheinen und im
Winter wieder verschwinden.
Der ExoMars Trace Gas Orbiter war im Oktober 2016 in eine Umlaufbahn
um den Mars eingeschwenkt. In einem Prozess, der über ein Jahr gedauert hat,
wurde die Sonde dann treibstoffsparend auf ihren finalen Orbit manövriert, von
dem aus sie ihre Beobachtungen durchführen wird. Dieser Orbit ist inzwischen
erreicht. Der Trace Gas Orbiter soll den Forschern dabei helfen, die winzigen
Mengen an Methan und anderen Gasen in der Marsatmosphäre zu verstehen, die
Hinweise auf mögliche biologische oder geologische Aktivitäten geben könnten.
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