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Die Oberflächenbeschaffenheit einer nahgelegenen Supererde
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie astronews.com
4. Mai 2026
Beobachtungen mit dem Weltraumteleskop James Webb
haben ergeben, dass der 48,5 Lichtjahre entfernte Gesteinsplanet LHS 3844 b eine
dunkle, heiße Oberfläche besitzt und über keine Atmosphäre verfügt. Zudem dürfte
seine Oberfläche aus Basalt oder Mantelgestein bestehen und schon über einen
langen Zeitraum hinweg geologisch inaktiv gewesen sein.

Der 48,5 Lichtjahre entfernte Planet LHS
3844 b. Ob seine Oberfläche tatsächlich so wie in
dieser künstlerischen Darstellung aus dem Jahr
2019 aussieht, ist ungewiss. Bild: NASA
/ JPL-Caltech / R. Hurt (IPAC) [Großansicht] |
Mithilfe des Instruments MIRI (Mid-Infrared Instrument) an Bord des
James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) untersuchte ein Forschungsteam jetzt die
Oberflächenzusammensetzung des Gesteinsplaneten LHS 3844 b. Geleitet wurde die
Gruppe von Sebastian Zieba vom Center for Astrophysics | Harvard &
Smithsonian im US-amerikanischen Cambridge, einem ehemaligen Doktoranden am
Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg, sowie von Laura
Kreidberg, Direktorin am MPIA und wissenschaftliche Leiterin der Studie. Über
die Bestimmung von Exoplaneten-Atmosphären hinaus stellt die Entschlüsselung
geologischer Eigenschaften von Planeten, die ferne Sterne umkreisen, den
nächsten Schritt dar, um deren Beschaffenheit grundlegend zu verstehen.
LHS 3844 b ist ein Gesteinsplanet, der etwa 30 % größer als die Erde ist und
sich in einer Entfernung von 48,5 Lichtjahren zur Erde befindet. Er umkreist
einen kühlen Roten Zwergstern in nur rund elf Stunden in einer Entfernung von
lediglich drei Sterndurchmessern oberhalb der Sternoberfläche. Dabei weist er
eine gebundene Rotation auf. Das bedeutet, dass seine Eigenrotation genauso
lange dauert wie ein Umlauf um den Stern. Infolgedessen zeigt der Planet dem
Stern immer dieselbe Seite. Auf dieser permanenten Tagseite beträgt die
Durchschnittstemperatur etwa 725 Grad Celsius.
LHS 3844 b ähnelt mit seiner dunklen Oberfläche im Wesentlichen einer
größeren Version des Mondes oder des Planeten Merkur. Diese Schlussfolgerung
basiert auf der Analyse der Infrarotstrahlung, die von der heißen Tagseite des
Planeten ausgeht. Bei der Messung dieser Strahlung kann der Planet jedoch nicht
direkt abgebildet werden; stattdessen registrieren die Forschenden lediglich die
periodischen Helligkeitsschwankungen des kombinierten Lichts des Sterns und des
Planeten während des Umlaufs. MIRI zerlegte einen Teil der Infrarotstrahlung des
Planeten im Bereich von fünf bis zwölf Mikrometern in kleinere
Wellenlängenabschnitte und maß die Helligkeit für jedes dieser Intervalle. Dies
bezeichnen Astronomen als Spektrum – eine regenbogenartige Verteilung der
einzelnen Komponenten des Lichts. Ein weiterer Datenpunkt, der aus Beobachtungen
mit dem Spitzer-Weltraumteleskop stammt und vor einigen Jahren veröffentlicht
wurde, ergänzte die Analyse.
Ähnlich wie die Erforschung von Exoplaneten-Atmosphären von der
Klimawissenschaft profitiert hat, greift das aufstrebende Feld der
Exoplanetengeologie auf geologische Erkenntnisse der Erde zurück. Zieba,
Kreidberg und ihr Team nutzten Modelle sowie Datenbanken mit Referenzspektren
von Gesteinen und Mineralien, die von der Erde, dem Mond und dem Mars bekannt
sind. So untersuchten sie, welche Infrarotsignaturen diese unter den Bedingungen
auf LHS 3844 b hervorbringen würden. Der Vergleich der Beobachtungsdaten mit
diesen Berechnungen schloss eine Zusammensetzung, die der Erdkruste ähnelt –
bestehend aus typischen silikatreichen Gesteinen wie Granit – sicher aus.
Obwohl dieses Ergebnis wenig überraschend ist – selbst im Sonnensystem
besitzt nur die Erde eine solche Kruste –, gibt es Aufschluss über die
geologische Geschichte von LHS 3844 b. Man geht davon aus, dass erdähnliche,
silikatreiche Krusten durch eine langwierige Anreicherung entstehen, die
tektonische Aktivität erfordert und üblicherweise Wasser als Schmiermittel
benötigt. Dabei schmilzt und erstarrt das Gesteinsmaterial wiederholt, während
es mit Mantelmaterial vermischt wird, wodurch die leichteren Minerale an der
Oberfläche zurückbleiben. "Da LHS 3844 b keine solche Silikatkruste besitzt,
lässt sich schlussfolgern, dass eine erdähnliche Plattentektonik auf diesem
Planeten entweder nicht existiert oder ineffektiv ist", sagt Zieba. "Dieser
Planet enthält wahrscheinlich nur wenig Wasser."
