|
Leichtere und leistungsfähigere Batterien für Satelliten
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Fraunhofer-Gesellschaft astronews.com
1. Juli 2026
Eine zuverlässige Energieversorgung ist für den sicheren
Betrieb von Satelliten von großer Bedeutung - auch dann, wenn sie sich gerade im
Schatten der Erde befinden und daher keinen Strom aus Solarzellen beziehen
können. Im Rahmen des Projekts "SpaceBox" arbeiten Forschung und Industrie
gemeinsam an leichteren und leistungsfähigeren Energiespeichern für Satelliten.

TUBIN-Satellit mit zwei
Lithium-Ionen-Batteriepacks.
Foto: Philipp Werner / TU Berlin [Großansicht] |
Satelliten sind auf zuverlässige Energiespeicher angewiesen: Wenn sie auf
ihrer Umlaufbahn durch den Erdschatten fliegen, können ihre Solarzellen keine
Energie erzeugen. Batterien überbrücken diese Phasen und unterstützen den
Betrieb auch dann, wenn an Bord kurzfristig mehr Leistung benötigt wird, als die
Solarzellen liefern können. Im Forschungsprojekt "SpaceBox" entwickelt ein
Berliner Konsortium aus Wissenschaft und Industrie nun eine neue Generation von
Raumfahrtbatterien. Ziel ist ein integriertes Batteriesystem, das deutlich
leichter und leistungsfähiger ist als heutige Lösungen und gleichzeitig den
hohen Anforderungen des Weltraums standhält.
Im Mittelpunkt von "SpaceBox" steht ein vollständig integriertes
Batteriemodul auf Basis innovativer Lithium-Schwefel-Technologie. Diese
Batterien können bei gleichem Gewicht deutlich mehr Energie speichern als heute
übliche Lithium-Ionen-Batterien. Für Satelliten ist das ein entscheidender
Vorteil: Jedes eingesparte Kilogramm senkt die Kosten für den Transport ins All
und schafft Spielraum für zusätzliche Nutzlast, längere Missionsdauern oder
kleinere und kostengünstigere Satellitenplattformen. Die im Projekt eingesetzte
und weiterzuentwickelnde Lithium-Schwefel-Technologie soll Energiedichten von
mehr als 300 Wattstunden pro Kilogramm (Wh/kg) erreichen. Im Vergleich: Für die
sonst meist eingesetzten Lithium-Ionen Batterien sind 150 Wh/kg typisch.
Am Ende des Projekts soll ein qualifizierter Demonstrator zeigen, dass sich
die Technologie für künftige Raumfahrtmissionen eignet. Dafür testet das
Fachgebiet Raumfahrttechnik der TU Berlin Batteriezellen, Elektronik,
Batteriemanagementsystem und das vollständig integrierte Modul unter
realistischen Weltraumbedingungen. Im Fokus stehen Anwendungen im erdnahen
Orbit, dem sogenannten Low Earth Orbit (LEO), in dem sich die meisten Satelliten
bewegen, sowie Einsatzmöglichkeiten jenseits davon. Mit zunehmender Entfernung
von der Erde nimmt die Schutzwirkung des Magnetfelds ab, wodurch die
Strahlenbelastung deutlich steigt. Dies kann zu Leistungsabnahme, Fehlern oder
Ausfällen elektronischer Systeme führen. Zur Weltraumqualifikation gehören unter
anderem Thermal-Vakuum-, Schock- und Vibrationstests, Lade-Entlade-Zyklen sowie
Testreihen zur Widerstandsfähigkeit gegen Weltraumstrahlung. Sie sollen die
Leistungsfähigkeit des Systems unter realistischen Missionsbedingungen
nachweisen und zugleich seine Einsatzgrenzen bestimmen.
Das Fachgebiet Raumfahrttechnik der TU Berlin übernimmt als Systemintegrator
eine zentrale Rolle im Konsortium. Es definiert die Anforderungen an das
Batteriemodul, entwickelt das Batteriemanagementsystem, koordiniert die
Qualifikationstests und verantwortet die Integration des Gesamtsystems. "Mit
SpaceBox verbinden wir unsere langjährige Erfahrung in der Entwicklung von
Satellitensystemen mit einer vielversprechenden Batterietechnologie", sagt
Philipp Werner, Systemingenieur am Fachgebiet Raumfahrttechnik der TU Berlin.
"Ziel ist es, ein vollständig integriertes und für die Raumfahrt qualifiziertes
Energiespeichersystem zu entwickeln, das zukünftige Satellitenmissionen
leistungsfähiger und effizienter macht."
Ein besonderer Schwerpunkt der TU Berlin liegt auf dem
Batteriemanagementsystem. Es sorgt dafür, dass die Batterie im Weltraum sicher
und zuverlässig arbeitet. Dazu überwacht es laufend wichtige Werte wie Spannung,
Strom, Temperatur und Ladezustand der einzelnen Batteriezellen. So kann das
System frühzeitig erkennen, wenn etwas nicht wie vorgesehen funktioniert, und
entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten. Außerdem gleicht das
Batteriemanagementsystem die einzelnen Zellen aus, damit sie möglichst
gleichmäßig belastet werden. Das trägt dazu bei, die Leistungsfähigkeit und
Lebensdauer der Batterie zu erhalten – auch unter den besonderen Bedingungen im
Weltraum. Die Entwicklung baut auf Erfahrungen aus Eigenentwicklungen des
Fachgebiets Raumfahrttechnik für die erfolgreichen Satellitenmissionen TechnoSat
und TUBIN auf. Dafür steht bereits ein breiter Katalog qualifizierter Hardware
und modularer Software zur Verfügung, der im Projekt weiterentwickelt wird.
"Gerade bei Batteriezellen für Raumfahrtanwendungen müssen wir häufig auf
internationale Partner zurückgreifen", sagt Werner. "Ein kompetenter nationaler
Partner, der in Zukunft sogar unsere weltraumqualifizierten Zellen anbieten
kann, ist allein schon ein großer Gewinn für deutsche Raumfahrtprojekte."
Partner des Projekts sind das Fachgebiet Raumfahrttechnik der Technischen
Universität Berlin, die Berliner Batterie-Zellen-Entwickler der theion GmbH, die
die neuartige Batteriezellen entwickelt und die Space Structures GmbH, die ein
leichtes und robustes Gehäuse entwickelt. Das Vorhaben wird vom
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt über die Deutsche
Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt mit rund drei
Millionen Euro gefördert und läuft über 30 Monate.
Das Fachgebiet Raumfahrttechnik der TU Berlin verfügt über langjährige
Erfahrung in der Entwicklung, Fertigung, Verifikation und dem Betrieb von
Kleinsatelliten. Seit 1991 wurden unter Beteiligung der TU Berlin 31
Kleinsatelliten erfolgreich gestartet und betrieben. Die aktuellen
Forschungsaktivitäten reichen von CubeSat- und Mikrosatellitenplattformen bis
hin zu Missionen zum Mond und zur Venus. Im Fokus stehen dabei unter anderem
robuste Raumfahrtelektronik, Systemintegration und Fragen der Strahlungshärtung.
Neben den technologischen Zielen leistet "SpaceBox" auch einen Beitrag zur
Ausbildung wissenschaftlicher Fachkräfte. Promovierende und Studierende werden
aktiv in die Forschungsarbeiten eingebunden. Geplant sind unter anderem drei
Stellen für studentische Hilfskräfte. Sie erwerben im Projekt Kompetenzen in den
Bereichen elektrochemische Speichertechnologien, Batteriemanagement,
Raumfahrtsysteme und Systemintegration.
|