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Hinweis auf fossilen Magnetismus in Sternen
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung des Institute of Science and Technology Austria astronews.com
15. April 2026
Der Magnetismus an der Oberfläche längst erloschener
Sternüberreste könnte ein Hinweis auf Magnetismus in den Kernen ihrer sterbenden
Vorläufersterne sein. Das zeigten jetzt Modelle eines österreichischen
Forschungsteams. Diese Magnetfelder wären schon früh im Leben des Sterns
entstanden, hätten dessen Entwicklung überdauert, um schließlich als
"Fossilfelder" zum Vorschein zu kommen.

Wie die Entwicklung eines Sterns die Form
eines Magnetfelds verändert: Anstatt im Zentrum konzentriert
zu sein, können Magnetfelder schalenförmige Strukturen
bilden – dargestellt durch rosa Feldlinien –, so die
Simulationen des ISTA‑Teams.
Bild: Lukas Einramhof / ISTA [Großansicht] |
Seit Jahrtausenden blicken Menschen mit Staunen und Ehrfurcht zu den Sternen.
Aus menschlicher Sicht scheinen diese funkelnden Punkte am Himmel ewig zu
leuchten. Tatsächlich leben manche Sterne über Milliarden Jahre, und auch ihre
Entwicklung ist von einschneidenden Ereignissen geprägt: Einige enden in einem
spektakulären Feuerwerk kosmischer Supernova-Explosionen, andere kühlen leise
aus und hinterlassen einen "toten" Rest - einen sogenannten Weißen Zwerg.
Mithilfe eines theoretischen Modells verknüpft ein internationales Team,
geleitet von Doktorrand Lukas Einramhof und Assistenzprofessorin Lisa Bugnet am
Institute of Science and Technology Austria (ISTA), unabhängige
Beobachtungen, die in unterschiedlichen Stadien der Sternentwicklung gesammelt
wurden. Erstmals konnten sie die Nachweise magnetischer Felder an der Oberfläche
älterer Weißer Zwerge mit jüngsten Messungen von Magnetismus in den Kernen
Roter Riesen – den sterbenden Vorläufern dieser Reste – in Beziehung setzen.
Im Zentrum ihres Modells steht die Idee, dass Magnetfelder, die früh im Leben
eines Sterns entstehen, alle Entwicklungsphasen überstehen und Milliarden Jahre
später an der Oberfläche Weißer Zwerge als "Fossilfelder" erscheinen. Durch die
Einbeziehung neuer asteroseismischer Daten, also Messungen von Sternbeben,
haucht das Team der Fossilfelder-Theorie neues Leben ein – als mögliche
Erklärung für stellaren Magnetismus. Magnetfelder an der Oberfläche
Weißer Zwerge liefern der Astrophysik wertvolle Informationen über die
Vergangenheit dieser Sternenreste. "Das Magnetfeld eines Sterns beeinflusst, wie
er im Inneren funktioniert und wie lange er lebt und sich entwickelt. Generell
neigen ältere Weiße Zwerge dazu, stärker magnetisch zu sein als jüngere", sagt Einramhof.
Um zu erklären, woher die Magnetfelder an der Oberfläche älterer, seit
mehreren Millionen Jahren "toter" Weißer Zwerge stammen, müssen die Forschenden
tiefer in die Vergangenheit der Sterne blicken. Bisher haben mehrere
Forschungsteams Magnetfelder von Sternen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen
untersucht. Das ISTA‑Team will diese einzelnen Befunde nun verbinden, um die
zugrunde liegenden Prozesse der Stern‑ und Restentwicklung besser zu verstehen.
"Als theoretische Astrophysik‑Gruppe entwickeln wir Modelle, um Beobachtungen zu
erklären", erläutert Bugnet.
Durch die Asteroseismologie – die Erforschung von Sternbeben – können
Forschende erst seit Kurzem in die Tiefen Roter Riesen, der Vorläufer
Weißer Zwerge, blicken. Ähnlich wie Erdbeben auf der Erde erlauben Sternbeben,
das Innere von Sternen zu "vermessen". Unabhängige Beobachtungen verschiedener
Gruppen zeigen auf den ersten Blick gegensätzliche Bilder: Einerseits wurden
Magnetfelder an der Oberfläche älterer Weißer Zwerge nachgewiesen, was darauf
hindeutet, dass diese Felder im Verlauf der Sternentwicklung aus dem Inneren an
die Oberfläche gelangen könnten. Andererseits lieferten asteroseismische
Messungen an "sterbenden" Roten Riesen bereits Millionen Jahre früher in ihrer
Entwicklung Hinweise auf Magnetfelder in deren Kernen.
