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PLANETENENTSTEHUNG
Magmaozeane und frühe Atmosphären im Labor
Redaktion / Pressemitteilung der Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung
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9. September 2025

Zu Beginn ihrer Entwicklung sind viele Planeten so heiß, dass ihr Gestein schmilzt. Zu diesem Zeitpunkt entstehen die ersten Atmosphären. Im Rahmen des Projekts ELMO sollen in Göttingen nun solche Magmaozeane im Labor simuliert und mithilfe eines neuen Verfahrens untersucht werden. Das Vorhaben wird im Rahmen eines ERC Starting Grant unterstützt.

Ofen

Im Ofen wird bei bis 1500 Grad Celsius das künstliche Magma (hier im Tiegel) aus Silikatgestein und weiteren Zusätzen erzeugt. Foto: MPS (C. Renggli) [Großansicht]

Riesige Ozeane aus heißem, rotglühendem Magma bedeckten in den Kindertagen unseres Sonnensystems jeden der vier inneren Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars. Die notwendige Hitze, um das Gestein zu schmelzen, stammte aus dem Zerfall radioaktiver Elemente oder von gewaltigen Einschlägen. Aus den Gesteinsschmelzen entwichen Gase und bildeten so die ersten Atmosphären. Auf jungen, noch heißen Exoplaneten außerhalb unseres Sonnensystems dürften solche Magmaozeane und ihre ursprünglichen Atmosphären auch heute existieren.

Diese Phase der Planetenentwicklung besser zu verstehen, ist Ziel der neuen Forschungsgruppe von Christian Renggli am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS). Das Projekt, das im Rahmen eines ERC Starting Grant in den nächsten fünf Jahren mit 1,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat unterstützt wird, soll die Frage zu beantworten helfen, warum auf der Erde nach ihrem Erkalten lebensfreundliche Bedingungen entstanden, auf anderen Planeten jedoch nicht.

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Die Suche nach Antworten auf diese Frage führt die Forschenden der Gruppe ELMO (Experimental Laboratory Magma Ocean) ins Labor. Denn einen direkten Zugang zu Magmaozeanen und ihren Atmosphären gibt es nicht. Im Fall unseres Sonnensystems trennen uns Milliarden von Jahren von diesem frühen Zustand. Zwar ist von manchen Himmelskörpern Gestein aus dieser Zeit erhalten. Doch die damals entstandenen Gashüllen haben sich seitdem zum Teil dramatisch weiterentwickelt oder sind gar verloren gegangen. Im Fall ferner, noch immer heißer Exoplaneten ist nicht Zeit, sondern Raum das Problem. Aus einem Abstand von tausenden von Lichtjahren können Teleskope im All oder auf der Erde zwar Hinweise auf die Zusammensetzung der Planetenatmosphären liefern. Die Zutatenliste der Magmaozeane bleibt jedoch verborgen.

Nur wenige Milligramm Gesteinsschmelze reichen, um einen planetaren Magmaozean im Labor "nachzubauen". Das künstliche Magma besteht in erster Linie aus Silikatgesteinen, die bei den inneren Planeten unseres Sonnensystems den Hauptteil von Kruste und Mantel ausmachen. Zugesetzt werden im Experiment gezielt weitere Zutaten wie Wasser und Schwefel. In einer geschlossenen Kammer wird das künstliche Gestein dann auf bis zu 2000 Grad Celsius erhitzt. Gase verdampfen, werden zum Teil wieder gelöst, bis sich nach und nach ein Gleichgewicht zwischen Magma und Gasschicht einstellt – genau wie im frühen Sonnensystem.

Anderes als bei herkömmlichen Experimenten entnehmen die Göttinger Forschenden mit ihrem Versuchsaufbau erstmals nur einen winzigen Gasstrom und analysieren seine genaue Zusammensetzung im Quadrupol-Massenspektrometer. Nur so wird der Gleichgewichtszustand nicht gestört und verfälscht. Beobachtungsdaten aktueller Weltraummissionen wie der ESA-Raumsonden BepiColombo und PLATO sowie des James-Webb-Weltraumteleskops sollen die Labordaten ergänzen und in den größeren Kontext der gesamten Planetenentstehung und-entwicklung einbetten.

Dr. Christian Renggli hat an der Universität Bern in der Schweiz und an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert und an der Research School for Earth Sciences an der Australischen Nationaluniversität promoviert. Nach fünf Jahren an der Universität Münster ist Christian Renggli seit zwei Jahren Wissenschaftler am MPS. Mit den begehrten ERC Starting Grants unterstützt der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die noch am Beginn ihrer Laufbahn stehen. Die Förderung ermöglicht es ihnen, mit ihrer Forschungsgruppe einem eigenen, ambitionierten Forschungsprojekt nachzugehen.

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siehe auch
Extrasolare Planeten: Geschmolzene Gesteinsplaneten sind größer - 14. Oktober 2019
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