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Die heftigen Winde des Quasars PDS 456
von Stefan Deiters astronews.com
23. Februar 2015
Astronomen haben durch die Kombination von Beobachtungen der
Weltraumteleskope XMM-Newton und NuSTAR erstmals zeigen
können, dass die heftigen Winde, die in unmittelbarer Nähe eines aktiven
zentralen Schwarzen Lochs entstehen, in alle Richtungen blasen. Sie erwiesen sich
zudem als so stark, dass sie die Entwicklung der gesamten Galaxie beeinflussen
dürften.

Die intensiven Winde, die in unmittelbarer
Umgebung eines aktiven Schwarzen Lochs entstehen,
können große Teile einer Galaxie beeinflussen
(künstlerische Darstellung).
Bild: NASA / JPL-Caltech [Großansicht]
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"Wir wussten, dass Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien Materie
verschlucken und dass bei diesem Prozess Winde entstehen", erklärt Fiona
Harrison vom California Institute of Technology im kalifornischen Pasadena.
"Durch Kenntnis ihrer Geschwindigkeit, Gestalt und Ausdehnung können wir nun
berechnen, wie stark sie sind."
Winde, die von einem Schwarzen Loch ausgehen, scheinen zunächst einmal ein
Widerspruch in sich zu sein: Sollte nicht ein Schwarzes Loch sämtliches Material
verschlucken? Natürlich, doch die Winde und auch die teils äußerst intensive
Strahlung, die man von Schwarzen Löchern beobachtet, stammen nicht aus dem
Schwarzen Loch, sondern aus dessen unmittelbarer Umgebung.
Wenn bei aktiven Schwarzen Löchern Material in großen Mengen in das Schwarze
Loch hineinstürzt, tut es dies nicht auf direktem Weg, sondern sammelt sich in
der Regel zuvor in einer heißen rotierenden Scheibe um das Schwarze Loch. Das heiße
Material in dieser Scheibe sorgt für die beobachtete Strahlung von aktiven
Schwarzen Löchern in den Zentren von Galaxien.
In dieser Region können auch
gebündelte Teilchenstrahlen, sogenannte Jets, entstehen, die ins All
hinausschießen und außerdem intensive Winde. Diese Winde lassen sich im
Röntgenbereich beobachten und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu einem Drittel
der Lichtgeschwindigkeit.
Für die aktuelle Studie hatten Astronomen den Quasar PDS 456 untersucht. Bei
Quasaren handelt es sich um aktive Galaxien, deren zentrales Schwarzes Loch
also gerade große Mengen an Material verschlingt. Die Zentren dieser Galaxien
erscheinen daher äußerst hell und überstrahlen - insbesondere bei weit
entfernten Objekten - den Rest der Galaxie oft vollkommen. Von daher wirken Quasare
häufig fast punktförmig wie ein Stern. PDS 456 ist etwa zwei Milliarden Lichtjahre
von der Erde entfernt.
Anfängliche Beobachtungen mit dem Röntgenteleskop XMM-Newton der europäischen
Weltraumagentur ESA hatten erste Hinweise auf heftige Winde aus der Umgebung des
zentralen Schwarzen Lochs von PDS 456 geliefert, doch konnte man in den
Wellenlängenbereichen, in denen XMM-Newton beobachtet, lediglich feststellen,
dass diese Winde in unsere Richtung blasen.
In den letzten beiden Jahren wurden nun weitere Beobachtungen mit XMM-Newton
und gleichzeitig auch mit dem NASA-Röntgenteleskop NuSTAR durchgeführt, das noch
energiereichere Röntgenstrahlung detektieren kann. Damit konnten die Astronomen
nachweisen, dass die Winde aus der Umgebung des Schwarzen Lochs nicht nur in
unsere Richtung blasen, sondern praktisch in alle Richtungen.
"Dies ist ein hervorragendes Beispiel für die Vorteile der Zusammenarbeit
zwischen XMM-Newton und NuSTAR", meinte Norbert Schartel, der
Projektwissenschaftler für XMM-Newton bei der ESA. "Durch diese beiden sich
ergänzenden Röntgenobservatorien wurden bislang verborgene Details über die
energiereiche Seite des Universums für uns sichtbar."
Mithilfe der Daten über Form und Ausdehnung der Winde, konnten die Astronomen
dann auch auf die Stärke der Winde und ihren Einfluss auf die umgebende Galaxie
schließen. Man geht davon aus, dass die Entwicklung von Galaxien eng mit der
Entwicklung ihrer zentralen Schwarzen Löcher zusammenhängt. So können intensive
Winde aus dem Zentralbereich etwa dafür sorgen, dass Material für die Entstehung
von Sternen weggeblasen und die Geburt neuer Sterne damit unterbunden wird.
"Wir wissen jetzt, dass Quasarwinde einen erheblichen Beitrag zum
Massenverlust einer Galaxie leisten und ihren Gasvorrat wegblasen, der wiederum
für die Sternentstehung von Bedeutung ist", so Emanuele Nardini von der
englischen Keele University.
PDS 456 ist uns für einen Quasar noch
vergleichsweise nahe, so dass sich das Objekt für detaillierte Untersuchungen
dieser Prozesse anbietet. Das ist auch deswegen von Bedeutung, weil Quasare wie PDS 456 im jungen Universum, also vor
vielleicht zehn Milliarden Jahren, noch sehr viel häufiger anzutreffen waren als heute
und in jüngerer Vergangenheit.
Über ihre Beobachtungen berichten die Astronomen in einem Fachartikel in der
Wissenschaftszeitschrift Science.
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