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Sommernächte und zwei Mal ein Vollmond
von
Stefan Deiters astronews.com
1. Juli 2015
In den ersten Juliwochen sind am westlichen Abendhimmel
weiterhin die Venus und der Jupiter zu sehen. In den kurzen Nächten lohnt zudem ein
Blick in das Band der Milchstraße mit seinen zahlreichen interessanten Objekten.
Die Erde erreicht am 6. Juli den sonnenfernsten Punkt ihrer Umlaufbahn um die
Sonne. Einen Vollmond gibt es im Juli gleich zwei Mal.

Blick nach Westen am Abend des 18. Juli: Knapp über dem
Horizont sind die schmale
Mondsichel und Venus (links) sowie Jupiter zu sehen.
Bild: astronews.com / Stellarium |
Mit Beginn des Juli macht sich der Sommer nun endlich auch beim Wetter
bemerkbar und beschert Mitteleuropa einige heiße Sommertage. Da bleibt man
auch schon einmal länger draußen und beobachtet, wie die ersten Sterne langsam
sichtbar werden. Zu Monatsbeginn sind diese "Sterne" wohl meist Planeten,
zeigen sich doch Venus und Jupiter nach Sonnenuntergang im Westen als
eindrucksvolles Paar. Doch davon später mehr.
Zu den in jedem Jahr wiederkehrenden astronomischen Daten zählen auch die Tage,
an denen die Erde ihre größte und ihre geringste Entfernung von der Sonne haben.
Astronomen nennen diese Punkte Aphel und Perihel. Der Punkt des
geringsten Abstands von der Sonne, das Perihel, wird jeweils Anfang Januar
durchlaufen, der Punkt mit dem größten Abstand Anfang Juli - in diesem Jahr am
6. Juli. Die Erde ist dann 152 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt,
Anfang Januar waren es "nur" 147 Millionen Kilometer.
Die Entstehung der Jahreszeiten, das wird dadurch noch einmal deutlich, hat
also nichts mit dem Abstand der Erde von der Sonne zu tun, sondern ausschließlich mit der Neigung der
Erdachse: Während eines Umlaufs um die Sonne bekommt dadurch einmal die
Nordhalbkugel und einmal die Südhalbkugel der Erde mehr Sonnenstrahlen ab. In unserem
Sommer ist die Nordhalbkugel der Sonne zugeneigt, auf der Südhalbkugel hingegen
herrscht Winter.
Passend zur Jahreszeit sind am Himmel noch immer die typischen
Sommersternbilder prominent vertreten: Wega im Sternbild Leier, Deneb im
Sternbild Schwan und Altair im Adler bilden das sogenannte
Sommerdreieck [Findkarte].
Doch auch der kommende Herbst kündigt sich mit dem Sternbild Pegasus
schon an. Ganz in der Nähe von Wega findet sich mit Epsilon Lyrae
ein bekanntes Vierfach-Sternsystem, von dem sich zwei Komponenten schon mit dem
Fernglas, alle vier mit einem kleinen Teleskop auflösen lassen. Epsilon Lyrae
ist rund 160 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Ende Juli beginnen die Hundstage. Ihren Namen haben sie von
Sirius, der bei uns eher als Stern des Winterhimmels bekannt
ist. Von den alten Ägyptern aber wurde Sirius, der hellste Stern am Himmel nach
unserer Sonne, "Hundsstern" genannt und sein Erscheinen dort im Sommer - zusammen mit
der sommerlichen Hitze - ist verantwortlich für die noch immer gebräuchliche
Bezeichnung "Hundstage". Für die Ägypter war das Erscheinen des Sirius ein Warnsignal, das die bevorstehende Flut des Nils ankündigte.
Schaut man gegen Mitternacht Richtung Süd-Osten und befindet sich fernab
störender Lichter, kann man das helle Band der Milchstraße in seiner ganzen
Pracht bewundern. Mit einem Feldstecher ist diese Region am Himmel eine wahre
Fundgrube: Ein Sternhaufen und Nebel reiht sich hier an den nächsten. Oberhalb
des Sternbilds Schütze finden sich die wohl eindrucksvollsten Nebel des
nördlichen Sternenhimmels: Der Lagunen-Nebel (M8) und der etwas
nördlich davon gelegene Trifidnebel (M20) [Findkarte].
Der Lagunen-Nebel ist größer und heller als der Trifidnebel und rund 5.000
Lichtjahre von der Erde entfernt. Mit einem kleinen Teleskop erkennt man
bereits, dass der Nebel von einem dunklen Band aus Staub geteilt wird, das dem
Nebel seinen Namen gab. Der Trifidnebel ist rund 9.000 Lichtjahre von der Erde
entfernt und ist besonders durch ein eindrucksvolles Bild des
Hubble-Weltraumteleskops bekannt geworden. Es zeigte eine stellare Kinderstube
voller Sternenembryos, die von der intensiven Strahlung eines nahen Riesensterns
langsam aufgelöst wird (siehe
Bild des Tages vom 28.
April 2009).
Unter den Planeten ist unser Nachbar Venus weiterhin am
Abendhimmel zu
finden und erstrahlt am 10. Juli im größten Glanz. Die Helligkeit unseres
Nachbarplaneten beträgt dann -4,7 Magnituden. Zum Monatsende verabschiedet sich
die Venus dann vom Abendhimmel. Unser anderer Nachbarplanet
Mars bleibt im Juli unsichtbar.
Der Gasriese Jupiter befindet sich weiterhin im Sternbild
Löwe und ist abends über dem Westhorizont auszumachen - zu Monatsbeginn noch
recht nahe bei der Venus. Am 18. Juli gesellt sich auch die Mondsichel zu dem
Planetenpaar - nach Sonnenuntergang ganz knapp über dem Westhorizont. Der Ringplanet Saturn befindet sich im Sternbild
Waage und ist praktisch nur noch in der ersten Nachthälfte zu beobachten.
Zum Monatsende könnte auch der Meteorschauer der Delta Aquariden
sichtbar
sein, dessen Ausstrahlungspunkt im Sternbild Wassermann liegt. Es handelt sich
aber um einen relativ unauffälligen Meteorstrom. Das Maximum wird für die ersten
Stunden des 29. Juli erwartet. Fast den ganzen Juli über sind die Alpha Capricorniden mit dem Ausstrahlungspunkt im Steinbock aktiv. Experten erwarten
aber nicht mehr als fünf Objekte pro Stunde im Maximum am 29. Juli. Auch die
ersten Perseiden könnten in der zweiten Julihälfte schon zu
sehen sein.
Im Juli gibt es übrigens auch zwei Vollmonde: Schon am 2.
Juli steht die Erde genau zwischen Mond und Sonne, so dass wir die eine Seite
des Erdbegleiters vollständig beleuchtet sehen können. Einen weiteren Vollmond
gibt es dann am 31. Juli.
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