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Isolationsstudie endete nach 100 Tagen
Redaktion
/ Pressemitteilung des DLR astronews.com
12. August 2026
100 Tage Isolation sind beendet: Die SOLIS100-Crew hat ihre
"Raumstation" verlassen. Sechs Männer und Frauen haben mehr als drei Monate
abgeschottet von der Außenwelt verbracht. Welche Auswirkungen hat das auf das
Wohlbefinden, die Leistungsfähigkeit und die Gesundheit - wichtige Fragen für
künftige Langzeitmissionen ins All.

100 Tage lang
waren die schweren Doppeltüren des
SOLIS100-Moduls M5 im :envihab, der
High-Tech-Forschungsanlage des DLR-Instituts für
Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln, verschlossen.
Am 1. August 2026 öffneten sie sich um 9:13 Uhr
für die sechs internationalen "terrestrischen
Astronautinnen und Astronauten".
Foto: DLR [Großansicht] |
Am 1. August 2026 um 9:13 Uhr haben sich die schweren Doppeltüren im :envihab,
der luft- und raumfahrtmedizinischen Forschungsanlage des DLR, wieder geöffnet.
Wie lautet die erste, spontane Bilanz der Crew? Eine unterstützende,
anpassungsfähige, sich ergänzende und tolerante Mannschaft, die zusammenhält,
ist für den Erfolg von entscheidender Bedeutung. Der Kontakt und die
Unterstützung durch Familie und Freunde geben ein Gefühl von Verbundenheit. Eine
offene und transparente Kommunikation ist entscheidend. Eine Balance zwischen
Struktur, Disziplin und Spaß lässt den Tag wie im Flug vergehen. Das sind einige
der Punkte, die die Crew spontan als Fazit notiert hat.
Der erste Weg führte die Crew nach draußen, auf eine Wiese in den
Sonnenschein. Zur Begrüßung gab es außerdem frisches Obst, Croissants und
Kaffee, was sehr geschätzt wurde. Die folgenden Tage hat die Crew weiterhin
gemeinsam verbracht, allerdings außerhalb des SOLIS100-Moduls und mit deutlich
weniger strikten Regeln. Familie und Freunde kamen zum Beispiel zu Besuch, das
Essen konnte frei gewählt und private Mobilgeräte durften wieder genutzt werden.
Auch diese Zeit ist Teil der Studie und richtet einen Schwerpunkt auf die
Auswirkungen direkt nach dem Ende der Isolation. Ab dem 7. August kehren die
Crew-Mitglieder in ihre gewohnte Umgebung und in ihren Alltag zurück. 23
beteiligte Forschungsteams werten nun die gewonnenen Daten aus.
"Zukünftige Raumfahrtmissionen werden die Erdumlaufbahn verlassen und weit
entfernte Ziele wie den Mond oder Mars im Blick haben. Da dies mit langen
Missionszeiten unter begrenzten Ressourcen und weit weg vom gewohnten sozialen
Umfeld einhergeht, ist es wichtig, Astronautinnen und Astronauten auf die
psychologischen und körperlichen Herausforderungen vorzubereiten", sagt Dr. Anke
Pagels-Kerp, Bereichsvorständin Raumfahrt des DLR. "Missionen zum Mond und zum
Mars erfordern psychische und physische Belastbarkeit, Selbstständigkeit und die
Fähigkeit, in isolierten und beengten Umgebungen zu bestehen. Um solche
Missionen erfolgreich durchzuführen und die Sicherheit von Astronauten und
Astronautinnen zu gewährleisten, erforschen wir die Auswirkungen dieser extremen
Bedingungen."
Die sechs Crew-Mitglieder wurden in einem aufwändigen Prozess ausgewählt. Sie
mussten viele Voraussetzungen erfüllen, die auch für Astronautinnen und
Astronauten gelten. Während der 100 Tage hatten sie nur über eine Sprechanlage
Kontakt zum "Mission Support". Einmal wöchentlich war eine zweistündige
Konferenz mit bis zu fünf vorher festgelegten Personen möglich. Die
internationale SOLIS100-Crew kommt aus Deutschland, Frankreich, Italien, den
Niederlanden, Polen und Portugal.
Die Crew hatte einen ähnlichen Tagesablauf wie Astronautinnen und Astronauten
auf einer Mission: Sie haben an wissenschaftlichen Aufgaben gearbeitet,
medizinische Daten erhoben, hatten ein striktes Sportprogramm und waren für die
Instandhaltung ihrer Station zuständig. "SOLIS100 ist eine Studie, die zum Ziel
hat, eine Standardisierung herzustellen. Das heißt, wir möchten für zukünftige
Studien vergleichbare Daten haben. Sie dienen als Basis, wenn man zum Beispiel
Maßnahmen erforschen möchte, die einer Crew bei langen Missionen helfen", sagt
Dr. Amelie Therre, DLR-Leiterin von SOLIS100. "Wir haben insgesamt viele Aspekte
berücksichtigt, die auch für eine echte Raumfahrtmission gelten. Alle
Ressourcen, die wir am Anfang in die Isolation hereingegeben haben, mussten
reichen."
Dazu gehörte neben Alltagsdingen wie Klopapier oder Putzmittel auch das
Essen: Ein Kühlschrank stand nicht zur Verfügung, sondern nur ein Wasserkocher
und eine Mikrowelle, um Essen zuzubereiten. Zusätzlich gab es haltbare verpackte
Nahrung, keine frischen Lebensmittel. Das Essen war ausgewogen und das
Ernährungskonzept hat gut funktioniert.
Mit Fragebögen, Tests und ausführlichen Untersuchungen in einem
Assessment-Center hatte das Studienteam zunächst die physische und psychische
Eignung der Bewerbenden festgestellt. Da die Studiensprache Englisch ist, waren
sehr gute Englischkenntnisse erforderlich. Inklusive Vorbereitung und
anschließender Erholungsphase, die am 7. August 2026 abgeschlossen ist, umfasste
SOLIS100 insgesamt 126 Tage. Die Isolationsphase begann am 23. April 2026.
Während der einwöchigen Nachuntersuchungen wurden unter anderem Daten zur
körperlichen und kognitiven Leistungsfähigkeit, zu Stimmung, Schlaf und
Crew-Zusammenhalt erhoben. Diese Informationen hat das Studienteam auch vor und
während der Isolation erfasst. So kann das Team Entwicklungen und Auswirkungen
der Isolation feststellen.
"Um künftige Raumfahrmissionen sicher durchführen zu können, müssen wir ganz
neue Technologien entwickeln, die eine autonome medizinische Unterstützung der
Crews ermöglichen. Auch dafür ist SOLIS100 eine hervorragende Plattform",
ergänzt Prof. Jens Jordan, Direktor des DLR-Instituts für Luft- und
Raumfahrtmedizin.
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