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ERDE
Der leuchtende Puls der menschlichen Zivilisation
Redaktion / idw / Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum
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10. April 2026

Aus großer räumlicher und zeitlicher Entfernung betrachtet nimmt das nächtliche Leuchten bewohnter Bereiche der Erde stetig zu. Wie schwankend dieses Leuchten aber in Wirklichkeit ist, zeigt eine jetzt vorgestellte Studie anhand einer neuen Analyse von Satellitendaten. Die Schwankungen können dabei ganz verschiedene Ursachen haben.

Erde

Der nächtliche Blick auf die Erde erfasst anhand der künstlichen Lichtemissionen die menschlichen Aktivitäten auf der östlichen Hemisphäre des Planeten. Bild: Michala Garrison / NASA Earth Observatory  [Großansicht]

"Zum ersten Mal wurden zu diesem Zweck auf globaler Ebene tägliche Satellitenbilder verwendet", sagt Prof. Dr. Christopher Kyba, Professor für Nachtlichtfernerkundung an der Ruhr-Universität Bochum, der an der Studie beteiligt war. Die Daten zeigen erneut, dass die Lichtemissionen insgesamt zwar zugenommen haben. Doch die wichtigste neue Erkenntnis ist, dass Schwankungen sehr häufig vorkommen und nicht nur auf Faktoren wie die COVID-19-Lockdowns oder den Krieg in der Ukraine zurückzuführen sind.

Die Auswertung der Daten des Satelliteninstruments VIIRS DNB aus den Jahren 2014 bis 2022 zeigen, dass die nächtliche Beleuchtung global um rund zwei Prozent pro Jahr zunimmt. "Zwar ist weltweit ein Anstieg von insgesamt 16 Prozent zu verzeichnen, doch das bedeutet nicht, dass es überall zu einer Aufhellung kommt", erklärt Kyba. "In den Gebieten, in denen eine Aufhellung zu beobachten ist, stiegen die Emissionen um 34 Prozent. Dies wurde durch einen Rückgang der Emissionen um 18 Prozent in anderen Gebieten ausgeglichen." Damit war die Zu- und Abnahme der Beleuchtung wesentlich dynamischer als zuvor angenommen.

Während China und Indien durch die Urbanisierung im Auswertungszeitraum immer heller leuchteten, nahm die Beleuchtung in anderen Industriestaaten eher ab, weil sie zum Beispiel auf LED-Beleuchtung umstellen oder die nächtliche Beleuchtung regulieren, um Lichtverschmutzung einzudämmen. Ein dramatischer Rückgang der Beleuchtung war in der Ukraine nach Beginn der russischen Angriffe zu beobachten. Aber auch Frankreich leuchtet nachts deutlich schwächer (minus 33 Prozent), da viele Kommunen dort nach Mitternacht die nächtliche Straßenbeleuchtung abschalten, um Energie zu sparen und Lichtverschmutzung zu vermeiden.

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"In Deutschland blieben die Lichtemissionen trotz lokaler Veränderungen insgesamt konstant", berichtet Kyba. "Während in einigen Gebieten des Landes die Lichtemissionen um 8,9 Prozent anstiegen, sanken sie in anderen Gegenden um 9,2 Prozent ab." Insgesamt ging das nächtliche Leuchten in Europa um vier Prozent zurück – wobei dieser kleine Rückgang nicht ganz den menschlichen Eindruck widerspiegelt, da es Unterschiede zwischen der Empfindlichkeit von Satelliten und dem menschlichen Sehvermögen gibt.

Möglich wurden diese Erkenntnisse durch die Auswertung von auf einzelne Tage bezogenen Daten. Bisherige Beobachtungen basieren auf monatlicher oder jährlicher Auswertung, wodurch es aufgrund instrumenteller Faktoren schwieriger war, Veränderungen zu erkennen und zu messen. "Bislang wurde noch keine globale Analyse unter Verwendung der nächtlichen Daten in voller Auflösung durchgeführt", unterstreicht Kyba. Zudem basiert die aktuelle Analyse auf einem eigens entwickelten Algorithmus, der den Blickwinkel des Satelliten mit einrechnet: Wenn man ein Wohngebiet von der Seite betrachtet, wirkt es heller, als wenn man direkt von oben darauf herabblickt; in Stadtzentren ist es meist umgekehrt. Schwankungen der Position des Satelliten, die seinen Blickwinkel verändern, wurden somit erstmals berücksichtigt. Die in der Studie ausgewerteten Daten stammen von den Satelliten Suomi NPP, NOAA-20 und NOAA-21 der amerikanischen Behörden NOAA und NASA.

"Künstliches Licht ist nachts ein wichtiger Stromverbraucher, und Lichtverschmutzung beeinträchtigt Ökosysteme", sagt Kyba. "Es ist wichtig zu verstehen, wie sich beides verändert." Er leitet ein Team, das der Europäischen Weltraumorganisation ESA einen hochmodernen europäischen Satelliten zur Beobachtung des nächtlichen Lichts als Earth Explorer 13 vorschlagen wird. Dieser neue Satellit würde wesentlich empfindlichere Beobachtungen liefern als bestehende Satelliten und dank seiner hohen Auflösung die Unklarheiten darüber, was sich genau verändert, erheblich verringern. "Während die USA und China über Satelliten verfügen, die das nächtliche Licht beobachten, gibt es in Europa derzeit keinen Satelliten, der für diesen Zweck ausgelegt ist", so Kyba.

Die Ergebnisse der Studie, an der ein Forschungsteam der University of Connecticut gemeinsam mit der NASA und weiteren Forschenden in den USA und Deutschland beteiligt war, wurde in dieser Woche in der Zeitschrift Nature veröffentlicht.

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siehe auch
Lichtverschmutzung: Sichtbarkeit von Sternen nimmt schneller ab als gedacht - 20. Januar 2023
Links im WWW
Li, T. et al. (2026): Satellite imagery reveals increasing volatility in human night-time activity, Nature, 652, 379
Ruhr-Universität Bochum
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