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Condors erster Blick ins Weltall
Redaktion / MPG / Universität Köln
astronews.com
23. Dezember 2005
Am Atacama Pathfinder Experiment (APEX) haben
Astronomen unlängst einen neuen Detektor in Betrieb genommen, der einen Blick in
bislang verborgene Regionen des Weltalls erlaubt. Bei ihren ersten Beobachtungen
mit CONDOR entdeckten die Forscher heißes Gas in unmittelbarer Umgebung junger
und massereicher Sterne.

Das APEX (Atacama Pathfinder EXperiment) Teleskop auf 5.100
Meter Höhe in den chilenischen Anden. Bild: Arnaud Belloche
/ MPG

Sternentstehung im südlichen Teil des Orionnebels. Das
Spektrum oben rechts zeigt sehr hoch angeregtes Kohlenmonoxidgas
bei 1,5 THz, das mit CONDOR aufgenommen wurde. Bild: ESA / NASA / CONDOR
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CONDOR, ein neuartiger Detektor des Atacama Pathfinder Experiments (APEX) in
der chilenischen Wüste, hat im November 2005 heißes Gas in unmittelbarer
Umgebung junger, massereicher Sterne bei extrem hohen Radiofrequenzen von 1,5
Terahertz (THz) - also 1,5 Billionen Hertz - nachgewiesen. CONDOR ermöglicht
erstmals Beobachtungen in dem bisher nicht zugänglichen Frequenzbereich an einem
Teleskop der 12-Meter-Klasse.
Die überraschenden Ergebnisse bestätigen die
Erwartungen, durch dieses neuartige Fenster noch unbekannte Phänomene im Weltall
aufspüren zu können. Am erfolgreichen Einsatz des CONDOR-Empfängers beteiligt
sind Mitarbeiter des I. Physikalischen Instituts der Universität zu Köln sowie
des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn.
"CONDOR hat unsere Erwartungen voll erfüllt", freut sich Dr. Martina Wiedner,
die Leiterin des CONDOR-Projekts (CO N+ Deuterium Observation Receiver). "Wir
hatten den Empfänger gut vorbereitet, hatten ein exzellentes Forscherteam auf
dem Berg, aber auch ein wenig Glück mit dem Wetter." In ihrer Nachwuchsgruppe an
der Universität zu Köln wurde der Empfänger aufgebaut. Da sich die
hochfrequenten elektromagnetischen Wellen - die Frequenzen sind Tausend mal
höher als die eines Mobiltelefons und Millionen mal höher als die eines UKW
Senders - nur schwer detektieren lassen, nutzt der Empfänger neueste
technologische Entwicklungen.
Sehr wichtig war dabei der Einsatz der
hochempfindlichen "Hot Electron Bolometer"-Mischer, die in der Gruppe von Dr.
Karl Jacobs an der Universität zu Köln entwickelt worden waren. Diese Mischer
dienen dazu, die hochfrequenten Radiowellen zur Weiterverarbeitung auf
Frequenzen von etwa einem Gigahertz herunterzusetzen. Um eine hohe
Empfindlichkeit des Empfängers zu erreichen, wird der Empfänger auf Temperaturen
von ca. minus 269 Grad Celsius, also nur vier Grad über dem absoluten Nullpunkt
heruntergekühlt.
Terahertz-Beobachtungen sind nur möglich an Teleskopstandorten mit
außergewöhnlich wenig Wasserdampf in der Erdatmosphäre, denn der Wasserdampf
absorbiert die Terahertz-Strahlung. In einer Höhe von 5.100 Metern über dem
Meeresspiegel ist APEX das bisher größte Teleskop an einem solchen Ort. APEX
besteht aus einem Spiegel mit einem Durchmesser von 12 Metern, der mit einer
Genauigkeit von 15 Mikrometern (sieben Mal dünner als ein menschliches Haar)
einer perfekten Parabel gleicht. Dieses Teleskop ist zurzeit mit verschiedenen
Radioempfängern zwischen 300 und 900 Gigahertz ausgestattet.
CONDOR ist der
erste Empfänger am APEX-Teleskop, der elektromagnetische Wellen oberhalb der
technologisch anspruchsvollen Frequenzgrenze von einem Terahertz nachweisen
kann. "Dies sind die höchsten Frequenzen, die wir je von APEX aus werden
beobachten können", erklärt der APEX-Projektmanager Dr. Rolf Güsten. "Bei noch
höheren Frequenzen blockiert die Erdatmosphäre den Blick in den Weltraum und
lässt erst wieder im Infraroten astronomische Beobachtungen zu."
Die neuen Beobachtungen von CONDOR am APEX-Teleskop dringen in das fast
unbekannte Universum der Terahertz-Strahlung vor. "So wie man im optischen Licht
in verschiedenen Farben verschiedene Dinge sieht und man viel 'übersehen' würde,
wenn man zum Beispiel nur Blaues erkennen könnte, so bringt auch jede neue
'Radiofarbe' neue Erkenntnisse mit sich," erklärt Dr. Martina Wiedner. "Terahertz-Strahlung
ist besonders gut geeignet, um heißes Gas in Molekülwolken anhand typischer
Strahlung des Kohlenmonoxid-Moleküls (CO)
zu beobachten. Da Sterne durch eine Verdichtung von Staub und Gas entstehen,
geben die Beobachtungen im Terahertz-Bereich Aufschlüsse über die Bildung von
Sternen."
Beim ersten Einsatz des CONDOR-Empfängers wurden CO-Linien bei 1,5 Terahertz
nachgewiesen. Das APEX-Teleskop war auf verschiedene Objekte im
Orionnebel gerichtet. Überrascht waren die Astronomen über die "Schärfe" der
aufgenommenen Linien, denn es wurden wesentliche größere Breiten der
Spektrallinien erwartet. Diese Beobachtungen bestätigen die Vermutung, dass das
Gas von der ultravioletten (UV) Strahlung des entstehenden Sternes aufgewärmt
wird und nicht durch Zusammenstöße von Gas, wie ursprünglich angenommen.
Das CONDOR-Projekt wird am I. Physikalischen Institutes der Universität zu Köln
im Rahmen einer Nachwuchsgruppe des Sonderforschungsbereichs (SFB) 494
durchgeführt. Im SFB 494 arbeiten etwa 100 Wissenschaftler aus
Nordrhein-Westfalen auf dem Gebiet "Die Entwicklung der Interstellaren Materie: Terahertz-Spektroskopie in Weltall und Labor". Der SFB wird von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft finanziert. Das APEX-Projekt ist ein Kooperationsprojekt
zwischen dem Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und dem Onsala
Space Observatory sowie der Europäischen Südsternwarte (ESO).
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