|
Hinweise auf Wasser schon auf dem noch sehr jungen Mars
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung des Paul Scherrer Instituts astronews.com
19. August 2026
Wasser nachweisen, wo heute keines mehr vorhanden ist:
Neutronen- und Röntgentomografie machen es möglich. In einer internationalen
Studie konnten Forschende makroskopische wasserstoffreiche Bereiche im Inneren
eines Marsmeteoriten sichtbar machen. Die Resultate liefern Hinweise auf frühe
Wasser-Gesteins-Reaktionen auf dem Mars.

Der Planet Mars auf einem Mosaik, das auf
Aufnahmen der Sonde Voyager 1 beruht.
Bild: NASA / USGS [Großansicht] |
Der Rote Planet war nicht immer die staubige Wüste, als die er sich uns heute
präsentiert. Unser Nachbar barg einst Wasser: Daten von Raumsonden und
Rover-Messungen deuten darauf hin, dass es sogar an der Oberfläche floss – und
heute vor allem als chemisch gebundener Wasserstoff in Mineralen im Gestein
vorkommt. Wie alt diese wasserstoffhaltigen Minerale sind und wo und in welcher
Konzentration sie vorkommen, ist bislang jedoch nur teilweise verstanden. Dabei
wären solche Details entscheidend, um die frühe Umwelt des Mars besser zu
verstehen – und damit auch seine mögliche damalige Bewohnbarkeit.
In einer interdisziplinären Kollaboration ging ein Forschungsteam aus
Dänemark, Schweden und der Schweiz dem Wasser auf dem Mars nach – nicht auf dem
Mars selbst, sondern in einem Stück Marsgestein, das vor vielen Millionen Jahren
auf die Erde geschleudert wurde: NWA 7034 – besser bekannt als "Black Beauty".
Zwar enthält dieser Marsmeteorit kein flüssiges Wasser. Doch wenn Wasser mit
Gestein reagiert, hinterlässt es chemische Spuren – etwa veränderte
Eisenverbindungen oder hydratisierte Minerale. Genau solche Spuren wollten die
Forschenden im Innern der Probe sichtbar machen. Dafür kombinierte das Team zwei
komplementäre bildgebende Verfahren: Neutronen- und Röntgentomografie. Die
Neutronenmessungen fanden an der Schweizer Spallations-Neutronenquelle SINQ am
Paul Scherrer Institut (PSI) statt.
"Neutronen sind besonders empfindlich für Wasserstoff", erklärt
PSI-Wissenschaftler David Mannes, der zusammen mit Anders Kaestner die
Neutronentomografie am PSI durchgeführt hat. "In Kombination mit der
Röntgentomografie konnten wir damit nicht nur winzige hydratisierte Minerale
nachweisen, sondern erstmals auch größere, makroskopische Wasserstoffvorkommen
sichtbar machen." Die wasserstoffreichen Signaturen finden sich in sehr altem
Marsgestein und treten in klar abgrenzbaren, makroskopischen Bereichen auf.
Daraus lässt sich folgern, dass Wasser bereits früh mit der noch jungen
Marskruste reagierte.
"Black Beauty" – die "schwarze Schönheit" – ist ein Stück vom Roten Planeten,
das einst vor langer Zeit durch einen Meteoriteneinschlag auf dem Mars ins All
geschleudert wurde und nach langem Irrflug schließlich in der marokkanischen
Sahara niederging. Der rund 320 Gramm schwere Gesteinsbrocken enthält Material,
das bis zu 4,48 Milliarden Jahre alt ist – und zählt damit zu den ältesten
bekannten Fragmenten der Marskruste. Bereits in früheren Studien wurde dieses
begehrte Stück Stein aufwendig untersucht. Eine erste Abschätzung seines
Wassergehalts erfolgte durch kontrolliertes Erhitzen des Meteoriten und der
Analyse des dabei freigesetzten Wassers. In späteren Arbeiten untersuchten
Forschende mikrometergroße Dünnschliffe unter dem Mikroskop, um die Mineralogie
von "Black Beauty" im Detail zu erfassen. All diese Studien kamen zu einem
ähnlichen Schluss: "Black Beauty" ist voller Wasser – zumindest voller Spuren
davon.
Das Problem solcher Untersuchungen war jedoch, dass sie entweder nur
quantitative Aussagen zum Gesamtwassergehalt lieferten oder sich bloß auf
kleine, lokale Bereiche im Gestein beschränkten. Ein Bild über die räumliche
Verteilung der hydratisierten Minerale im gesamten Meteoriten ergab sich daraus
nicht. Genau hier setzt die neue Studie an: Das internationale Team kombinierte
erstmals Neutronen- und Röntgentomografie, um einen zusammenhängenden Abschnitt
des Meteoriten dreidimensional und zerstörungsfrei zu durchleuchten. "Der 12 mal
8 mal 2 Millimeter große Abschnitt von 'Black Beauty' kam via Paketdienst von
Kopenhagen in die Schweiz", erinnert sich Anders Kaestner schmunzelnd. "Hier
platzierten wir die Probe in unserer Strahllinie und rekonstruierten mithilfe
von Neutronen dessen Inneres."
