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Effiziente Kühlung im All dank rauer Oberflächen
Redaktion / idw / Pressemitteilung der Fraunhofer-Gesellschaft
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28. Mai 2026

Die Kühlung der Elektronik von Satelliten im Weltraum ist aufgrund des Vakuums im All extrem anspruchsvoll. Wärmeleitung ist nicht möglich, es bleibt lediglich die Abstrahlung von Wärme in den Weltraum. Um die Wärmeabfuhr von Satellitenkomponenten und Raketendüsen zu verbessern wurden nun Oberflächen mittels Femto- und Nanosekundenlasern bearbeitet.

Laser

Femtosekundenlaserstrukturierung einer Lavaldüse aus CuCrZr, einer Kupferlegierung mit Chrom und Zirkonium. Foto: Fraunhofer HHI [Großansicht]

Im Weltall herrscht ein Vakuum. Daher ist die Abgabe von Wärme an die Umgebung durch Wärmeleitung nicht möglich. Dies stellt ein Problem für jegliche Art von weltraumtauglicher Elektronik dar, die unter diesen Bedingungen schnell überhitzen kann. Die einzige Möglichkeit, Wärme im Weltraum wieder abzugeben, ist die Abstrahlung in den Weltraum. Hierbei wird Hitze durch einen Radiator in Wärmestrahlung umgewandelt. Damit dieses Verfahren effizient funktionieren kann, muss das eingesetzte Material die Wärmestrahlung maximal abgeben.

Forschende des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut (HHI), funktionalisieren Metalloberflächen daher so, dass sie im Vakuum hocheffizient Wärme abstrahlen. Solche Oberflächenbehandlungen haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in verschiedenen Projekten unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Exzellenzcluster "Advanced Photon Sources CAPS" entwickelt. "Da blanke Metalloberflächen – etwa aus Aluminium gefertigte Außenwände von Satelliten, Außenseiten von Raketendüsen oder von Boxen, die Leistungselektronik enthalten – Wärme sehr schlecht abstrahlen, rauen wir sie per Laser auf. Die raue, strukturierte Oberfläche fungiert quasi wie ein Radiator und strahlt die Wärme sehr gut ab", sagt Prof. Dr. Eike Hübner, Forschungsgruppenleiter und Wissenschaftler am Fraunhofer HHI. "Wir können alle Geometrien entsprechend funktionalisieren, auch komplex geformte wie etwa gekrümmte Oberflächen."

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Die Metalle werden mit einem Femtosekundenlaser bestrahlt, wodurch ein Teil der Oberfläche verdampft. Durch die extrem kurzen Laserpulse bleibt das Material unbeschadet. In die vorher glatte Oberfläche werden Kegel hineingelasert, die in der Größenordnung von einem Mikrometer sind. Der Vorteil dieses Verfahrens: Die Oberfläche wird physikalisch optimiert, ohne dass sich das Material chemisch verändert. Zudem sorgen strukturierte Oberflächen für eine Kostenersparnis beim Start, da sich das Startgewicht von Trägerraketen durch den Wegfall von bislang verwendeten Lackbeschichtungen verringert.

Mithilfe der Laserstrukturierung ist es den Forschenden am Fraunhofer HHI gelungen, die thermische Emissivität der rauen Oberflächen aus Aluminium, Edelstahl, Titan oder Kupfer auf 95 bis 99 Prozent zu erhöhen. Zum Vergleich: Die Emissivität der unbehandelten reinen Metalle beträgt etwa zehn Prozent. In Tests bestanden die strukturierten Flächen aus Aluminium Temperaturen von bis zu 650 Grad Celsius. Da sie bis zum jeweiligen Schmelzpunkt des verwendeten Metalls stabil bleiben, werden sie auf geeigneten Materialien auch bei Temperaturen über 650 Grad nicht beschädigt. Im Gegensatz zu lackierten Oberflächen, die im Lauf der Zeit Lösungsmittel abscheiden, entfällt auch das Risiko des Outgassing, der Freisetzung von Gasen.

Bislang ist die laserbehandelte, gefräste Oberfläche schwarz. Hübner und sein Team forschen derzeit daran, die funktionalisierten Bereiche weiß erscheinen zu lassen. "Satelliten sind, je nachdem auf welcher Seite der Erde sie sich befinden, der Bestrahlung durch die Sonne ausgesetzt. Schwarze Flächen absorbieren das Sonnenlicht, der Radiator wird also heiß. Dieses Problem wollen wir durch weiße Flächen vermeiden, die das Sonnenlicht reflektieren", erklärt der Forscher. Darüber hinaus entwickelte das Team den Laserprozess in Zusammenarbeit mit einem industriellen Partner weiter.

Die kostspieligen und anfälligen Femtosekundenlaserverfahren sollen künftig durch günstigere, robuste Nanosekundenlaserverfahren ersetzt werden, die unter Reaktivgasatmosphäre, also unter reinem Sauerstoff, vergleichbare hineingefräste Strukturen in den metallischen Oberflächen erzeugen können. "Der Prozess wird sich dann zwar verlangsamen und wir werden nur eine Wärmeabstrahlung von etwa 85 Prozent erreichen, allerdings lassen sich dadurch die Investitionskosten deutlich reduzieren", so Hübner.

Einige vom Fraunhofer HHI laserstrukturierte Proben aus Aluminium und Titan befinden sich zu Testzwecken seit Dezember 2024 im Weltall. In einem Projekt, an dem unter anderen die Europäische Weltraumorganisation ESA beteiligt war, wurden die thermisch hochemissiven Oberflächen als Strahlungskühlkörper zur Evaluation unter Realbedingungen an der Außenhülle der Internationalen Raumstation ISS in Flugrichtung angebracht. "Inzwischen sind die Metallproben auf dem Rückweg zur Erde. Die Auswertung und die Untersuchung auf Materialalterung, auf eventuelle Beschädigungen und Veränderungen der Wärmeabstrahlungswerte stehen also noch aus", sagt Hübner.

 Ihre Forschungsergebnisse wollen der Forscher, seine Kollegin Hanan Al-Haddar und sein Kollege Dr. Ahmad Abdalwareth vom Fraunhofer HHI in dem Start-up Dythalis vermarkten. Als Kundenkreis hat das Team vor allem Hersteller von Satelliten und Kleinsttriebwerken im Blick.

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