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SONNE
Die
verdrehte Ursache der koronalen Massenauswürfe
von Rainer Kayser
2. September 2002
Seit 30 Jahren rätseln Wissenschaftler darüber, warum unsere Sonne
in unregelmäßigen Abständen gewaltige Blasen aus geladenem Gas ins All
schleudert. Sie sorgt dadurch nicht nur für Polarlichter auf der Erde,
sondern gefährdet auch empfindliche elektronische Geräte. Jetzt fanden
Forscher Hinweise darauf, dass verdrehte Magnetfelder dafür verantwortlich
sind, die ihren Ursprung tief im Inneren unseres Zentralgestirns haben.

Ein gewaltiger koronaler Massenauswurf, aufgenommen vom
LASCO-Instrument an Bord der Sonnensonde SOHO.
Foto:
NASA / ESA |
Die gewaltigen Sonneneruptionen haben ihre Ursache tief im Inneren der Sonne.
Das ist das Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Studie von britischen,
französischen und argentinischen Sonnenforschern. Dem Team unter der Leitung von
Lucie Green vom Mullard Space Science Laboratory in London gelang es
erstmalig, mit Hilfe von Messungen der Sonnensonden Soho und Yohkoh den Ursprung
der so genannten koronalen Massenauswürfe bis unter die Oberfläche der Sonne
zurückzuverfolgen. Dort, im Inneren der Sonne, verdrehen sich offenbar die
Feldlinien des Sonnenmagnetfelds gegeneinander. Dabei wird Energie gespeichert,
die bei der "Entwirrung" des Magnetfeldes wieder frei wird und dann die Materie
aus der Sonnenkorona ins All hinaus schleudert.
Bei den koronalen Massenauswürfen wird Gas aus der äußeren Sonnenatmosphäre,
der Korona, auf Geschwindigkeiten von über einer Million Kilometern pro Stunde
beschleunigt. Trifft dieses Gas auf die irdische Magnetosphäre, so kommt es
nicht nur zu den wunderschönen Polarlicht-Erscheinungen, sondern auch zu
Störungen in den Kommunikationsnetzen und mitunter zu Zusammenbrüchen der
Energieversorgung ganzer Regionen.
Das die Verdrehung der solaren Magnetfelder als Ursache hinter den gewaltigen
Eruptionen steht, wissen die Sonnenforscher seit langem. Wo diese Verdrehung
stattfindet, konnten die Wissenschaftler bisher aber nicht herausfinden. Die
meisten Forscher neigten bislang der These zu, dass die Magnetfelder sich direkt
an der Sonnenoberfläche verdrillen. Die neuen Messungen zeigen nun, dass die
Feldlinien des Magnetfeldes sich in der so genannten Konvektionszone verdrehen.
Dort steigt heiße Materie aus dem Sonneninneren nach oben, während kühlere
Gasmassen von der Oberfläche wieder nach unten sinken.
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SOHO,
Projekthomepage der ESA |
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