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Bewegliche Antennen für bessere Verbindungen
Redaktion
/ Pressemitteilung der Fraunhofer-Gesellschaft astronews.com
8. Juni 2016
Satelliten spielen für die Kommunikation heute eine enorm
wichtige Rolle. Allerdings ist diese Technologie bislang nur unzureichend für
mobile Anwendungen geeignet. Forscher entwickeln daher neuartige Antennen, die
sich sehr schnell nachführen lassen, um sie etwa auch in fahrenden Autos
verwenden zu können. Auch an der
Übertragungstechnik wird noch gefeilt.

Auf dem Teststand der "Facility for Over-the-Air
Research and Testing (FORTE)" werden die
entwickelten Nachführalgorithmen der
KASYMOSA-Antenne bei unterschiedlichen
Bewegungsprofilen überprüft.
Bild: Fraunhofer IIS [Großansicht] |
Regelmäßig erschüttern Naturkatastrophen die Erde. Wie im Fall des Tsunamis
in Japan oder des Erdbebens in Nepal werden dabei auch Strom- und
Telefonleitungen zerstört. In der Regel fällt der Mobilfunk großflächig aus,
weil die Masten beschädigt werden. Rettungsdienste greifen deshalb in
Katastrophenfällen auf eigene Kommunikationstechnik zurück – meist auf
Satellitenanlagen.
Daten oder Telefongespräche werden direkt zu einem Satelliten im All und von
dort zu Empfangsstationen auf der Erde geschickt. Damit sind die Rettungskräfte
von der Kommunikationsinfrastruktur am Erdboden unabhängig. Bislang hat die
Satellitenkommunikation Nachteile. So dauert der Aufbau einer kleinen
Satellitenstation im Feld einige Zeit. Einmal aufgebaut, lässt sie sich dann
nicht mehr ohne weiteres bewegen. Darüber hinaus bricht die Verbindung immer
wieder ab, wenn viele Daten übertragen werden müssen oder ein Gewitter stört.
Die Satellitenantenne muss – wie man es vom Fernsehen kennt – sehr genau auf
den Satelliten ausgerichtet werden. Deswegen ist es heute so gut wie unmöglich,
in einem fahrenden Auto via Satellit breitbandig zu kommunizieren, weil sich die
Antenne durch die Bewegung des Fahrzeugs ständig aus dem Fokus bewegt. Im
Verbundprojekt KASYMOSA (Ka-Band Systeme für Mobile Satellitenkommunikation)
haben mehrere Forschungseinrichtungen eine Reihe von Technologien entwickelt, um
die Satellitenkommunikation für den mobilen Einsatz fit zu machen. Das
Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen ist dabei mit
drei Arbeitsgruppen beteiligt.
Für die mobile Kommunikation müssen die Forscher einige Hürden überwinden.
Zunächst geht es darum, die Satellitenantenne auf einem fahrenden Auto so
schnell zu bewegen und nachzuführen, dass sie den Satelliten stets im Auge
behält. Dabei kommt es auf hohe Präzision an: So darf sie sich nur um höchstens
0,2 Grad aus dem Fokus des Satelliten bewegen. Schon das Einsteigen aber bewegt
ein Auto deutlich stärker. Die Partner haben deshalb für eine Mechanik, die die
Antenne präzise und zügig bewegen kann, Algorithmen entwickelt. Sie steuern die
Bewegung der Antenne exakt so, dass sie eine Richtungsänderung innerhalb von
Sekundenbruchteilen kompensiert.
Zudem ist eine klassische Satellitenantenne mit 60 Zentimetern Durchmesser
auf einem Autodach unpraktisch. Sie würde das Schwanken verstärken. "Seit
einiger Zeit gibt es weltweit einen Trend zur Entwicklung flacher
Satellitenantennen, den Panel-Antennen", sagt Projektleiter Florian Raschke vom
IIS. Diese werden heute bereits in die Außenhaut von Flugzeugen montiert, um
Passagieren die Internetnutzung über Satellit zu ermöglichen, das Inflight-Internet.
Ein Flugzeug vollführt aber sehr gleichmäßige Bewegungen und verändert seine
Position zum Satelliten relativ langsam. Die Anforderungen an eine solche
Antenne sind geringer als an eine für ein Auto, das im Katastrophenfall
möglicherweise über bucklige Feldwege rumpelt.
Internetnutzer sind es heute gewohnt, dass eine Verbindung stabil ist und
nicht einfach abreißt, wenn viele Daten über die Leitung fließen. Schaut man
einen HD-Film an oder nutzt man Videotelefonie, dann verändert sich
allerhöchstens das Bild. Es wird gröber, pixeliger, wenn die Datenleitung stark
belastet ist – doch nur selten einmal bricht die Verbindung ganz ab. Der Grund:
Die Internettechnik ist heute so ausgelegt, dass sie eine Anwendung wie den
Browser oder Skype so steuern kann, dass sie die Qualität des Bildes reduziert,
die Funktionalität aber gewahrt bleibt.
Bei der Satellitenkommunikation ist das heute noch anders. Ist die Leitung
überlastet, bricht sie einfach ab. Fernsehzuschauer erkennen das daran, dass ein
Satellitenbild nicht langsam schlechter wird, sondern bei Gewitter einfach
plötzlich weg ist. Mit anderen Worten: Der Satellitenkommunikation fehlt es
bislang an einer durchgehenden Technik, die Verbindungsqualität wie im Internet
regelt und an die aktuelle Auslastung der Datenleitung anpasst.
Die Forscher haben die Datenverarbeitung so verändert, dass sich die
Datenrate in Abhängigkeit von der Situation verändert. Dazu wurde ein spezielles
Modem zur Übertragung der Daten entwickelt. "Wir erreichen damit sehr hohe
Bandbreiten von mehreren Megabit pro Sekunde", sagt Raschke. "Damit reichen wir
natürlich nicht an die Gigabit-Ströme einer festen Datenleitung heran, aber für
die Satellitenkommunikation ist das ein großer Schritt."
Dank dieser Technik werden Rettungskräfte künftig Videos von der Situation
vor Ort und Landkarten in kurzer Zeit versenden können, ohne dass die Verbindung
abbricht. Ganz wie man es vom Internet gewohnt ist. Und auch
Satellitentelefongespräche werden klar und ohne Aussetzer möglich sein.
Bislang ist es so, dass einzelne Sendestationen nur über eine Zentrale, einen
Hub, miteinander Verbindung aufnehmen können. Das neu entwickelte Modem aber
stellt jetzt direkte Verbindungen her. Das trägt nicht zuletzt zur
Datensicherheit bei, weil Sender und Empfänger jetzt direkt miteinander Kontakt
aufnehmen und der Datenstrom nicht mehr über den Hub läuft.
Das KASYMOSA-Projekt endet diesen Sommer. Dann wird ein Demonstrator des
neuen Kommunikationssystems zur Verfügung stehen, der anschließend noch weiter
getestet wird. Industriepartner verschiedener Branchen sind eingeladen, das
System in verschiedenen Applikationen zu testen und zur Produktreife
weiterzuentwickeln.
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