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Ein verdeckter Gasriese und die Hundstage
von
Stefan Deiters astronews.com
1. Juli 2012
Auch in den hoffentlich lauen Sommernächten des Juli lohnt
ein Blick an den Himmel: Außer den Sternbildern des Sommers und den
eindrucksvollen Objekten im Band der Milchstraße, lässt sich Mitte Juli noch
eine Bedeckung des Planeten Jupiter durch den Mond beobachten. Auch der Stern
Sirius spielt im Juli eine Rolle, ist er doch praktisch Namensgeber der
Hundstage.

Blick an den Westhorizont am Abend des 25. Juli: Rechts neben
dem Mond ist der Stern Spica, darüber der Planet Saturn und
ganz rechts der Mars zu sehen.
Bild: astronews.com / Stellarium |
Der Juli ist, zumindest für die Astronomen, der erste komplette Monat des
Sommers. Die wärmste Jahreszeit hat ja auf der Nordhalbkugel kalendarisch erst am 21. Juni
begonnen. Nicht nur Sternenfreunde dürften daher in den kommenden Wochen auf ein
paar schöne laue Sommernächte - und natürlich auch auf ein paar sommerliche
Tage - hoffen.
Noch immer soll es Menschen geben, die davon überzeugt
sind, dass die sommerliche Wärme etwas mit dem Abstand der Sonne von der Erde
zu tun hat. Doch weit gefehlt: Die Erde ist im Juli auf ihrer Bahn um die Sonne
nämlich am weitesten von unserem Zentralgestirn entfernt. Am Morgen des
5. Juli befindet sie sich im so genannten Aphel, dem sonnenfernsten Punkt
ihrer Bahn. Der Abstand von der Sonne zur Erde beträgt dann 152 Millionen
Kilometer, im Januar waren es "nur" 147 Millionen Kilometer.
Die Entstehung der Jahreszeiten hat, das sei hier noch einmal kurz erwähnt, ausschließlich mit der Neigung der
Erdachse zu tun: Während eines Umlaufs um die Sonne bekommt dadurch einmal die
Nordhalbkugel und einmal die Südhalbkugel der Erde mehr Sonnenstrahlen ab. In unserem
Sommer ist die Nordhalbkugel der Sonne zugeneigt, auf der Südhalbkugel hingegen
herrscht Winter.
Passend zur Jahreszeit sind am Himmel noch immer die typischen
Sommersternbilder prominent vertreten: Wega im Sternbild Leier, Deneb im
Sternbild Schwan und Altair im Adler bilden das so genannte
Sommerdreieck [Findkarte].
Doch auch der kommende Herbst kündigt sich mit dem Sternbild Pegasus
schon an. Ganz in der Nähe von Wega findet sich mit Epsilon Lyrae
ein bekanntes Vierfach-Sternsystem, von dem sich zwei Komponenten schon mit dem
Fernglas, alle vier mit einem kleinen Teleskop auflösen lassen. Epsilon Lyrae
ist rund 160 Lichtjahren von der Erde entfernt.
Ende Juli beginnen die Hundstage. Ihren Namen haben sie von
Sirius, der bei uns eher als Stern des Winterhimmels bekannt
ist. Von den alten Ägyptern aber wurde Sirius, der hellste Stern am Himmel nach
unserer Sonne, "Hundsstern" genannt und sein Erscheinen dort im Sommer - zusammen mit
der sommerlichen Hitze - ist verantwortlich für die noch immer gebräuchliche
Bezeichnung "Hundstage". Für die Ägypter war das Erscheinen des Sirius ein Warnsignal, das die bevorstehende Flut des Nils ankündigte.
Sirius hat aber auch seinen Platz in der Geschichte der modernen Astronomie:
Eigentlich handelt es sich nämlich bei Sirius um zwei Sterne, Sirius A und B,
die ein enges Doppelsternsystem bilden. Die Existenz von Sirius B wurde 1844 von
Bessel aus der Eigenbewegung des Sterns vorausgesagt und 1862 wurde Sirius B
dann tatsächlich beim Testen eines Teleskops entdeckt - es war der erste
aufgespürte Weiße Zwergstern. Inzwischen gibt es sogar Hinweise, dass es sich
bei Sirius um ein Dreifach-System handeln könnte, es also noch eine Komponente
Sirius C gibt.
Schaut man gegen Mitternacht Richtung Süd-Osten und befindet sich fernab
störender Lichter, kann man das helle Band der Milchstraße in seiner ganzen
Pracht bewundern. Mit einem Feldstecher ist diese Region am Himmel eine wahre
Fundgrube: Ein Sternhaufen und Nebel reiht sich hier an den nächsten. Oberhalb
des Sternbilds Schütze finden sich die wohl eindrucksvollsten Nebel des
nördlichen Sternenhimmels: Der Lagunen-Nebel (M8) und der etwas
nördlich davon gelegene Trifidnebel (M20) [Findkarte].
Der Lagunen-Nebel ist größer und heller als der Trifidnebel und rund 5.000
Lichtjahre von der Erde entfernt. Mit einem kleinen Teleskop erkennt man
bereits, dass der Nebel von einem dunklen Band aus Staub geteilt wird, das dem
Nebel seinen Namen gab. Der Trifidnebel ist rund 9.000 Lichtjahre von der Erde
entfernt und ist besonders durch ein eindrucksvolles Bild des
Hubble-Weltraumteleskops bekannt geworden. Es zeigte eine stellare Kinderstube
voller Sternenembryos, die von der intensiven Strahlung eines nahen Riesensterns
langsam aufgelöst wird (siehe
Bild des Tages vom 28.
April 2009).
Unter den Planeten ist unser Nachbar Venus, der uns im
vergangenen Monat mit einem Transit vor der Sonne erfreute, vom Abend- an den
Morgenhimmel gewechselt und wird im Laufe des Monats dort zu einem auffälligen
Objekt. Am 15. Juli kommt es zu einer dichten Begegnung mit dem Mond, der dabei
gleichzeitig den Gasriesen Jupiter verdeckt, der auch am
Morgenhimmel im Sternbild Stier zu sehen ist. Jupiter ist allerdings weitaus
weniger hell als die Venus. Die Bedeckung des Planeten findet - je nach
Beobachtungsstandort - zwischen 3.30 Uhr und 4.30 Uhr MESZ statt und dauert rund
50 Minuten.
Unser anderer Nachbarplanet Mars geht im Laufe des Monats
immer früher unter und ist nach Sonnenuntergang bald nur noch kurze Zeit zu
sehen. Er befindet sich im Sternbild Jungfrau, wo sich auch der Ringplanet
Saturn beobachten lässt. Ende des Monats bekommen beide
Planeten am Himmel Besuch vom zunehmenden Mond (siehe unser Bild). Auch Saturn
ist inzwischen nur noch ein Planet der ersten Nachthälfte.
Zum Monatsende könnte auch der Meteorschauer der Delta Aquariden
sichtbar
sein, deren Ausstrahlungspunkt im Sternbild Wassermann liegt. Es handelt sich
aber um einen relativ unauffälligen Meteorstrom. Das Maximum wird für die ersten
Stunden des 27. Juli erwartet. Fast den ganzen Juli über sind die Alpha Capricorniden mit dem Ausstrahlungspunkt im Steinbock aktiv. Experten erwarten
aber nicht mehr als zehn Objekte pro Stunde im Maximum am 29. Juli.
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