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CLOUD-9
Eine Wasserstoffwolke ohne Sterne und mit viel Dunkler Materie
von Stefan Deiters
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8. Januar 2026

Bei der vor drei Jahren mit einem Radioteleskop entdeckten Gaswolke Cloud-9 handelt es sich offenbar um ein Relikt aus der Frühzeit der Galaxienentstehung - um eine gescheiterte Galaxie. Mithilfe von Hubble gelang der Nachweis, dass sich in dem von Dunkler Materie dominierten System keinerlei Sterne befinden. Es ist der erste bestätigte Nachweis eines solchen Objekts im Universum.

Cloud-9

In Radiobeobachtungen des Very Large Array zeigt sich die Cloud-9 genannte Wolke deutlich. In dem eingekreisten Bereich wurde mit Hubble intensiv nach eventuell vorhandenen Sternen gesucht - erfolglos. Bild: NASA, ESA. G. Anand (STScI) und A. Benitez-Llambay (Univ. of Milan-Bicocca); Bildverarbeitung: J. DePasquale (STScI) [Großansicht]

"Dies ist die Geschichte einer gescheiterten Galaxie", fasst Alejandro Benitez-Llambay von der Università degli Studi di Milano-Bicocca im italienischen Mailand zusammen. "In der Wissenschaft lernen wir oft mehr aus den Fehlschlägen als aus den Erfolgen. In diesem Fall bestätigt die Tatsache, dass wir keine Sterne sehen können, dass unsere Theorie korrekt ist. Es zeigt uns, dass wir im lokalen Universum den ursprünglichen Baustein einer Galaxie gefunden haben, die sich nie gebildet hat." Und Andrew Fox von AURA/STScI ergänzt: "Diese Wolke ist ein Fenster ins dunkle Universum. Wir wissen aus unseren Theorien, dass der Großteil der Masse im Universum aus Dunkler Materie bestehen muss, doch lässt sich diese nur schwer nachweisen, weil sie kein Licht aussendet. Cloud-9 erlaubt uns einen seltenen Blick auf eine von Dunkelmaterie dominierte Wolke."

Das Objekt wird von den Forschenden als "Reionisations-Limited H I-Cloud", kurz RELHIC bezeichnet. "H I" bezieht sich dabei auf neutralen Wasserstoff. Es sollte sich um eine in der Frühzeit des Universums entstandene Wasserstoffwolke handeln, in der sich keine Sterne gebildet haben. Nach solchen Überresten, die es der Theorie nach geben sollte, war von der Forschung viele Jahre gefahndet worden, doch erst mithilfe des Weltraumteleskops Hubble gelang es jetzt nachzuweisen, dass das Objekt tatsächlich frei von Sternen ist. "Vor den Beobachtungen mit Hubble konnte man dies Objekt auch für eine schwache Zwerggalaxie halten, in der sich mit erdgebundenen Teleskopen keine Sterne nachweisen lassen, weil deren Empfindlichkeit zu gering ist", erklärt Gagandeep Anand von STScI. "Aber mit Hubbles Advanced Camera for Surveys konnten wir uns sicher davon überzeugen, dass da wirklich nichts ist."

Bei RELHICs dürfte es sich um Wolken aus Dunkler Materie handeln, die nicht genug Gas ansammeln konnten, um die Entstehung von Sternen zu ermöglichen. Sie sind damit ein Relikt aus den frühen Stadien der Galaxienentstehung. Die Entdeckung von Cloud-9 könnte auf die Existenz vieler weiterer kleiner, von Dunkler Materie dominierter Strukturen im Universum hindeuten, also auf weitere "gescheiterte Galaxien". Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen seit vielen Jahren Wasserstoffwolken in der Nähe der Milchstraße. Im Vergleich zu Cloud-9 sind diese Wolken allerdings in der Regel größer und unregelmäßiger. Cloud-9 ist kleiner, kompakter und deutlich kugelförmig.

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Der Kern von Cloud-9 besteht aus neutralem Wasserstoff und hat einen Durchmesser von etwa 4900 Lichtjahren. Insgesamt enthält Cloud-9 Wasserstoffgas vergleichbar der Masse von einer Millionen Sonnen. Um jedoch in dieser Form existieren zu können, muss die Wolke stark von Dunkler Materie dominiert werden. Man schätzt den Dunkelmaterieanteil auf fünf Milliarden Sonnenmassen. So wichtig diese dunklen Objekte für das Verständnis der Entwicklung von Galaxien im Universum sind, so schwierig sind sie aufzuspüren und detaillierter zu beobachten: Sie werden oft durch hellere Objekte überstrahlt oder verlieren ihr Gas, etwa durch Wechselwirkungen mit dem Gas in Galaxienhaufen. 

Die etwa 14 Millionen Lichtjahre entfernte Cloud-9 wurde vor drei Jahren bei Beobachtungen mit dem Radioteleskop Five-hundred-Meter Aperture Spherical Telescope (FAST) in der chinesichen Provinz Guizhou entdeckt und der Fund später durch das Green Bank Telescope und das Very Large Array in den USA bestätigt. Doch erst mit Hubble konnte man sicher nachweisen, dass die Wolke tatsächlich keine Sterne enthält.

Der Name "Cloud-9" erklärt sich einfach: Es handelt sich um die neunte Wolke, die in der Nähe der Spiralgalaxie Messier 94 entdeckt wurde. Das Schicksal von Cloud-9 ist ungewiss: Sie scheint massereich genug zu sein, um nicht durch die Bedingungen im All langsam abgetragen zu werden, verfügt aber nicht über ausreichend Masse um zu kollabieren und zu einer Galaxie zu werden. Sollte es ihr gelingen, noch mehr Masse aufzusammeln, könnte dies aber in Zukunft passieren.

Über ihre Entdeckung berichtet die Team in einem Fachartikel, der in der Zeitschrift The Astrophysical Journal Letters erschienen ist und auch auf der 247. Tagung der American Astronomical Society.

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siehe auch
CDG-2: Dunkle Galaxie aus 99,9 Prozent Dunkler Materie - 17. Juni 2025
Dunkle Materie: Astronomen entdecken Galaxie ohne Sterne - 24. Februar 2005
Links im WWW
Gagandeep, S. et al. (2025): The First RELHIC? Cloud-9 is a Starless Gas Cloud, ApJL, 993, L55
Hubble-Website der ESA
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