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Zwei Protoplaneten um einen jungen Stern
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik astronews.com
27. März 2026
Mithilfe des GRAVITY-Experiments am Very Large Telescope
Interferometer wurden jetzt zwei sich gerade bildende Exoplaneten
beobachtet, die sich noch im Entstehungsprozess um den jungen Stern WISPIT 2
befinden. Dieser außergewöhnliche Fund gewährt einen seltenen Einblick in die
frühen Stadien der Planetenentstehung.

Zwei Planeten, die sich um den jungen Stern
WISPIT 2 bilden: Der neu entdeckte Protoplanet
WISPIT 2c umkreist seinen Mutterstern in sehr
geringer Entfernung.
Bild: ESO
/ C. Lawlor, R. F. van Capelleveen et al. [Großansicht] |
Der Stern WISPIT 2 ist rund fünf Millionen Jahre alt und damit eine junge
Version unserer Sonne. Den Stern umgibt eine Gas- und Staubscheibe, in der sich
neue Planeten formen. Bereits im August 2025 entdeckten Forscher der Universität
Galway, des Leiden Observatory und der University of Arizona dort einen
massereichen Gasriesen-Protoplaneten mit etwa der fünffachen Masse des Jupiter.
Der Planet WISPIT 2b ist 57 Astronomische Einheiten von seinem Stern entfernt,
was dem Zehnfachen der Entfernung zwischen Sonne und Jupiter entspricht.
Dies führte zu einer Reihe von Folgebeobachtungen unter der Führung der
Universität von Galway, welche nun in der Entdeckung eines zweiten Protoplaneten
gipfelten – WISPIT 2c. Er ist etwa doppelt so schwer wie WISPIT 2b und umkreist
seinen Mutterstern in einer Entfernung von etwa 14 Astronomischen Einheiten,
viermal näher als WISPIT 2b. Obwohl WISPIT 2c massereicher und grundsätzlich
heller als sein bekannter Bruder ist, konnte er bisher wegen seiner Nähe zum
Stern nicht direkt beobachtet werden.
Die Entdeckung des neuen Babyplaneten wurde durch das GRAVITY+-Projekt
möglich, eine internationale Zusammenarbeit unter der Leitung des
Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik. Durch die Verbesserungen am
Very Large Telescope Interferometers (VLTI) der Europäischen
Südsternwarte (ESO) und des GRAVITY-Instruments erreicht GRAVITY+ eine
beispiellose Empfindlichkeit und Auflösung. Nur dadurch konnten die Forschenden
das extrem schwache Licht des Planeten nachweisen – trotz des tausendfach
helleren Sterns in unmittelbarer Nachbarschaft.
"WISPIT 2 ist zu einem einzigartigen Labor für die Erforschung der
Planetenentstehung geworden", erklärt Guillaume Bourdarot, Wissenschaftler am
MPE und Mitglied des GRAVITY+-Konsortiums. "Durch die Kombination von
interferometrischer Präzision und neuer adaptiver Optik konnten wir ein Signal
messen, das bisher völlig im Sternlicht verborgen blieb. Dies ist ein schönes
Beispiel dafür, wie die Entwicklung von astronomischen Spitzeninstrumenten zu
grundlegenden Entdeckungen führt.
Derartige direkte Beobachtungen von
Planeten in ihrer Entstehungsphase sind äußerst selten. Unter Tausenden
bekannter Exoplaneten, gab es bislang nur einen einzigen Stern, um den mehrere
Protoplaneten nachgewiesen wurden: das PDS-70-System. WISPIT 2 ist damit eines
der wenigen Systeme, in denen zwei Protoplaneten gleichzeitig bestätigt wurden.
"Zwei Planeten gleichzeitig in einem so frühen Stadium zu finden, ist fast
wie eine seltene Zwillingsgeburt mitzuerleben", sagt Frank Eisenhauer, Direktor
der Infrarotgruppe am MPE und Projektleiter von GRAVITY+. "Dies zeigt, dass sich
Planetensysteme nicht nacheinander, sondern parallel entwickeln – ähnlich wie
einst unser eigenes Sonnensystem."
In den kommenden Jahren soll WISPIT 2 mit dem Very Large Telescope
von ESO und GRAVITY+ sowie künftig auch mit dem derzeit am MPE entwickelten
MICADO-Instrument am Extremely Large Telescope, weiter untersucht
werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen, dadurch noch besser zu
verstehen, wie sich Gas, Staub und Schwerkraft zu neuen Planeten vereinen.
Über ihre Beobachtungen berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der
Zeitschrift The Astrophysical Journal Letters erschienen ist.
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