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Effizienteres Muskeltraining im All
Redaktion
/ Pressemitteilung des DLR astronews.com
26. August 2026
Intensives Sporttraining im All hilft Astronautinnen und
Astronauten, den durch die Schwerelosigkeit bedingten Abbau von Muskeln und
Knochen zu reduzieren. Ein besonderer Trainingsanzug soll den Trainingseffekt
durch elektrische Impulse auf die Muskulatur weiter steigern. Bei einem
Experiment auf der ISS wird dieser Effekt nun überprüft.

ESA-Astronautin
Sophie Adenot trainiert im Experiment
EasyMotion-2 auf der ISS.
Foto: ESA [Großansicht] |
Die menschliche Fortbewegung auf der Erde beruht auf der Körperstabilität
durch die Muskeln in Rumpf und Gliedmaßen. Auf der Erde müssen die Muskeln dabei
immer gegen die Erdanziehungskraft arbeiten und werden so schon bei alltäglichen
Bewegungen wie dem morgendlichen Aufstehen trainiert. Im Weltall herrscht jedoch
Schwerelosigkeit, damit fällt dieser ständige Trainingsreiz weg. Astronautinnen
und Astronauten müssen daher während ihrer Missionen trainieren, damit sie nicht
unter starkem Knochen- und Muskelschwund leiden. Dieses Training wird im
Experiment EasyMotion-2 der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen
Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Charité – Universitätsmedizin
Berlin nochmals verbessert.
Um einen Abbau der Knochen und der Muskelmasse in Schwerelosigkeit zu
verhindern, trainieren Astronautinnen und Astronauten täglich bis zu zweieinhalb
Stunden an Bord der Internationalen Raumstation ISS. Dabei teilt sich das
Training in Laufen auf dem Laufband, Radfahren auf dem Ergometer und
Krafttraining mit dem eigens dafür entwickelten Widerstandstrainingsgerätes ARED
auf. In Zukunft soll Elektromuskelstimulation (EMS) dieses Training
unterstützen. Hierzu wurde das EasyMotionSkin-Trainingssystem von der Firma
EasyMotionSkin GmbH aus Leipzig entwickelt und durch die OHB System AG für die
Nutzung an Bord der ISS angepasst.
Auf der Erde kommt das EMS-Training bereits vielfältig zum Einsatz. Bei EMS
wird mit niederfrequenten elektrischen Impulsen die Körpermuskulatur zusätzlich
stimuliert, indem die Muskeln durch den externen Reiz angespannt werden. Das
sorgt für erhöhte Sauerstoffaufnahme, Leistungssteigerung und optimierte
Trainingseffekte. Im EasyMotionSkin-Anzug sind einzeln ansteuerbare
Haut-Trockenelektroden fest integriert und werden per App gezielt mit dosierten
Stromimpulsen versorgt. Dadurch können verschiedene Muskelpartien des Körpers
gezielt trainiert werden.
Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer hat während seiner Mission
Cosmic Kiss von 2021 bis 2022 erstmals das System im Rahmen einer
Technologiedemonstration in seinem Trainingsprogramm genutzt. So konnte er
Laufen, Radfahren sowie Krafttraining mit der Technologie im All verbinden. Nach
dieser Technologiedemonstration steht nun die wissenschaftliche Validierung des
zusätzlichen Trainingseffekts im Fokus.
Übernommen wird dies vom Team des Instituts für Integrative Neuroanatomie im
Zentrum für Weltraummedizin und extreme Umwelten der Charité. Ziel ist, den
Funktionseinbußen des neuromuskulären Systems noch besser als bisher im All
entgegenzuwirken. Gelingt dies, wäre das ein großer Schritt für zukünftige
Raumfahrtmissionen des Menschen in Richtung Mars. Hierzu hat die ESA-Astronautin
Sophie Adenot während ihrer Langzeitmission εpsilon am 17. Juli 2026
begonnen, mit dem Anzug auf der ISS zu trainieren. Dies war der Startschuss für
ein sechswöchiges Training, das zur Stärkung ihrer Skelettmuskulatur beitragen
wird. Die Daten aus dem nun begonnenen Experiment werden dazu beitragen,
EMS-Training fest in den astronautischen Alltag zu integrieren und damit in
Zukunft auch Reisen zum Mars sicherer zu machen.
Eine Marsmission wird circa zwei Jahre dauern, wobei Astronautinnen und
Astronauten nach neun Monaten Flug selbständig den Roten Planeten betreten und
dort arbeiten sollen. Muskelschwund während der Reise zum Mars in
Schwerelosigkeit stellt hier aber ein großes Problem dar. Wenn diesem mit
deutlich geringerem Zeitaufwand noch besser entgegengewirkt werden kann, wäre
dieses Problem gelöst. Aber nicht nur für den Weltraum ist diese
Trainingstechnologie interessant, während EMS-Training schon in ausgewählten
Fitness-Studios zum Einsatz kommt, ist das Potenzial besonders im Bereich der
Rehabilitation auch nach intensivmedizinischer Behandlung groß.
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