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Alles super, oder was?
von
Stefan Deiters astronews.com
5. November 2025
Nur rund neun Stunden nach dem heutigen Vollmond erreicht
der Erdtrabant den erdnächsten Punkt seiner Umlaufbahn, wir haben es also mit
einem Perigäums-Vollmond zu tun. In den Medien ist deswegen derzeit wieder von
einem "Supermond" und dem größten und hellsten Mond des Jahres zu lesen - alles
richtig, nur dürfte das praktisch niemanden auffallen.

Blick auf den Vollmond von Bord der Internationalen
Raumstation ISS aus.
Foto: NASA [Großansicht] |
Wer in der kommenden Nacht den Vollmond betrachtet, dem mag dieser
vielleicht etwas größer und heller vorkommen als gewöhnlich. Vermutlich ist
das aber eine optische Täuschung oder die Folge der Berichterstattung in
zahlreichen Medien, die den heutigen Vollmond als größten und hellsten
Vollmond des Jahres beschreiben. Und da ist grundsätzlich auch etwas dran: Der
Mond erreicht kurz nach seiner Vollmondposition um 14.19 Uhr MEZ den
erdnächsten Punkt auf seiner Umlaufbahn, er durchläuft das sogenannte
Perigäum. Damit ist er tatsächlich größer und heller, der Unterschied aber
dürfte den meisten Menschen kaum auffallen.
Bei solchen Perigäums-Vollmonden, die publikumswirksam auch immer wieder als
"Supermonde" bezeichnet werden, kann der Erdtrabant bis zu 14 Prozent größer und
30 Prozent heller erscheinen als bei anderen Vollmonden. Dieser Unterschied ist
allerdings für die meisten flüchtigen Betrachter kaum zu erkennen, weil es am
Himmel mit bloßem Auge keine Möglichkeit zum konkreten Größenvergleich gibt und
man also allein auf die Erinnerung angewiesen ist.
Der Mond erscheint am Himmel unterschiedlich groß, weil er die Erde nicht auf
einer exakten Kreisbahn umrundet. Während eines Umlaufs schwankt die Entfernung
des Mondes von der Erde dadurch zwischen etwa 356.400 und 406.700 Kilometern -
also immerhin um rund 50.000 Kilometer. Kommt es nun - wie heute - zu einem
Vollmond nahe eines Perigäums, erscheint der Mond überall dort, wo er zu diesem
Zeitpunkt zu sehen ist, entsprechend heller und größer. Wirklich selten sind
solche Konstellationen übrigens nicht: Sie wiederholen sich immer nach einem
Jahr, einem Monat und 18 Tagen. Dies entspricht 14 synodischen Monaten von 29,53
Tagen, also 14-mal der Zeit von einem Vollmond bis zum nächsten, und
gleichzeitig 15 anomalistischen Monaten von 27,55 Tagen, also 15-mal der
Zeitdauer zwischen zwei Durchgängen des Mondes durch das Perigäum oder Apogäum.
Durch den nahen Mond können übrigens auch die Gezeiten etwas höher ausfallen
als sonst, doch ist dies nur ein Effekt im Zentimeterbereich. Schon bei normalen
Vollmonden kommt es ja zu etwas höheren Gezeiten, da bei Vollmond die Sonne, die
Erde und der Mond auf einer Linie liegen. Es gibt eine sogenannte Springflut.
Auch sonst haben solche "Supermonde" keine dramatischen Folgen, auch wenn das,
insbesondere von nicht besonders seriösen Medien und einschlägigen Seiten im
Internet, immer wieder gerne behauptet wird. Der Begriff "Supermond" wurde
übrigens einst von einem Astrologen geprägt.
Ein Perigäums-Vollmond hat nichts mit einem anderen Phänomen zu tun,
das manche Mondbeobachter immer wieder verblüfft. Aus Gründen, die weder
Astronomen noch Psychologen bislang vollständig verstanden haben, erscheint uns
der Mond in Horizontnähe größer als er wirklich ist. Dieses "Mondillusion"
genannte Phänomen könnte damit zu tun haben, dass unser Gehirn, wenn man den
Mond im Vergleich zu Häusern, Bäumen oder anderen Objekten im Vordergrund
betrachtet, irgendwie über dessen wahre Größe getäuscht wird.
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