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Neue Hinweise auf einen Gasriesen um Alpha Centauri A
von
Stefan Deiters astronews.com
8. August 2025
Das Alpha-Centauri-System ist unser nächster stellarer
Nachbar. Es besteht aus drei Komponenten. Während man um den Zwergstern Proxima
Centauri mindestens zwei Planeten entdeckt hat, gelang dies bei den beiden
anderen Sternen des Systems nicht. Nun hat aber das Weltraumteleskop James
Webb neue Hinweise auf einen Gasplaneten um Alpha Centauri A gefunden.

Künstlerische Darstellung des Gasriesen um Alpha Centauri A.
Bild: NASA, ESA, CSA, STScI, R. Hurt (Caltech/IPAC)
[Großansicht]

Durch ein komplexes Verfahren wurde das Streulicht von Alpha
Centauri A und B herausgerechnet. Erst dann wird der
potentielle Planet von Alpha Centauri A sichtbar, hier als S1
markiert. Bild:
NASA, ESA, CSA, STScI, A. Sanghi (Caltech), C. Beichman (JPL),
D. Mawet (Caltech), J. DePasquale (STScI) |
Die jetzt vorgestellten Beobachtungen sind, so das Forschungsteam, der
bislang überzeugendste Hinweis darauf, dass um Alpha Centauri A ein Gasriese
kreist. Alpha Centauri A ist ein Stern der unserer Sonne ähnelt. Der vermutete
Abstand des Planeten von seinem Zentralstern würde bedeuten, dass er sich in der
habitablen Zone um Alpha Centauri A befindet, also in einem Bereich in dem
flüssiges Wasser theoretisch möglich ist. Da es sich jedoch um einen Gasplaneten
handelt, dürfte er für Leben wie wir es kennen, nicht lebensfreundlich sein.
"Da dieses System uns so nahe ist, bieten uns alle entdeckten Exoplaneten
eine einmalige Gelegenheit, Daten über andere, uns unbekannte Planetensysteme zu
sammeln", so Charles Beichman vom Jet Propulsion Laboratory der NASA
und dem NASA Exoplanet Science Institute am IPAC-Astronomiezentrum des
Caltech. "Allerdings sind diese Beobachtungen selbst mit dem leistungsstärksten
Weltraumteleskop der Welt unglaublich schwierig, da die Sterne so hell und nah
sind und sich schnell am Himmel bewegen. Webb wurde entwickelt und
dafür ausgelegt, die entferntesten Galaxien im Universum zu finden. Das
Betriebsteam des Space Telescope Science Institute musste daher für
dieses Beobachtungsziel eine spezielle Beobachtungssequenz entwickeln. Aber
diese zusätzlichen Anstrengungen haben sich tatsächlich ausgezahlt."
Nach einem Jahr ist sich das Team nun sicher, dass es sich bei dem
Lichtpunkt, den James Webb in unmittelbarer Nähe von Alpha Centauri A
gesehen hat, um einen Planeten handelt und nicht etwa um eine entfernte Galaxie
oder ein Vordergrundobjekt. Für die Beobachtungen wurde das Licht des Sterns mit
einer speziellen Blende verdeckt. Trotz der Helligkeit von Alpha Centauri B, der
die Analyse behinderte, gelang es dem Team, um Alpha Centauri A ein Objekt
nachzuweisen, das mehr als 10.000 Mal lichtschwächer ist als der Stern und etwa
doppelt so weit von ihm entfernt ist wie die Erde von der Sonne.
Nach den ersten Beobachtungen im August 2024 wollte man mit weiteren
Beobachtungen im Februar und April 2025 die Entdeckung bestätigen. Allerdings
war der Planet darauf nicht mehr zu sehen. Die Simulation zahlreicher möglicher
Planetenbahnen um Alpha Centauri A - unter Berücksichtigung des störenden
Einflusses von Alpha Centauri B - ergab schließlich, dass der Planet im Februar
und April vermutlich so nahe an seinem Stern stand, dass selbst James Webb ihn
nicht hätte entdecken können.
Basierend auf der von James Webb gemessenen Helligkeit des Planeten
und den durchgeführten Simulationen der möglichen Umlaufbahnen geht das Team nun
davon aus, dass es sich um einen Gasriesen mit etwa der Masse des Saturn handeln
könnte, der Alpha Centauri A auf einer elliptischen Bahn umkreist. Er wäre dabei
zwischen einer und zwei Astronomische Einheiten von Alpha Centauri A entfernt.
Eine Astronomische Einheit ist die mittlere Entfernung der Erde von der Sonne.
Bestätigt sich der Fund durch weitere Beobachtungen, wäre das für die
Erforschung von extrasolaren Planetensystemen ein Meilenstein: Durch seine Nähe
würde er sich für weitere Beobachtungen anbieten. Spannend ist auch die
Tatsache, dass sich der Planet in einem vergleichsweise engen Doppelsternsystem
befindet: Hier wird man schauen müssen, wie sich nach den aktuellen Theorien in
so einer Umgebung Planeten überhaupt bilden und über längere Zeit stabil
existieren können.
Über ihre Entdeckung berichtet die Team in zwei Fachartikeln, die in der
Zeitschrift The Astrophysical Journal Letters erschienen sind.
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