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AUSSERIRDISCHES LEBEN
Lebensfreundlichkeit von Planeten neu denken
Redaktion / idw / Pressemitteilung der FU Berlin 
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16. Juni 2026

In einem neuen Sonderforschungsbereich soll die Suche nach Leben im All neu gedacht werden: So will man erforschen, wie lebensfreundliche Welten entstehen, wie Spuren von Leben nachweisbar bleiben und was künftige Missionen zu Mond und Mars erfordern und berücksichtigen müssten. Dabei sollen auch sozial- und geisteswissenschaftliche Aspekte und ethische Fragen mit einbezogen werden.

Enceladus

Der Saturnmond Enceladus in einer Aufnahme der Sonde Cassini. Bild: NASA / JPL-Caltech / Space Science Institute [Großansicht]

Im Rahmen des neuen, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG mit mehr als zwölf Millionen Euro über vier Jahre geförderten Sonderforschungsbereichs (SFB) 1759 "Bewohnbarkeit als grundlegender planetarischer Prozess: Paradigmenwechsel in unserer Wahrnehmung der vermeintlichen Einzigartigkeit der Erde" soll einer der grundlegendsten Fragen der Wissenschaft nachgegangen werden: Unter welchen Bedingungen kann Leben auf Planeten, Monden und anderen Himmelskörpern entstehen, bestehen oder nachgewiesen werden? Damit rückt der Forschungsverbund über die klassische Suche nach erdähnlichen Planeten hinaus. Im Mittelpunkt steht ein erweitertes Verständnis von Habitabilität: Nicht allein die Ähnlichkeit zur Erde ist entscheidend, sondern die planetaren Prozesse, die lebensfreundliche Umgebungen hervorbringen können.

Die Technische Universität Berlin bringt ihre Expertise in vier Teilprojekte des Sonderforschungsbereichs ein. Sie reichen von wasserreichen Meteoritenmutterkörpern und eisreichen Ozeanwelten über den Nachweis möglicher Biosignaturen bis hin zu wissenschaftlichen, technischen und gesellschaftlichen Fragen künftiger Missionen zu Mond und Mars. So untersuchen im Teilprojekt "Water - Exploring habitable conditions on parent bodies of hydrous meteorites" Forschende, ob kleine Körper in der Frühzeit des Sonnensystems zeitweise lebensfreundliche Bedingungen besessen haben könnten. Im Mittelpunkt stehen Meteorite, deren Minerale chemisch gebundenes Wasser enthalten, z. B. in Form von Tonmineralen. Diese Minerale zählen zu den ältesten chemischen Aufzeichnungen flüssigen Wassers im Sonnensystem und machen die Mutterkörper solcher Meteorite zu wichtigen Kandidaten für die allerersten habitablen planetaren Objekte.

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Mithilfe numerischer Modelle und Laboranalysen erforscht das Team, wie sich Wasser, Temperatur und chemische Stoffe im Inneren dieser Körper entwickelten. Dabei geht es um die Frage, ob dort vorübergehend habitable Nischen entstanden sein könnten – also Umgebungen, in denen grundlegende Voraussetzungen für Leben vorhanden waren. Meteorite gelten daher als wichtige Archive der frühen Entwicklung unseres Planetensystems. An der TU Berlin ist das Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik unter der Leitung von Prof. Dr. Wladimir Neumann und Prof. Dr. Jürgen Oberst an diesem Themenfeld beteiligt.

Im Teilprojekt "Differentiation - Differentiation and coupled long-term internal and orbital evolution of icy moons" richtet sich der Blick auf eisreiche Welten im äußeren Sonnensystem. Dazu zählen die Jupitermonde Europa, Ganymed und Kallisto, der Saturnmond Enceladus sowie Zwergplaneten und Objekte des Kuipergürtels. Diese Himmelskörper könnten unter ihrer eisigen Oberfläche flüssige Ozeane beherbergen. Solche verborgenen Ozeane gelten als potenzielle Lebensräume weit entfernt von der Erde. Die Forschenden modellieren die thermische, chemische und dynamische Entwicklung dieser Welten. Ziel ist es zu verstehen, unter welchen Bedingungen unterirdische Ozeane entstehen und über lange Zeiträume stabil bleiben können. Auch dieses Teilprojekt wird an der TU Berlin vom Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik mitgetragen.

Im Teilprojekt "Biosignatures - Investigation on biosignature stability and media perception" untersucht ein Team um Prof. Dr. Dirk Schulze-Makuch vom Institut für Physik und Astronomie, wie stabil mögliche Spuren von Leben unter extremen außerirdischen Bedingungen sind. Solche Biosignaturen können organische Moleküle, Fettsäuren, Aminosäuren oder mikrobielle Bestandteile sein. Auf anderen Himmelskörpern sind solche Spuren jedoch starken Belastungen ausgesetzt. Strahlung, reaktive chemische Verbindungen, Mineralien, extreme Trockenheit oder große Temperaturunterschiede können Biosignaturen verändern oder zerstören.

Das Projekt testet diese Prozesse in planetaren Umweltkammern und in Langzeit-Feldexperimenten in der Atacamawüste, die als Mars-Analogregion gilt. Die Ergebnisse sollen künftige Raumfahrtmissionen zu Mars, Europa und Enceladus dabei unterstützen, Messdaten besser zu interpretieren. Besonders wichtig ist dabei der Umgang mit mehrdeutigen Signalen: Nicht jeder auffällige Messwert ist automatisch ein Hinweis auf Leben. Das Projekt untersucht deshalb auch, wie wissenschaftliche Unsicherheiten verständlich kommuniziert werden können, ohne Erwartungen zu überhöhen oder Vertrauen in Forschung zu schwächen.

Das Teilprojekt "Colonisation - Preparing for human exploration missions and outposts on the Moon and Mars: Scientific, social and ethical perspectives on supporting life and extracting resources" befasst sich mit künftigen astronautischen Missionen und möglichen Außenposten auf Mond und Mars. Im Zentrum steht die Frage, was Menschen benötigen würden, um dort zeitweise zu leben und zu arbeiten. Dazu gehören geologische und technische Fragen: Welche Rohstoffe oder Eisvorkommen könnten nutzbar sein? Welche Standorte wären geeignet? Wie kann verhindert werden, dass sensible Umgebungen beschädigt oder kontaminiert werden?

Das Projekt verbindet geologische Kartierungen, Ressourcenmodellierung und Experimente mit Analogmaterialien mit ethischen, philosophischen, theologischen und kommunikationswissenschaftlichen Perspektiven. Es untersucht außerdem, wie Wissenschaft, Raumfahrtorganisationen, Unternehmen und Medien über Mond- und Marsbesiedlung sprechen – und welche Erwartungen, Unsicherheiten und Legitimitätsfragen damit verbunden sind. Damit betrachten die Forschenden künftige Weltraummissionen nicht nur als technische Herausforderung, sondern als wissenschaftlich und gesellschaftlich verantwortbare Aufgabe.

Der SFB 1759 verbindet Naturwissenschaften mit Sozial- und Geisteswissenschaften. Neben der Erforschung potenziell lebensfreundlicher Umgebungen stehen auch ethische Fragen, Wissenschaftskommunikation und die gesellschaftliche Wahrnehmung möglicher Lebensfunde im Mittelpunkt. Die Sprecherschaft liegt bei der Freien Universität Berlin; Sprecherin ist die Geowissenschaftlerin und Weltraumforscherin Prof. Dr. Lena Noack.

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