Mithilfe dieser Daten konnte das ISTA‑Team zeigen, dass diese beiden
Zeitpunkte im Leben eines Sterns durch eine Theorie verbunden werden können, die
unter Weiß‑Zwerg‑Forschenden in den letzten Jahren etwas aus der Mode geraten
war: das sogenannte Fossilfeld‑Szenario. "Ein Weißer Zwerg ist der freigelegte
Kern eines Roten Riesen, nachdem dieser seine äußeren Schichten abgestoßen hat",
erklärt Einramhof. "Somit betrachten diese unterschiedlichen Beobachtungen im
Wesentlichen denselben Bereich eines Sterninneren in verschiedenen
Entwicklungsstadien."
Nach dem Abstoßen der äußeren Hüllen zeigt der Weiße‑Zwerg‑Rest daher
charakteristische Eigenschaften an seiner Oberfläche. "Wenn das Magnetfeld, das
während der Roten‑Riesen‑Phase beobachtet wird, dasselbe ist wie jenes, das
später an der Oberfläche des Weißen Zwergs gemessen wird, dann kann die
Fossilfeld‑Theorie die Beobachtungen erklären und miteinander verbinden", so
Einramhof weiter. Das Team geht jedoch davon aus, dass dieses Magnetfeld noch
früher – vor der Roten‑Riesen‑Phase – entsteht.
Durch die erneute Untersuchung des Fossilfeld‑Szenarios mit neuen
Erkenntnissen erzielte das Team mehrere zentrale Ergebnisse zur "Archäologie"
des Magnetismus in Sternen. Erstens zeigte sich, dass das Ausmaß der
Magnetisierung im Kern des Roten‑Riesen‑Vorläufers entscheidend ist. "Um die
Magnetfelder an der Oberfläche älterer Weißer Zwerge mit jenen im Kern ihrer
Roten Riesen‑Vorläufer zu verbinden, muss ein größerer Teil des Sterns
magnetisiert sein", erklärt Einramhof. "Das bedeutet aber nicht, dass die Sterne
stärkere Magnetfelder haben müssen – vielmehr müssen die Magnetfelder bereits
einen größeren Bereich ihres Kerns durchdringen." Darüber hinaus zeigte die
Methode des Teams, wie die Sternentwicklung die Form eines Magnetfelds
verändert. Ihre Simulationen legen nahe, dass Magnetfelder schalenartige
Strukturen bilden können – ähnlich der Oberfläche eines Basketballs –, wobei das
Feld an der Schale stärker ist als im Zentrum.
Letztlich wollen die Forschenden besser verstehen, wie sich unsere eigene
Sonne entwickeln wird. Als 4,6 Milliarden Jahre alter Hauptreihenstern befindet
sich die Sonne etwa in der Mitte ihrer Lebensdauer in dieser Phase, bevor sie
sich zu einem Roten Riesen aufbläht und voraussichtlich die Erde verschlingt.
"Wir wissen noch nicht, ob der Sonnenkern magnetisch ist. Obwohl es sich um
unseren eigenen Stern handelt, sind wir praktisch blind dafür, was im Zentrum
der Sonne passiert", sagt Einramhof. "Aktuelle Modelle nehmen an, dass der
Sonnenkern nicht magnetisch ist. Sollte sich aber das Gegenteil herausstellen,
würde das vieles, was wir zu wissen glauben, grundlegend verändern – ebenso wie
die Modelle, auf denen unsere Arbeit basiert."
Während des Hauptteils ihres Lebens als sogenannte Hauptreihensterne bleiben
Sterne stabil, bis der Wasserstoffvorrat im Kern erschöpft ist und die Fusion
nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Wenn dieser Mechanismus versagt, blähen
sie sich auf und entwickeln sich zu Roten Riesen. "Könnte die Sonne Wasserstoff
aus ihren äußeren Schichten in den Kern transportieren, würde sie länger leben.
Eine Möglichkeit dafür wären starke Magnetfelder", sagt Einramhof. Magnetische
Felder könnten jedoch auch zu einem völlig anderen Verlauf führen: "Wir wissen,
dass Magnetfelder die Sternentwicklung deutlich beeinflussen können – aber wir
wissen noch nicht genau, wie stark und auf welche Weise."
Die Ergebnisse des ISTA‑Teams tragen dazu bei, die Fossilfeld‑Theorie als
plausiblen Mechanismus in der Entwicklung des stellaren Magnetismus wieder zu
etablieren. Dennoch bleiben viele Fragen offen. "Angesichts unseres derzeit
begrenzten Wissens deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass Sterne
wahrscheinlich alle magnetisch sind – wir können diesen Magnetismus nur nicht
immer nachweisen", schließt Einramhof.
Über ihre Modelle und Überlegungen berichtet das Team um Einramhof und Bugnet in einem Fachartikel,
der in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics erschienen ist.
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