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Saturn glänzt und Jupiter verabschiedet sich
von
Stefan Deiters astronews.com
1. Juni 2014
Nach der Planetenparade im vergangenen Monat, muss man im
Juni mit weniger Planeten vorlieb nehmen: Merkur ist nicht mehr zu beobachten
und der Jupiter gibt seine Abschiedsvorstellung am Abend. Dafür entschädigen die
Sterne des Sommers. Außerdem lohnt ein Blick in das helle Band der Milchstraße
mit ihren zahlreichen interessanten Objekten.

Der Stern Spica (links), der Mond und der Mars am Abend des 7.
Juni im Südwesten.
Bild: astronews.com / Stellarium |
Einen kleinen Vorgeschmack auf den Sommer gab es in den vergangenen Wochen ja
bereits und ab heute ist auch offiziell Sommer - zumindest für die
Meteorologen. Für diese beginnt die wärmste Zeit des Jahres nämlich bereits am 1. Juni,
da die Weltorganisation der Wetterfachleute
festgelegt hat, dass die meteorologischen Jahreszeiten immer am Ersten des Monats
beginnen, in dessen letzten Drittel sie bei den Astronomen anfangen. Das
erleichtert das Führen von Statistiken erheblich.
Wer sich lieber nach dem
kalendarischen und astronomischen Sommerbeginn, also der Sommersonnenwende,
richtet, muss noch rund drei Wochen warten: Für den beginnt der Sommer erst am
21. Juni um 12.51 Uhr MESZ. Natürlich hat die nahende Sommersonnenwende auch
einen "Nachteil": Ist diese erst einmal erreicht, werden die Tage wieder kürzer
und die Nächte somit länger.
Alle Freunde des Sternenhimmels wissen, dass dies aber nicht unbedingt
schlecht sein muss, gibt es doch am Himmel einiges zu sehen: Gegenwärtig sind es
beispielsweise die typischen Sternbilder des Sommers. Schaut man nach
Einbruch der Dunkelheit zum Beispiel nach Osten, erkennt man hier einige helle Sterne,
darunter Wega im Sternbild Leier, die in bläulich-weißer Farbe im Nord-Osten
aufgeht. Wega ist auch für Planetenforscher von großem
Interesse, hat man doch um den Stern eine Staubscheibe entdeckt, die nach
Ansicht der Forscher die Folge der Kollision zweier Planeten vor rund einer
Million Jahren ist (siehe
Spitzer:
Planetenkollision bei Wega vom 11. Januar 2005).
Wega ist 25 Lichtjahre von der Erde entfernt und der fünfthellste Stern am
nächtlichen Himmel und der zweithellste Stern am Nordhimmel. Sie strahlt 60-mal
heller als unsere Sonne und dürfte erst rund 350 Millionen Jahre alt sein. Die
beiden anderen Sterne des sogenannten Sommerdreiecks [Findkarte]
sind Deneb im Sternbild Schwan und Atair im Adler: Deneb ist
einer der größten bekannten Riesensterne und leuchtet 60.000-mal so hell wie
unsere Sonne und hat ihre 25-fache Masse. Atair ist nur etwa 16
Lichtjahre von der Erde entfernt und nur eineinhalb Mal größer als unser
Zentralgestirn.
Wer abseits von störenden Lichtern diese drei Sterne ausgemacht hat, kann
vielleicht auch das helle Band der Milchstraße erkennen, das sich von Nord-Osten
nach Süd-Osten erstreckt. Man schaut hier auf die mit unzähligen Sternen
bevölkerte Scheibe unserer Galaxie. Der Name "Milchstraße" ist sehr alt. Früher
beobachtete man dieses helle, milchige Band am Himmel, ohne zu wissen, um was es
sich dabei eigentlich handelt. So entstand der Name: Milchstraße, Milky way oder
auch Via Lactea.
Erst in der Zeit Galileos konnte man mit ersten Fernrohren erkennen, dass es
hier eine Unzahl von Sternen gibt und man in die Scheibe unserer Galaxie schaut.
Und erst in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde klar, dass das Universum
aus unzähligen Galaxien besteht und unsere Heimatgalaxie nicht etwa das gesamte
Weltall darstellt. So wurde der Begriff Milchstraße zum Namen für unsere
Heimatgalaxie.
Im Band der Milchstraße lassen sich mit einem Fernglas eine Vielzahl
interessanter Objekte entdecken: So findet man etwa östlich vom Stern Deneb im
Sternbild Schwan bereits mit bloßem Auge eine Region, die etwas heller
erscheint. Ein Fernglas und gute Sichtbedingungen offenbaren, um was es sich
handelt: um ein eigentümlich geformtes Sternentstehungsgebiet, den
Nordamerikanebel (oder auch NGC 7000) [Findkarte].
Er liegt in rund 2.300 Lichtjahren Entfernung und erinnert mit seinen Umrissen
an den nordamerikanischen Kontinent (siehe unser
Bild
des Tages vom 21. Januar 2009).
In Sache Planeten waren wir in den letzten Monaten ein wenig verwöhnt: Eine
Opposition folgte auf die nächste, im Mai waren sogar zeitweise vier Planeten gleichzeitig
am Himmel zu sehen und dazu noch die Venus am Morgen. Im Juni sieht es da etwas
schlechter aus. Der Saturn, der im letzten Monat seine
Oppositionsstellung durchlaufen hat, ist weiterhin das dominierende Objekt am
Himmel. Er befindet sich im Sternbild Waage und ist nur in den frühen
Morgenstunden nicht mehr zu beobachten. Der Jupiter in den
Zwillingen geht nun allerdings immer früher unter und ist gegen Ende des Monats gar nicht
mehr zu beobachten.
Auch der Mars ist ein noch markantes Objekt in der ersten Nachthälfte. Er befindet
sich im Sternbild Jungfrau. Die Venus hingegen ist nur in der zweiten
Nachthälfte zu sehen, also in der Zeit vor Sonnenaufgang. Sie wandert im Verlauf
des Monats vom Sternbild Widder in den Stier. Der Merkur ist nicht mehr zu zu
beobachten.
Im Juni gibt es auch eine ganze Reihe von Sternschnuppenströmen, allerdings
sind sie meist nur schwach ausgeprägt und schwer zu beobachten. So sind
beispielsweise die Juni-Lyriden, die aus dem Sternbild Leier zu
kommen scheinen, vom 10. bis 20. Juni zu sehen. Ende Juni, genauer um den 27.,
kann man mit etwas Glück die Juni-Draconiden beobachten, deren
Ausstrahlungspunkt im Sternbild Drache liegt.
Weitere Sternschnuppenschauer im
Juni sind die Libriden am 8. und 9. Juni, mit Radiant im
Sternbild Waage, und der Scorpius-Sagittarius-Strom, dessen
Radiant im Grenzbereich zwischen den Sternbildern Skorpion und Schütze liegt. Er
ist den ganzen Monat über aktiv - mit einem Maximum zur Monatsmitte - allerdings
von Mitteleuropa relativ schlecht zu beobachten.
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