Stattdessen deutet die dunkle Oberfläche auf eine Zusammensetzung hin, die an
irdischen oder lunaren Basalt oder an Erdmantelmaterial erinnert. Die
Astronominnen und Astronomen strebten jedoch eine noch detailliertere
Charakterisierung an. Eine statistische Analyse, wie gut das gemessene Spektrum
mit verschiedenen Mineralmischungen und Oberflächenstrukturen übereinstimmt,
ergab, dass ausgedehnte, feste Ebenen aus Basalt oder magmatischem Gestein die
Beobachtungen am besten erklären. Solche Gesteine sind reich an Magnesium und
Eisen und können das Mineral Olivin enthalten. Auch zerkleinertes Material wie
Gesteinsbrocken oder Geröll passt recht gut zu den Daten. Hingegen sind feine
Körner oder ein pulvriges Material nicht mit den Beobachtungen vereinbar, da
diese – zumindest auf den ersten Blick – ein helleres Erscheinungsbild aufweisen
würden.
Ohne eine schützende Atmosphäre sind Planeten der sogenannten
Weltraumverwitterung ausgesetzt. Diese wird primär durch die harte,
energiereiche Strahlung des Zentralsterns sowie durch Einschläge von Meteoriten
unterschiedlicher Größe vorangetrieben. "Es zeigt sich, dass diese Prozesse das
harte Gestein nicht nur langsam in Regolith zersetzen – eine Schicht aus feinen
Körnern, wie man sie vom Mond kennt", erklärt Zieba. "Sie machen diese Schicht
zudem dunkler, indem sie Eisen und Kohlenstoff anreichern. Dadurch entsprechen
die Eigenschaften des verwitterten, pulvrigen Regoliths eher den Beobachtungen."
Diese Analyse führt die Astronominnen und Astronomen zu zwei Szenarien für
die Planetenoberfläche, die gleichermaßen gut mit den Daten übereinstimmen. Das
erste Szenario beschreibt eine Oberfläche, die von dunklem, festem Gestein aus
basaltischen oder magmatischen Mineralen geprägt ist. Da die
Weltraumverwitterung die Eigenschaften solchen Gesteins auf geologischen
Zeitskalen vergleichsweise schnell verändert, folgern die Forschenden, dass die
Oberfläche in diesem Fall relativ jung sein müsste – entstanden durch kürzliche
geologische Aktivitäten wie weiträumigen Vulkanismus.
Das zweite Szenario geht ebenfalls von einer dunklen Oberfläche aus,
vergleichbar mit der des Mondes oder des Merkurs. Es berücksichtigt jedoch eine
langanhaltende Weltraumverwitterung, die zur Entstehung ausgedehnter Regionen
führt, die von einer dunklen Regolithschicht bedeckt sind. Dabei handelt es sich
um jenes feine Pulver, das auch auf dem Mond vorkommt, wie die legendären
Aufnahmen der Fußabdrücke der Astronauten belegen. Diese Alternative setzt
längere Zeiträume geologischer Inaktivität voraus und erfordert damit
Bedingungen, die dem ersten Szenario widersprechen.
Die beiden Szenarien unterscheiden sich maßgeblich in der Intensität der
geologischen Aktivität, die für die jeweilige Oberflächenbeschaffenheit
erforderlich wäre. Auf der Erde und anderen aktiven Himmelskörpern im
Sonnensystem sind vulkanische Ausgasungen ein typisches Begleitmerkmal solcher
Prozesse. Schwefeldioxid ist ein Gas, das häufig mit Vulkanismus in
direktem Zusammenhang steht. Wäre es auf LHS 3844 b in nennenswerten Mengen
vorhanden, hätte MIRI es nachweisen müssen. Da jedoch keine entsprechenden
Spuren festgestellt wurden, gilt eine Phase rezenter vulkanischer Aktivität als
unwahrscheinlich.
Dies veranlasst die Astronominnen und Astronomen, das zweite
Szenario zu bevorzugen. Sollte dies zutreffen, könnte LHS 3844 b dem Planeten
Merkur tatsächlich sehr ähnlich sehen. Um diese Hypothese zu überprüfen, werten
Zieba, Kreidberg und ihr Team bereits weitere Beobachtungsdaten
des JWST aus. Diese ermöglichen es, die Oberflächenbedingungen durch die Analyse
feiner Unterschiede in der Lichtemission und -reflexion von massivem Gestein
gegenüber feinem Sand oder Pulver genauer zu bestimmen. Die Verteilung der
Emissionswinkel hängt von der Oberflächenrauheit ab, die wiederum die
beobachtete Helligkeit bei einem bestimmten Blickwinkel beeinflusst.
Dieses
Verfahren wird bereits erfolgreich zur Charakterisierung von Asteroiden im
Sonnensystem eingesetzt. "Wir sind zuversichtlich, dass uns dieselbe Technik
erlauben wird, die Beschaffenheit der Kruste von LHS 3844 b und künftig auch die
anderer Gesteins-Exoplaneten zu klären", so Kreidberg. Über ihre Ergebnisse
berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der Fachzeitschrift Nature Astronomy
veröffentlicht wurde.
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