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KOSMOLGIE
Wie die ersten supermassereichen Schwarzen Löcher entstanden
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astrophysik
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22. September 2026

Im Rahmen der bislang detailliertesten kosmologischen Simulationen konnte ein Forschungsteam zeigen, dass sich massereiche Schwarze-Loch-Keime mit Massen von bis zu einer Million Sonnenmassen auf natürliche Weise in dichten, frühen Gruppen von Galaxien bilden können. Diese Keime und ihr Wachstum liefern auch eine Erklärung für die bislang mysteriösen Little Red Dots.

SMBH

Künstlerische Darstellung eines schnell wachsenden supermassereichen Schwarzen Lochs im jungen Universum, das von Gas umgeben ist.  Bild: Sunmyon Chon, Takaaki Takeda, 4D2U Project, NAOJ  [Großansicht]

Schon wenige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall gab es im Universum supermassereiche Schwarze Löcher mit der millionen- oder sogar milliardenfachen Masse unserer Sonne. Wie sich solche Giganten so schnell bilden konnten, hat die astronomische Forschung jahrzehntelang vor ein Rätsel gestellt. Nun hat eine neue Studie unter der Leitung von Sunmyon Chon am Max-Planck-Institut für Astrophysik (MPA) mithilfe ausgefeilter Simulationen des frühen Universums eine Antwort geliefert: Das Team zeigt, dass sich massereiche "Schwarze-Loch-Keime" mit Massen von bis zu einer Million Sonnenmassen auf natürliche Weise in dichten, frühen Gruppen von Galaxien bilden können, ohne dass dafür exotische oder fein abgestimmte Bedingungen erforderlich sind. Diese Keime wachsen mit erstaunlicher Geschwindigkeit und entwickeln sich rasch zu den supermassereichen Schwarzen Löchern, die vom James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) im frühen Universum beobachtet wurden.

Der Schlüssel zu diesem Durchbruch liegt in einem Effekt, der in kosmologischen Simulationen oft übersehen wurde: intensive Strahlung im fernen Ultraviolettbereich (FUV) von nahegelegenen, sternbildenden Galaxien. Im frühen Universum bildeten sich massereiche Galaxien in dichten Gruppen. Die Strahlung dieser Galaxien unterdrückte die Sternentstehung in nahegelegenen Gaswolken und verhinderte, dass diese abkühlten und sich in kleinere Sterne aufspalteten. Stattdessen kollabierte das Gas direkt zu einem einzigen, massereichen Objekt: einem supermassereichen Stern, der anschließend zu einem Schwarzen-Loch-Keim von beispielloser Größe kollabierte.

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"Dies ist das erste Mal, dass wir die Entstehung solch massereicher Keime in einer vollständigen kosmologischen Simulation beobachtet haben", sagt Chon. "Wir sind von keinen besonderen Annahmen ausgegangen: keine fein abgestimmten Bedingungen, keine künstlichen Auslöser. Die Physik von Strahlung, Schwerkraft und Gasdynamik führte auf natürliche Weise zur Entstehung dieser schweren Keime." Die Simulationen zeigen, dass diese Schwarzen-Loch-Keime nach ihrer Entstehung von dichten, opaken Gasscheiben umgeben sind. Diese Umgebung fängt Strahlung ein und ermöglicht es den Schwarzen Löchern, Materie mit Raten anzuhäufen, die um das Zehnfache über dem Eddington-Limit liegen, also dem theoretischen Maximum.

Diese "Super-Eddington"-Phase dauert nur einige hunderttausend Jahre, reicht aber aus, damit das Schwarze Loch bei einer Rotverschiebung von z ≈ 8 – nur 600 Millionen Jahre nach dem Urknall – von einer Million auf 30 Millionen Sonnenmassen anwächst. An dieser Stelle kommen die "Little Red Dots" ins Spiel. Das JWST hat kürzlich eine mysteriöse Population kompakter, roter Quellen bei Rotverschiebungen von z > 4–6 entdeckt. Diese "Little Red Dots" (LRDs) sind im sichtbaren Licht schwach, im Infrarotspektrum jedoch hell. Sie weisen starke Wasserstoff-Emissionslinien sowie rote Kontinua auf, was auf dichtes, undurchsichtiges Gas hindeutet.

Bislang war ihr Ursprung ein Rätsel. Die neuen Simulationen zeigen, dass die LRDs nicht einfach weit entfernte Galaxien sind, sondern kurzlebige, versteckte Phasen der Entstehung massereicher Schwarzer Löcher. Das dichte Gas, das das wachsende Schwarze Loch umgibt, wirkt wie ein kosmischer Kokon, der das Licht streut und die roten, strukturreichen Spektren erzeugt, die vom JWST beobachtet wurden. Die starke H-Alpha-Emission stammt demnach direkt aus dem dichten Gas, das das Schwarze Loch umgibt, und nicht aus einer separaten Breitlinienregion.

"Das passt perfekt", erklärt Chon. "Die Simulationen geben die Spektralmerkmale von LRDs auf natürliche Weise wieder. Wir erklären nicht nur die Masse des Schwarzen Lochs, sondern das gesamte Beobachtungsmuster." Die Studie löst zudem ein seit langem bestehendes Paradoxon auf. Warum sind manche frühen Schwarzen Löcher weitaus massereicher, als es auf der Grundlage lokaler Skalierungsbeziehungen zu erwarten wäre? Die Antwort liegt in der frühen, raschen Wachstumsphase. Sobald sich das Schwarze Loch in einer Galaxie etabliert hat, wächst es zwar langsamer, dafür aber stabiler weiter. Die Entstehung des massereichen Keims in den ersten paar hunderttausend Jahren schafft die Voraussetzungen für die heute beobachteten supermassereichen Schwarzen Löcher.

Die Auswirkungen gehen jedoch weit über Schwarze Löcher hinaus. Diese frühen, massereichen Keime spielten höchstwahrscheinlich eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der ersten Galaxien, indem sie mächtige Ausflüsse antrieben und die Sternentstehung beeinflussten. Zudem sind sie die wahrscheinlichsten Vorläufer der Gravitationswellenquellen, die von zukünftigen Missionen wie LISA nachgewiesen werden sollen.

"Diese Arbeit verbindet die ersten Sterne, die ersten Schwarzen Löcher und die ersten Galaxien miteinander", sagt Volker Springel, Mitautor und Direktor am MPA. "Wir simulieren nicht nur Schwarze Löcher, sondern die Entstehung der kosmischen Strukturen, die wir heute sehen." Da das JWST immer mehr LRDs aufdeckt und zukünftige Teleskope tiefer in das frühe Universum vordringen, bietet dieses neue Modell einen aussagekräftigen Ansatz, um zu verstehen, wie sich der Kosmos von der Dunkelheit zum Licht entwickelt hat. "Wir haben gezeigt, dass die massereichsten Schwarzen Löcher des Universums kein Wunder brauchten – sie brauchten lediglich die richtigen Bedingungen", fasst Chon zusammen. "Und diese Bedingungen waren im frühen Kosmos bereits gegeben."

Über ihre Ergebnisse berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der Zeitschrift Nature erschienen ist.

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siehe auch

JWST: Ein kleiner roter Punkt im ganz jungen Universum - 19. September 2025
Links im WWW
Chon, S. et al. (2026): Overmassive black holes and little red dots naturally form in simulations, Nature, 657, 621
Max-Planck-Institut für Astrophysik
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