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Das Geheimnis von Sakurais Objekt
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Universität Innsbruck astronews.com
18. September 2026
Sakurais Objekt ist für die Astronomie etwas ganz
Besonderes: Verändern sich Sterne in der Regel während eines Menschenlebens
kaum, handelt es sich bei diesem Objekt um einen der am schnellsten
veränderlichen Sterne, die je beobachtet wurden. Neue Beobachtungen zeigen nun,
dass Sakurais Objekt in eine neue Phase seiner Entwicklung eingetreten ist.

Auf den ersten Blick unscheinbar, doch für
die Astronomie außerordentlich spannend: Sakurais
Objekt (im grünen Kreis) im Jahr 2023.
Bild: Peter van Hoof, Royal
Observatory of Belgium [Großansicht] |
Mithilfe des Very Large Telescope (VLT) der Europäischen
Südsternwarte ESO in Chile untersucht ein Forschungsteam, zu dem auch Stefan
Kimeswenger vom Institut für Astro- und Teilchenphysik der Universität Innsbruck
gehört, seit nunmehr drei Jahrzehnten Sakurais Objekt. Der nach seinem
japanischen Entdecker benannte Himmelskörper ist ein seltener "wiedergeborener"
Stern, der 1996 unerwartet wieder zum Leben erwachte, nachdem er zuvor bereits
die Endphase seiner Entwicklung erreicht hatte.
Die aktuellen Forschungsergebnisse zeigen, dass der Stern inzwischen in eine
neue Entwicklungsphase eingetreten ist und nun den für Wolf-Rayet-Sterne
charakteristischen starken Sternwind entwickelt. Die Beobachtungen liefern somit
neue Einblicke in die Endphasen der Sternentwicklung und helfen der Astronomie,
Theorien zu überprüfen, deren Verifizierung andernfalls Tausende oder Millionen
von Jahren dauern würde.
Kimeswenger gehörte zu den Gründern des Forschungsteams und ist seit den
Anfängen der Beobachtungen dabei: "Die meisten Sterne entwickeln sich so
langsam, dass größere Veränderungen sich über Zeiträume vollziehen, die weit
über eine menschliche Lebensspanne hinausgehen. Daher müssen wir uns in der
Regel ein Bild von der Sternentwicklung zusammensetzen, indem wir verschiedene
Sterne in unterschiedlichen Lebensphasen miteinander vergleichen", so der
Wissenschaftler. "Sakurais Objekt bietet etwas weitaus Selteneres. Es ist einer
der wenigen bekannten Sterne, die sich innerhalb weniger Jahrzehnte dramatisch
verändert haben. Dies gibt uns die Möglichkeit, an ihm die Sternentwicklung in
Echtzeit zu beobachten. Mit unseren Beobachtungen können wir Theorien zur
Sternentwicklung überprüfen und neue Einblicke in eine der kürzesten und am
wenigsten verstandenen Phasen im Leben eines sterbenden Sterns gewinnen."
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Stern
unserer Sonne ähnelte, jedoch bereits seine Kernfusion eingestellt hatte und
sich auf dem Weg zu einem Weißen Zwerg befand – dem heißen, dichten Kern, der
nach dem Tod eines gewöhnlichen Sterns zurückbleibt. Doch Sakurais Objekt
durchlief ein seltenes Ereignis, das als "sehr später thermischer Impuls"
bekannt ist, bei dem sich eine Heliumschicht tief im Inneren des toten Sterns
plötzlich wieder entzündete. Das Ereignis führte dazu, dass sich der Stern rasch
ausdehnte, abkühlte und große Mengen an Material in den Weltraum ausstieß,
wodurch er vorübergehend in ein früheres Stadium seines Lebens zurückkehrte.
Deswalb wird er auch als "wiedergeborener" Stern bezeichnet.
Bislang wurden nur zwei Sterne, die eine solche dramatische Wiedergeburt
durchliefen, direkt beobachtet: Sakurais Objekt und V605 Aquilae. Nach seinem
Ausbruch verschwand Sakurais Objekt hinter dichten Gas- und Staubwolken, die
während der Eruption freigesetzt worden waren, was eine direkte Untersuchung
erschwerte. Um seinen aktuellen Zustand zu untersuchen, wertete das
internationale Team Beobachtungen des Very Large Telescope aus und
verglich es mit ausgefeilten Computermodellen von Teamkollegen am
Observatório do Valongo der Universität in Rio de Janeiro, die die
Atmosphären und die starken Winde von Wolf-Rayet-Sternen simulieren.
Die Beobachtungen brachten charakteristische Signaturen von Kohlenstoff und
Helium zum Vorschein, wodurch das Team die Temperatur, die chemische
Zusammensetzung und die Eigenschaften des Sternwinds von Sakurais Objekt
bestimmen konnten. Ihre Analyse deutet darauf hin, dass die
Oberflächentemperatur des Sterns derzeit zwischen etwa 27.000 und 36.000 Kelvin
liegt, was zeigt, dass er sich nach seinem dramatischen Ausbruch vor fast drei
Jahrzehnten wieder aufheizt.
"Eine der zentralen Fragen bleibt, wie schnell sich Sakurais Objekt nach
seinem dramatischen Ausbruch erholen sollte", so Kimeswenger. "Unsere Messungen
zeigen, dass sich der Stern langsamer wieder aufheizt, als einige frühere
Modelle vorhergesagt hatten. Das gibt uns eine wichtige Möglichkeit zu prüfen,
welche Theorien am besten beschreiben, was geschieht, wenn ein sterbender Stern
kurzzeitig wieder zum Leben erwacht. Da wir den Stern in den kommenden Jahren
weiter beobachten werden, hoffen wir, noch viel mehr über diese bemerkenswerte
Phase der Sternentwicklung zu erfahren."
Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass sich Sakurais Objekt in einem
früheren Entwicklungsstadium befindet als V605 Aquilae, bei dem etwa 80 Jahre
früher ein ähnliches Ereignis stattfand. Das Team wird Sakurais Objekt weiterhin
beobachten, während es sich weiter erwärmt und seinen Weg zum Weißen Zwerg
fortsetzt, um mehr über eine der schnellsten und ungewöhnlichsten Phasen der
Sternentwicklung zu erfahren, die je beobachtet wurden.
Über ihre Beobachtungen berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der
Zeitschrift Monthly Notices of the Royal Astronomical Society
erschienen ist.
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