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Was Mondstaub für Menschen gefährlich macht
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Universitätsmedizin Magdeburg astronews.com
13. Juli 2026
Wie reagiert die menschliche Lunge auf Staub vom Mond? Diese
Frage beschäftigt die Raumfahrtmedizin seit Apollo-Astronauten sich über eine
Art Mondheuschnupfen beklagten. Nun wurde ein dreidimensionales Modell
menschlicher Bronchien entwickelt. Mondstaub könnte danach die natürlichen
Reinigungsmechanismen der Atemwege stärker als irdischer Feinstaub
beeinträchtigen.

Der Kommandant
von Apollo 17, Eugene Cernan, kehrte 1972 von der
Mondoberfläche mit einer dichten Schicht aus
feinem, scharfkantigem Mondstaub (Regolith)
bedeckt zurück. Foto: NASA [Großansicht] |
Bereits die Astronauten der Apollo-Missionen berichteten nach dem Kontakt mit
Mondstaub über Beschwerden, die an Heuschnupfen erinnerten: Niesen, tränende
Augen und Halsreizungen. Bis heute ist jedoch nur unzureichend verstanden, wie
sich Mondstaub auf die menschliche Gesundheit auswirkt. Mondstaub unterscheidet
sich deutlich von Staubpartikeln auf der Erde. Seine Körner besitzen scharfe
Kanten, sind besonders grob und enthalten chemische Bestandteile, die auf den
menschlichen Körper anders wirken können als gewöhnlicher Feinstaub.
Für die Untersuchungen nutzten die Forschenden ein künstlich erzeugtes Modell
menschlicher Atemwege. Dieses besteht aus menschlichen Zellen, die auf einem
biologischen Gerüst wachsen und dabei viele Eigenschaften echter Bronchien
nachbilden. Dazu gehören unter anderem die Schleimproduktion und die Bewegung
winziger Flimmerhärchen. Diese Härchen transportieren eingeatmete Fremdstoffe
normalerweise wieder aus den Atemwegen heraus. Die Forschenden verglichen die
Wirkung eines häufig verwendeten Mondstaub-Ersatzmaterials mit der Wirkung von
Feinstaubpartikeln der Größenklasse PM10, wie sie beispielsweise durch Verkehr,
Industrie oder Heizungen entstehen können.
Die Untersuchungen zeigten, dass der simulierte Mondstaub bereits wenige
Stunden nach dem Kontakt Veränderungen im Atemwegsmodell auslöste. So wurde
zunächst vermehrt Schleim gebildet. Gleichzeitig nahm die Beweglichkeit der
Flimmerhärchen ab. Nach 72 Stunden sank deren Schlagfrequenz von
durchschnittlich etwa 10 Schlägen pro Sekunde auf rund 7 Schläge pro Sekunde.
Dadurch könnten eingeatmete Partikel länger in den Atemwegen verbleiben. Auch
die Stabilität der Zellschicht, die die Atemwege auskleidet und als
Schutzbarriere dient, wurde durch den Mondstaub beeinträchtigt. Zudem fanden die
Forschenden Hinweise auf Umbauprozesse im Gewebe, wie sie auch bei chronischen
Atemwegserkrankungen beobachtet werden können.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass Mondstaub in den Atemwegen andere und
teilweise stärkere Reaktionen auslösen kann als Feinstaub von der Erde", sagt
Dr. Marcus Krüger, Arbeitsgruppenleiter Umweltzellbiologie der
Forschungsabteilung Mikrogravitation und Translationale Regenerative Medizin der
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. "Das deutet darauf hin, dass
Erkenntnisse aus der Feinstaubforschung nicht ohne Weiteres auf die Bedingungen
auf dem Mond übertragen werden können."
Neu an der Studie ist vor allem das verwendete Untersuchungsmodell –
entwickelt durch das Forschungslabor der Abteilung Thoraxchirurgie an der
Universitätsmedizin Magdeburg. "Während viele frühere Arbeiten auf Tierversuchen
oder zweidimensionalen Zellkulturen beruhten, bildet das Magdeburger 3D-Modell
wichtige Funktionen menschlicher Atemwege deutlich realistischer nach.
Schleimbildung, Flimmerhärchen und die Barrierefunktion des Gewebes können
dadurch gleichzeitig untersucht werden – Funktionen, die in vielen bisherigen
Labormodellen nur eingeschränkt darstellbar sind", erklärt Laborleiterin Dr.
Cornelia Wiese-Rischke.
Die Forschenden konnten außerdem zeigen, dass Mondstaub andere biologische
Reaktionen hervorruft als Feinstaub auf der Erde. In den Analysen fanden sich
elf Proteine, die ausschließlich nach Kontakt mit dem Mondstaub nachweisbar
waren. Diese standen vor allem mit Veränderungen des Gewebes und den
Verbindungen zwischen den Zellen in Zusammenhang. Die Studie basiert auf
mehreren unabhängigen Experimenten mit menschlichen Atemwegszellen. Untersucht
wurden Veränderungen innerhalb von vier bis 72 Stunden nach der Staubbelastung.
Die Forschenden weisen jedoch darauf hin, dass es sich zunächst um eine
Pilotstudie handelt. Das eingesetzte Mondstaub-Material ist zunächst ein dem
Mond nachempfundener Ersatzstoff, der die Eigenschaften echten Mondstaubs nur
teilweise nachbildet. Der Zugang zu originalem Mondmaterial ist weltweit stark
reglementiert und nur in sehr begrenzten Mengen möglich. Zudem enthält das
Modell keine Immunzellen, die bei Entzündungsreaktionen in der Lunge eine
wichtige Rolle spielen.
Die Ergebnisse liefern dennoch wichtige Hinweise für zukünftige
Raumfahrtmissionen. Sie könnten dazu beitragen, Grenzwerte für die Belastung
durch Mondstaub festzulegen und Schutzmaßnahmen für Astronautinnen und
Astronauten zu entwickeln. Darüber hinaus könnte das entwickelte Modell auch auf
der Erde eingesetzt werden, etwa zur Untersuchung von Luftverschmutzung,
Vulkanstaub oder anderen eingeatmeten Partikeln. "Unser Atemwegsmodell eröffnet
die Möglichkeit, Gesundheitsrisiken durch verschiedene Staubarten genauer zu
untersuchen und dabei gleichzeitig den Einsatz von Versuchstieren zu
reduzieren“, sagt Prof. Dr. Thorsten Walles, Chefarzt der Thoraxchirurgie.
In zukünftigen Studien wollen die Forschenden das Modell um weitere Zelltypen
ergänzen und längere Belastungszeiträume untersuchen. Außerdem soll geprüft
werden, wie echter Mondstaub, der nach künftigen Missionen verfügbar werden
könnte, auf menschliches Gewebe wirkt. An der Forschung beteiligte Einrichtungen
sind neben der Forschungsabteilung Mikrogravitation und Translationale
Regenerative der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, die Universitätsklinik
für Herz- und Thoraxchirurgie Magdeburg, die Core Facility Tissue Engineering
und die Verfahrenstechnik der Universität Magdeburg, der Forschungsverbund MARS
(Magdeburger Arbeitsgemeinschaft für Forschung unter Raumfahrt- und
Schwerelosigkeitsbedingungen), die Aarhus University, Dänemark sowie das
Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Trends in Biotechnology
veröffentlicht.
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