Gleich zwei Supernovae in einer Galaxie
von Stefan Deiters astronews.com
26. Juni 2007
Innerhalb der letzten sechs Wochen haben Astronomen in der
Galaxie MCG +05-43-16 gleich zwei Supernova-Explosionen verfolgen können. Noch
nie zuvor wurden diese gewaltigen Sternenexplosionen in so kurzem Abstand in derselben Galaxie beobachtet. Normalerweise ereignet sich in einer Galaxie nur alle
25 bis 100 Jahre eine Supernova-Explosion.
SWIFT-Aufnahme der Galaxie MCG +05-43-16 mit den beiden entdeckten Supernova-Explosionen.
Bild: Stefan Immler, NASA / GSFC, Swift Science Team
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Die Galaxie MCG +05-43-16 ist rund 380 Millionen Lichtjahre von
der Erde entfernt und liegt im Sternbild Herkules. Bislang war diese Galaxie
nicht durch Supernova-Explosionen aufgefallen, doch das sollte sie in diesem
Frühjahr mehr als wettmachen: Mit Hilfe des NASA-Satelliten SWIFT beobachteten
Astronomen gleich zwei Supernovae, eine am 19. Mai, die den Namen 2007ck bekam
und eine andere, 2007 co, am 4. Juni.
Eine Supernova ist das explosive Ende eines Sternenlebens. Zu diesen
Explosionen kann es auf verschiedene Arten kommen und das Besondere an den
beiden Supernovae in MCG +05-43-16 ist, dass sie zu unterschiedlichen Typen
gehören. Die erste entdeckte Supernova ist eine Explosion vom Typ II. Sie
ereignet sich, wenn ein massereicher Stern seinen nuklearen Brennstoff
verbraucht hat und kollabiert.
Bei der zweiten Explosion handelte es sich um eine Supernova vom Typ Ia: Ein
Weißer Zwergstern wurde hier lange Zeit von einem Begleiter umrundet. Dabei zog
der Zwergstern ständig Material von dem Begleiter
ab, bis sich so viel Material an der Oberfläche des Weißen Zwerges angesammelt
hatte, dass es zu einer Explosion kam. Bei einem Weißen Zwerg handelt es sich um
den kompakten Überrest eines Sterns, der etwa so groß ist wie die Erde, aber
eine Masse wie unsere Sonne aufweisen kann.
"In den meisten Galaxien ereignet sich eine Supernova alle 25 bis 100 Jahre",
erläutert Stefan Immler vom NASA Goddard Space Flight Center. "Daher ist es
schon bemerkenswert, dass wir hier innerhalb von 16 Tagen gleich zwei Supernovae
beobachten konnten." Immler hatte mit SWIFT im vergangenen Jahr bereits zwei
Supernovae in der Galaxie NGC 1316 beobachtet, die beide vom Typ Ia waren,
zeitlich aber sechs Monate auseinanderlagen (astronews.com berichtete). Der
Satellit SWIFT dient eigentlich der Suche nach kurzen Ausbrüchen im
Gammastrahlen-Bereich, sogenannten Gamma-Ray-Bursts.
Das fast gleichzeitige Aufleuchten von zwei Supernovae in einer Galaxie ist
eine äußerst seltene Angelegenheit. Es ist allerdings reiner Zufall und deutet
nicht darauf hin, dass MCG +05-43-16 irgendwie etwas Besonderes wäre. Beide
Supernovae sind mehrere 10.000 Lichtjahre voneinander entfernt, so dass es - je
nach Beobachtungsort - reiner Zufall ist, ob wir die Explosionen nahezu
gleichzeitig beobachten oder mit einem Abstand von einigen Tausend Jahren.
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