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Die Schwankungen der Erddrehung im Visier
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Ludwig-Maximilians-Universität München astronews.com
24. April 2026
Im Alltag fällt es kaum auf, doch ist die Drehung der Erde
um die eigene Achse nicht konstant, sondern durch verschiedene Faktoren
ständigen Schwankungen unterworfen. Eine neue Forschungsgruppe will diese
Schwankungen nun möglichst präzise messen. Die Daten tragen zu einem besseren
Verständnis des Systems Erde bei und sind eine wichtige Grundlage für die
Navigations- und Satellitentechnologie.

Die Erde, hier aufgenommen von der Besatzung der
Mission Artemis II.
Foto: NASA [Großansicht] |
Wie ein gigantischer Kreisel dreht die Erde sich beständig um sich selbst.
Diese Rotation ist aber nicht konstant, sondern wird etwa durch Hochdruckgebiete
in der Atmosphäre, die Verlagerung von Wassermassen durch Ebbe und Flut, aber
auch das Abschmelzen der Eisschilde an den Polen beeinflusst. Genau diese
Schwankungen stehen im Mittelpunkt der neuen Forschungsgruppe "RING:
Rotationsbewegungen in der Physik, Geophysik und Geodäsie", die von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit vier Millionen Euro gefördert wird.
"Nicht nur für die Erforschung des Klimawandels, sondern auch für
funktionierende Navigationsgeräte sind genaue Messungen der Erdrotation
unerlässlich", erklärt Heiner Igel, Professor für Geophysik und Seismologie an
der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Sprecher der neuen
Forschungsgruppe. Um bislang kaum messbare Veränderungen der Erdrotation
sichtbar zu machen, setzen die Forschenden auf Ringlaser. Diese optischen
Messinstrumente erfassen Drehbewegungen mithilfe des sogenannten Sagnac-Effekts,
bei dem gegenläufige Laserstrahlen eine frequenzabhängige Verschiebung zeigen,
die direkt mit der Rotationsrate zusammenhängt.
Die Forschungsgruppe baut auf ihrer langjährigen Expertise mit der
Technologie auf und will sowohl große stationäre Ringlaser – wie den Ringlaser
ROMY bei Fürstenfeldbruck oder den Ringlaser am Geodätischen Observatorium
Wettzell – als auch portable Sensoren technologisch weiterentwickeln. "Unser
Ziel ist, extrem empfindliche Rotationsmessungen mit einem hohen Maß an kurz-
und langlebiger Stabilität zu entwickeln, die sowohl in der Geodäsie als auch in
der Geophysik eingesetzt werden können", sagt Igel. Auf diese Weise wollen die
Forschenden sowohl neue Einblicke in Prozesse gewinnen, die die Erdrotation
beeinflussen, als auch genauere Analysen von Erdbeben und der dadurch
ausgelösten seismischen Wellen ermöglichen. Dadurch lassen sich zentrale
Prozesse im System Erde – von Klimaveränderungen bis hin zu seismischen
Aktivitäten – deutlich besser verstehen und künftig genauer überwachen. Präzise
Daten zur Erdrotation sind zudem eine wichtige Grundlage für Navigationssysteme
und Satellitentechnologie.
Die neue Forschungsgruppe setzt sich aus insgesamt sechs Teilprojekten
zusammen, an vier davon sind Forschende der LMU beteiligt. Neben der LMU als
Antragsteller beteiligt sind die Universität Bonn und das Bundesamt für
Kartographie und Geodäsie. Weitere Partner sind die TU München, das GFZ Potsdam,
das KIT Karlsruhe, die Universität Hamburg sowie die Hamburger Sternwarte, die
Universität Hannover, die TU Berlin sowie das BKG-Observatorium Wettzell.
DFG-Forschungsgruppen ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern,
sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative
Arbeitsrichtungen zu etablieren. Sie werden bis zu acht Jahre lang gefördert.
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