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Herbstbeginn und morgens und abends Planeten
von
Stefan Deiters astronews.com
1. September 2013
Die Sternbilder des Sommers sind am nächtlichen Himmel zwar
noch gut zu beobachten, doch werden die Konstellationen des Herbstes immer
auffälliger - kein Wunder, beginnt doch am 22. September auf der Nordhalbkugel
der Herbst. Planeten sind im September vor allem in den frühen Morgenstunden
sowie kurz nach Sonnenuntergang zu sehen.

Der Mond, Saturn (kleiner Punkt rechts oberhalb des Mondes)
und Venus (rechts) am Abend des 9. September 2013 am
Westhorizont.
Bild: astronews.com / Stellarium |
Der September läutet das Ende des Sommers ein. Und glaubt man den
Meteorologen, dann ist die wärmste Jahreszeit sogar schon heute, also am 1.
September, vorüber. Die Wetterfachleute wollen sich nämlich nicht mit den
"krummen" Anfangsterminen der astronomischen und kalendarischen Jahreszeiten
herumschlagen und haben daher die Anfänge der meteorologischen Jahreszeiten
einfach auf den jeweiligen Monatsersten verlegt.
Das Wetter gibt den Meteorologen oft recht: So zeigt sich der September in
vielen Jahren schon recht herbstlich - und in den ersten Dezemberwochen denken
die meisten sicher auch schon eher an den Winter. Wer aber noch an den Sommer
2013 glauben möchte, hat bis zum 22. September in den Astronomen einen
Verbündeten: Erst an diesem Tag, genauer um 22.44 Uhr MESZ, beginnt der
kalendarische Herbst. Ab diesem Termin sind auf der Nordhalbkugel der Erde die
Tage wieder kürzer als die Nächte.
Der zu Ende gehende Sommer macht sich auch am nächtlichen Sternenhimmel
bemerkbar: Zwar sind noch immer die Konstellationen zu sehen, die uns auch in
den letzten Monaten schon bei unserem Rundgang am Himmel begleitet haben, doch
lassen sich inzwischen auch die
Sternbilder des Herbstes immer besser beobachten. Ein Beispiel ist das
auffällige Rechteck des Pegasus. Dessen nordöstlicher Stern,
Sirrah oder Alpheratz genannt, ist übrigens schon Teil des Sternbilds Andromeda.
Wer am Abend einen freien Blick nach Südosten hat, kann hier einen
vergleichsweise hellen Stern, nämlich Fomalhaut, oder Alpha
Piscis Austrini, entdecken. Er ist der achtzehnthellste Stern am Nachthimmel
und liegt in rund 25 Lichtjahren Entfernung im Sternbild Südlicher Fisch
(lateinisch Piscis Austrinus). Eine gedachte Linie von Fomalhaut zu Atair im
Sternbild Adler, dem zwölfthellsten Stern am Nachthimmel, hilft einem auch, ein
anderes, weniger auffälliges Sternbild zu finden, das wegen seiner Form auch hin und wieder als "Lächeln am
Himmel" bezeichnet wird - das Sternbild Steinbock [Findkarte].
Es liegt in der Mitte unterhalb der Verbindungslinie der beiden hellen Sterne. Der Hauptstern des
Steinbocks, Alpha Capricorni (die westliche Ecke des Sternbildes), besteht eigentlich
aus zwei Sternen, was sich schon mit guten Augen erkennen lässt. Mit einem Fernrohr kann man auch das einzige Deep-Sky-Objekt
ausmachen, das der Steinbock zu bieten hat: den Kugelsternhaufen M30.
Manche Sternbilder sind das ganze Jahr über am Himmel zu sehen. Dazu gehört
etwa das Sternbild Kepheus (Cepheus), das im September jedoch
besonders hoch am Himmel steht. Seine Form erinnert an ein Haus, dessen Spitze ungefähr auf den Himmelspol
zeigt. Das Sternbild - oder genauer, einer seiner Sterne, nämlich Delta Cephei -
wurde Namensgeber einer in der Astronomie sehr wichtigen Gruppe von Sternen, der so genannten Cepheiden.
Cepheiden sind pulsierende Sonnen, die die Astronomen zur
Entfernungsmessung verwenden. Sie ändern regelmäßig ihre Helligkeit und aus den
Perioden dieser Helligkeitsänderungen lässt sich die tatsächliche Helligkeit des
Sterns berechnen. Ist diese bekannt, kann man durch Vergleich mit der
beobachteten Helligkeit auf der Erde die Entfernung des Sterns bestimmen.
Im Sternbild Kepheus befindet sich auch der Stern Mu Cephei, der vor allem im
Fernglas durch seine tiefrote Farbe auffällt. Der berühmte Astronom Sir Wilhelm
Herschel nannte diesen Stern daher auch "Granatstern". Bei ihm handelt es sich
um einen Roten Riesenstern, dessen Helligkeit durch Pulsationen in seiner
äußeren Hülle schwankt.
Für Planetenfreunde ist der September kein überragender Monat: Unser
sonnennäherer Nachbar, die Venus, ist zwar noch immer am
Abendhimmel zu sehen, geht allerdings früher unter als im August - dafür wird es
jetzt allerdings eher dunkel. Zu Monatsbeginn ist der Planet gegen 21 Uhr MESZ
bereits untergegangen, zum Monatsende schon eineinhalb Stunden früher. Die Venus
wandert im Laufe des Monats vom Sternbild Jungfrau in die Waage.
Unser anderer Nachbar, der rote Planet Mars, ist am
Morgenhimmel zu beobachten und geht erst gegen 3 Uhr MESZ auf. Er befindet sich
zunächst im Sternbild Krebs und später im Löwen. Der Gasriese Jupiter
ist auch ein Planet der zweiten Nachthälfte, verlegt seine Aufgangszeit aber im
Laufe des September immer weiter Richtung Mitternacht. Der größte Planet des
Sonnensystems befindet sich im Sternbild Zwillinge.
Der Ringplanet Saturn hingegen, der sich im Sternbild Waage
aufhält, zieht sich im Laufe des Monats ganz vom Nachthimmel zurück. Seine
Untergangszeiten verlegt er immer weiter in die Zeit der Abenddämmerung, so dass
er in der letzten Woche des Monats kaum mehr zu beobachten sein wird. Ein Blick
am frühen Abend Richtung Westen kann sich jedoch trotzdem lohnen, hält sich doch
auch die Venus in diesem Bereich des Himmels auf.
Für Sternschnuppenfreunde ist der September kein wirklich guter Monat: Anfang
September sollten noch einige Sternschnuppen der Alpha-Aurigiden
zu entdecken sein, die Ende August ihr wenig ausgeprägtes Maximum erreicht
hatten. Ihr Ausstrahlungspunkt oder Radiant liegt in der Nähe des Sterns Kapella
im Fuhrmann. Den ganzen September aktiv sind die Pisciden, die
aus dem Sternbild Fische zu kommen scheinen. Ihr Maximum erreichen sie um den
19. September, die beste Beobachtungszeit liegt zwischen 22 Uhr und 4 Uhr. Ende
September könnten auch schon einige Tauriden mit Radiant im
Stier zu sehen sein.
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