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Offener Brief zum Schutz des Nachthimmels über dem Paranal
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik astronews.com
3. Dezember 2025
Ein geplantes industrielles Großprojekt in der Nähe des
Paranal-Observatoriums der ESO in Chile bereitet der Wissenschaft weiter Sorge:
Nun haben sich fast 30 führende Astronominnen und Astronomen in einem offenen Brief an die
chilenische Regierung gewandt und diese aufgefordert, den INNA-Industriekomplex
zu verlegen, um den dunklen Himmel über Paranal zu bewahren.

Der Sternhimmel über dem Paranal in Chile,
hier mit den kleinen VLT-Hilfsteleskopen im
Vordergrund, ist durch ein Industrieprojekt in
Gefahr. Foto: ESO
/ Juan Carlos Muñoz Mateos [Großansicht] |
Nobelpreisträger Reinhard Genzel, Direktor am Max-Planck-Institut für
extraterrestrische Physik (MPE) in Garching bei München, leitet einen offenen
Brief von fast 30 führenden internationalen Astronomen, mit dem die chilenische
Regierung aufgefordert wird, den geplanten Industriekomplex INNA zu verlegen.
Das Projekt gefährdee den weltweit renommierten Nachthimmel über dem Paranal-Observatorium
der ESO, dem wichtigsten Standort für Spitzentechnologie in der Astronomie.
In dem Brief wird gewarnt, dass der INNA-Komplex die Lichtverschmutzung am
Paranal um bis zu 35 Prozent erhöhen und störende Mikrovibrationen verursachen
könnte, die die hochsensiblen Teleskope beeinträchtigen. Dies würde Jahrzehnte
wichtiger Forschung gefährden, darunter das vom MPE geführte Projekt GRAVITY+,
das kürzlich den Einsatz von vier Laser-Leitsternen zur Beobachtung schwacher
Himmelsobjekte demonstrierte. "Dunkelheit ist es, die mir klare Sicht
verschafft. Sie ist das Medium, durch das ich die feinsten Details des
Universums beobachten kann", betont der chilenische Astronom Eduardo
Unda-Sanzana die globale Bedeutung des Schutzes dieses einzigartigen
Nachthimmels.
Obwohl die Wissenschaftler die Energiewende zu grüner Energie begrüßen,
warnen sie, dass Größe und Nähe des INNA-Projekts eine unzumutbare Gefahr
darstellen. Sie fordern Präsident Gabriel Boric und wichtige Minister
respektvoll auf, das Projekt zu verlegen und den Schutz dieses einzigartigen
wissenschaftlichen und natürlichen Erbes zu verstärken.
Schon im Januar hatte die europäische Südsternwarte ESO Alarm geschlagen (astronews.com
berichtete): Das Unternehmen AES Andes, eine Tochtergesellschaft des
US-amerikanischen Energiekonzerns AES Corporation, plant wenige Kilometer vom
Paranal-Observatorium der ESO entfernt mehrere Energie- und Verarbeitungsanlagen
auf einer Fläche von mehr als 3000 Hektar. Eine von der ESO durchgeführte
detailliertere technische Analyse hatte gezeigt, dass die Pläne "verheerende und
irreversibele" Folgen für die astronomischen Beobachtungen in der Region haben
würden.
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