30 Doradus gilt unter Astronomen als eine der faszinierendsten
Regionen in unserer kosmischen Nachbarschaft. Tausende von neuen Sternen
werden in dieser Region geboren, in deren Zentrum sich ein spektakulärer
Sternhaufen von massereichen Sternen verbirgt: R136. Ein neues Bild des Hubble-Weltraumteleskops
erlaubt einen eindrucksvollen Einblick in die stellare Kinderstube.

30 Doradus.
Foto:
NASA, N. Walborn und J. Maíz-Apellániz (STScI), R. Barbá (La
Plata Observatory, La Plata, Argentinien) |
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Das zusammengesetzte Hubble-Bild zeigt, wie ultraviolette Strahlung
und stellare Winde, die von den Sternen des Sternhaufens R136 (links vom Zentrum
der Aufnahme) ausgehen, die gesamt Region durcheinander wirbeln und dafür
sorgen, dass immer wieder Gasklumpen kollabieren aus denen eventuell einmal
Sterne werden. Bei dem Bild handelt es sich um den inneren Bereich von 30 Doradus. Es zeigt einen Ausschnitt von 200 Lichtjahren Breite und 150
Lichtjahren Höhe. 30 Doradus liegt in der Großen Magellanschen Wolke, einer
Satellitengalaxie der Milchstraße, in etwa 170.000 Lichtjahren Entfernung.
Sein Aussehen verdankt der Nebel direkt den massereichen Sternen des
Sternhaufens R136: Deren hochenergetische ultraviolette Strahlung regt das
umgebende Gas zum Leuchten an. Die Sterne in R136 sind, wie frühere Beobachtungen
mit dem Weltraumteleskop gezeigt haben, etwa Hundert Mal massereicher als unsere
Sonne und zehnmal so heiß. In R136 gibt es mehrere Dutzend von ihnen, die alle
vor etwa zwei Millionen Jahren entstanden sind.
Diese massereichen Sterne sorgen auch für einen heftigen so genannten
stellaren Wind, der Geschwindigkeiten von mehreren Millionen Kilometern pro
Stunde erreichen kann. Diese Winde tragen das Gas vom zentralen Haufen weg und
sorgen an anderen Stellen dafür, dass sich neue Gasklumpen bilden und so eine
neue Phase von Sternentstehung beginnen kann. Diese Gas- und Staubwolken
erscheinen in pink. Die neuen stellaren Kinderstuben sind rund 30 bis 50
Lichtjahre vom zentralen Sternhaufen entfernt. Die jungen Sterne dort kann man
meist nicht sehen, da sie in einem Kokon aus Gas und Staub verborgen sind.
Manche der neuen Sterne bilden sich in fingerähnlichen Strukturen, die schon
häufiger beobachtet wurden, wenn die Sternentwicklung auf diese Weise angeregt
wurde. Die Strukturen sind alle auf den zentralen Sternhaufen ausgerichtet, was
auf dessen Einfluss hindeutet. In rund zwei Millionen Jahren dürfte die neue Sternengeneration sich voll entwickelt haben, die massereichen
Sterne in R136 sind dann längst verloschen.
Das Bild wurde aus mehreren überlappenden Hubble-Aufnahmen zusammengestellt,
die zwischen Januar 1994 und September 2000 gemacht wurden. Die benutzten
Filter sollen bestimmte Details hervorheben: So erscheinen heiße Sterne
bläulich, heißes durch die Strahlung der Haufensterne angeregtes Gas grünlich
und die glühenden dem Haufen zugewandten Bereiche der Gas- und Staubwolken pink.
Rötlich-braun schließlich sind kühleren Bereich der Gaswolken, die keine direkte
Strahlung aus dem Zentrum abbekommen.