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Ein Brauner Zwerg mit Begleiter
von
Stefan Deiters astronews.com
24. Juli 2026
Mithilfe des Very Large Telescope der europäischen
Südsternwarte ESO wurde nun im Sternsystem CD-35 2722 ein ungewöhnliches Objekt
entdeckt: Der Braune Zwerg, der den Zentralstern umkreist, könnte über einen
Begleiter verfügen. Bestätigt sich der Fund, wäre dies der erste "Mond", der
außerhalb des Sonnensystems entdeckt wurde.

Künstlerische Darstellung des Systems CD-35 2722 mit
dem neu entdeckten Objekt in der Mitte. Bild:
ESO / M. Kornmesser [Großansicht] |
Als "extrem seltsam" beschreibt ESO-Student Kevin Hoy das System CD-35 2722,
mit dem er sich viele Monate lang beschäftigt hat: Der Stern CD-35 2722, der
etwa die Hälfte der Masse der Sonne aufweist, wird von einem sogenannten Braunen
Zwerg umkreist. Diese Objekte sind massereicher als ein Planet, haben aber nicht
ausreichend Masse, um die nuklearen Fusionsprozesse in ihrem Inneren dauerhaft
zu zünden. Im Orbit um diesen Braunen Zwerg entdeckte Hoy Hinweise auf ein
weiteres Objekt.
"Dieses System ist mithilfe von Begriffen, die wir aus unserem Sonnensystem
kennen, etwa 'Planet' und 'Mond', schwer zu beschreiben, meint Hoy. Das Team
bezeichnet das neu entdeckte Objekt daher als Exosatellit. Es hat etwa die Masse
von Jupiter und umkreist einen Braunen Zwerg, der etwa die 30-fache Masse von
Jupiter aufweist. "Der Exosatellit ist eindeutig massereich genug, um ein Planet
zu sein, aber er umkreist keinen Stern, sondern ein Objekt, das einen Stern
umkreist", beschreibt Hoy. "Da dieses Objekt so etwas wie das 'dritte Rad' in
diesem System ist, möchte man es fast einen Mond nennen, auch wenn es nichts mit
den kleinen, felsigen Monden vergleichbar ist, die wir im Sonnensystem kennen."
"Der Satellit, über den wir hier berichten, ist ein riesiges gasförmiges
Objekt, das einen sehr massereiche Begleiter umkreist, der selbst die mehrfache
Masse von Jupiter hat", so Alice Zurlo, Direktorin des Millennium Nucleus of
Young Exoplanets and their Moons (YEMS), zu dem auch Hoy gehört. Sie
arbeitet außerdem, wie auch Hoy, an der Universidad Diego Portales in
in Santiago de Chile. "In unserem Sonnensystem haben wir eine klare Abgrenzung
zwischen den Planeten und der Sonne, daher ist es einfach, Objekte wie Monde zu
definieren. Im CD-35 2722-System hingegen verwischen die Grenzen zwischen
Sternen, Planeten und Monden. Da ist das komplizierter."
Obwohl man inzwischen mehr als 6000 extrasolare Planeten kennt, ist es
bislang nicht gelungen, einen "Exomond" sicher nachzuweisen. Es gibt lediglich
einige wenige Exomond-Kandidaten. Das System CD-35 2722 wurde von dem Team um
Hoy und Zurlo mithilfe des CRIRES+-Instruments am Very Large Telescope
der europäischen Südsternwarte ESO beobachtet. Sie verwendeten dabei die
sogenannte Radialgeschwindigkeitsmethode, um die minimalen Taumelbewegungen des
Braunen Zwergs nachzuweisen, die durch das ihn umkreisende Objekt verursacht
werden - nach Ansicht des Teams ein starker Hinweis auf einen "Mond". "So
exotisch es auch sein mag: Dieses System ist wirklich einzigartig und stellt
einen Durchbruch dar – es ist der erste plausible Nachweis eines Exosatelliten",
so Zurlo.
Die Suche nach Exomonden und Satelliten in anderen
Sonnensystemen ist für die Forschenden nicht nur deshalb spannend, weil sie
dabei ganz neue Klassen von Objekten entdecken können, sondern weil Entdeckungen
wie diese auch deutlich machen, wie vielfältig die Entstehung und Entwicklung
von Objekten in anderen Planetensystemen sein kann. Mit dem gerade in Bau
befindlichen Extremely Large Telescope der ESO sollten sich noch sehr
viel kleinere Monde aufspüren lassen.
Über ihre Entdeckung berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der
Fachzeitschrift Nature erschienen ist.
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