Röntgen kennen wir alle aus dem Krankenhaus: Es funktioniert im Prinzip wie
ein Schattenwurf. Strahlung tritt in ein Objekt ein, wird je nach Material
unterschiedlich abgeschwächt oder gestreut, tritt auf der anderen Seite wieder
aus und wird detektiert – so entsteht ein zweidimensionales Bild des Inneren.
Die Tomografie geht noch einen Schritt weiter: Dabei wird das Objekt in der
Strahlung um 360 Grad gedreht, sodass sich sein Inneres vollständig
dreidimensional und zerstörungsfrei darstellen lässt. Röntgenstrahlen eignen
sich besonders gut, um die Verteilung schwererer Elemente wie Silizium oder
Eisen sichtbar zu machen. Leichte Elemente wie Wasserstoff liefern dagegen in
dichtem Gestein kaum Kontrast. "Als wir uns die Röntgentomografie des Meteoriten
angeschaut hatten, sahen wir bereits viele größere 'Löcher' im ansonsten dichten
Gestein", sagt Kaestner. "Erst mit der Neutronentomografie konnten wir
schließlich zeigen, dass diese Löcher nicht leer sind, sondern
wasserstoffhaltiges Material enthalten."
Um diese Wasserstoffsignaturen zu verstehen, muss man sie zuerst in einen
geologischen Kontext setzen: Bei "Black Beauty" handelt es sich nämlich nicht um
ein simples, homogenes Gesteinsstück, sondern um ein buntes Patchwork aus sehr
alten Krustenfragmenten. "In der Geologie sprechen wir von einer sogenannten
Brekzie", erklärt Marsgeologin Katrine Wulff Nikolajsen von der Universität
Kopenhagen, die an der Studie beteiligt war. "Ein Konstrukt, das aus Trümmern
verschiedener geologischer Zeitabschnitte besteht und das wie mit einem
Gesteinsbeton zusammengebacken wurde." Die komplexe Komposition von "Black
Beauty" ist auf mehrere gewaltige Meteoriteneinschläge auf dem Roten Planeten
zurückzuführen. "Bei solchen Ereignissen wird enorm viel Energie ins System
eingebracht", sagt Wulff. "Gestein aus verschiedenen Schichten wird aufgewühlt,
zerbrochen, teilweise aufgeschmolzen und neu vermischt."
Ein finaler Einschlag versorgte die Brekzie schließlich mit so viel Energie,
dass sie das Gravitationsfeld des Mars überwinden und ihre Reise zur Erde
antreten konnte. Was als "Black Beauty" in der marokkanischen Sahara niederging,
ist also eine Art geologische Zeitkapsel, die Material aus unterschiedlichen
Epochen der Marskruste enthält – darunter die ältesten uns bekannten
Gesteinsproben vom Roten Planeten. "Mit unseren beiden Analysemethoden stellten
wir fest, dass die hydratisierten Spuren nicht homogen in der Probe verteilt
sind, sondern als konzentrierte, makroskopische Hotspots auftreten", so die
Geologin. "Diese Hotspots treten vor allem in uralten Gesteinsfragmenten auf –
sie machen rund elf Prozent des gesamten Wassergehalts der untersuchten Probe
aus."
Daraus lässt sich schließen, dass Wasser bereits sehr früh in der Geschichte
des Roten Planeten vorhanden gewesen sein muss. Durch energiereiche geologische
Prozesse – etwa vulkanische Aktivität oder Impaktereignisse – könnte dieses
Wasser mit dem Gestein reagiert und in Form hydratisierter Minerale konserviert
worden sein. "Solche Prozesse beobachten wir auch auf der Erde", sagt Wulff. Die
Studie liefert damit nicht nur neue Einblicke in die frühe Marsgeschichte,
sondern auch einen methodischen Durchbruch: Erstmals lässt sich Wasserstoff in
Marsgestein dreidimensional und zerstörungsfrei kartieren. Zwar wurde nur ein 12
mal 8 mal 2 Millimeter großer Abschnitt untersucht, doch das Verfahren ließe
sich auch auf größere Proben anwenden – und könnte künftig eine wichtige Rolle
spielen, wenn Gesteinsproben von Marsmissionen oder anderen Himmelskörpern zur
Erde zurückgebracht werden.
Über ihre Resultate berichten die Forschenden jetzt im Fachjournal
Geophysical Research Letters.
|
Mission Mars - die
astronews.com-Berichterstattung über die Erforschung des Roten
Planeten |
|