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Auf den Spuren des intergalaktischen Staubs
Redaktion
/ Pressemitteilung des Instituts für Weltraumforschung der ÖAW astronews.com
23. Oktober 2026
Ein kleines Teleskop namens PUFFINS soll ab Beginn des
kommenden Jahrzehnts aus einer erdnahen Umlaufbahn etwa 70 Sterne beobachten, um
herauszufinden, wie ihr Licht auf seinem Weg zur Erde durch interstellaren Staub
verändert wurde. Außerdem wird PUFFINS auch extrasolare Planeten im
Ultravioletten ins Visier nehmen.

Das PUFFINS-Teleskop vor einer
Infrarotaufnahme des Zentrums unserer Milchstraße
durch das Spitzer-Weltraumteleskop der NASA.
Bild: SFL Missions Inc. / PUFFINS
Team (Teleskop) & NASA / JPL-Caltech / S. Stolovy
(Spitzer Science Center / Caltech; Milchstraße) [Großansicht] |
"PUFFINS wird uns dabei helfen, den Staub zwischen den Sternen zu verstehen",
erläutert Sreejith Aickara Gopinathan vom Grazer Institut für Weltraumforschung
(IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Mitglied im
wissenschaftlichen Kernteam und Co-Investigator von PUFFINS ist. Das Verständnis
dieser winzigen Körner ist laut Sreejith unerlässlich, um ein vollständiges Bild
davon zu bekommen, wie sich interstellarer Staub im Laufe der Zeit entwickelt
und zu den Bausteinen neuer Sterne und Planeten wird.
Die Auswirkungen des interstellaren Staubs sind in nahezu allen Bereichen der
Astrophysik spürbar, obwohl er nur etwa ein Prozent der sichtbaren Masse der
Milchstraße ausmacht. Durch die Beobachtung von Sternen in unterschiedlichen
Entfernungen und Umgebungen – nahegelegene Sternentstehungsgebiete,
Reflexionsnebel und sogar unsere nächsten extragalaktischen Nachbarn, die
Magellanschen Wolken – wird die Mission eine detaillierte Karte erstellen, die
zeigt, wie sich der interstellare Staub am Himmel verändert.
PUFFINS (die Abkürzung steht für "Polarimetry in the Ultraviolet to Find
Features in INterStellar dust") bedient sich der Polarimetrie als Messmethode.
Die Polarisation beschreibt in der Physik die Richtung, in der eine
Transversalwelle – wie die Lichtwelle – schwingt. Beispiele aus dem Alltag für
die Nutzung von Polarimetrie sind 3D-Brillen im Kino und Sonnenbrillen.
Polarimetrie kommt aber auch bei der Müllsortierung oder Krebserkennung zum
Einsatz, da verschiedene Materialien bzw. gesundes und krankhaft verändertes
Gewebe die Polarisation des Lichts unterschiedlich beeinflussen.
"Durch die Messung der Polarisation des Lichts wird PUFFINS neue Erkenntnisse
darüber liefern, woraus die kleinsten interstellaren Staubkörner bestehen und
wie sie sich in einigen der extremsten Umgebungen unserer Galaxie verhalten",
erläutert Ramya Anche von der University of Arizona, die als Principal
Investigator die Mission leitet. Die Polarimetrie nutzt die Tatsache, dass sich
interstellare Staubkörner - ähnlich wie eine Kompassnadel - am Magnetfeld der
Galaxie ausrichten und so zu einem Polarisationsfilter für das Sternenlicht
werden, das durch sie hindurchgeht.
Das Herzstück von PUFFINS ist ein spezielles Teleskop mit einem Durchmesser
von nur 24 cm, das ultraviolettes Licht von fernen Sternen einfängt.
UV-Polarimetrie ist eine Technologie, die seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr
im Weltraum eingesetzt wurde. PUFFINS kann die kleinsten Korngrößen untersuchen,
die für optische und Infrarot-Teleskope unsichtbar sind. "Der Messbereich ist
kleiner als etwa 50 Nanometer, das entspricht ungefähr der Größe eines
Erkältungsvirus", sagt Ambily Suresh, Wissenschaftlerin bei Silicon Austria
Labs und Mitglied im PUFFINS-Wissenschaftsteam.
Neben seinem primären Forschungsziel – der Untersuchung des interstellaren
Mediums – kann PUFFINS auch die Atmosphären von Exoplaneten, also von Planeten,
die andere Sterne als die Sonne umkreisen, charakterisieren. Messungen im
ultravioletten Wellenlängenbereich liefern wertvolle Informationen über die
oberen Schichten der Exoplaneten-Atmosphären. Die meisten Beobachtungen von
Exoplaneten erfolgen im sichtbaren und/oder infraroten Wellenlängenbereich.
Diese können Aufschluss über die Größe, Temperatur, atmosphärische
Zusammensetzung und das Klima eines Planeten geben.
UV-Messungen liefern ergänzende Erkenntnisse: Sie ermöglichen es, die
energetische Umgebung eines Planeten und – unter günstigen Umständen – auch die
ausgedehnte obere Atmosphäre zu untersuchen, in der sogenannte Atmosphärenflucht
stattfindet. Bei Planeten, die ihren Stern nahe umlaufen, kann intensive
Sternstrahlung die obere Atmosphäre aufheizen, die sich daraufhin ausdehnt und
unter den richtigen Bedingungen ins All entweicht. Über Millionen oder
Milliarden von Jahren hinweg kann dieser Prozess die Atmosphäre und
möglicherweise auch die Entwicklung des Planeten selbst erheblich verändern.
"Im ultravioletten Bereich können wir einige der dynamischsten Prozesse
beobachten, die in der Atmosphäre eines Exoplaneten ablaufen. Der Verlust von
Atmosphäre stellt eine Verbindung zwischen dem, was wir heute beobachten, und
der langfristigen Entwicklung eines Planeten her", so Luca Fossati, Mitglied im
PUFFINS-Wissenschaftsteam sowie stellvertretender Direktor und Gruppenleiter am
IWF Graz. Das IWF hat bereits umfangreiche Erfahrungen auf diesem Gebiet durch
Beobachtungen mit dem Hubble-Weltraumteleskop und dem Kleinsatelliten
Colorado Ultraviolet Transit Experiment (CUTE) der NASA gesammelt, an dem
das IWF maßgeblich beteiligt war und der im Juli 2026 in der Erdatmosphäre
verglüht ist und damit seine nominelle Missionsdauer von 6 Monaten um beinahe
fünf Jahre überschritten hat. "Jede neue Beobachtungsmöglichkeit im
Ultraviolettbereich ist für die Exoplanetenforschung äußerst wertvoll. Wir
benötigen Beobachtungen vieler verschiedener Planetensysteme, um zu verstehen,
wie sich exoplanetare Atmosphären entwickeln", ergänzt Fossati. Der Start von
PUFFINS ist bereits für 2030 vorgesehen.
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