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Trojaner-Asteroid ist eigentlich Komet
von Rainer Kayser
3. Februar 2006
Als Trojaner bezeichnet man für gewöhnlich Objekte, die
etwas ganz anderes sind als sie vorgeben zu sein. Nun entdeckten amerikanische
Astronomen, dass dies offenbar auch für mindestens einen Asteroiden gilt, der
zur Gruppe der sogenannten Trojaner gehört: Der Asteroid Patroclus scheint in
Wirklichkeit ein Komet zu sein.

So stellt sich eine Künstlerin
das Patroclus-Duo vor. Es könnte ursprünglich
ein Objekt gewesen sein, das dann durch den
Einfluss Jupiters auseinanderbrach. Bild:
Lynette Cook / W. M. Keck Observatory
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Das Trojanische Pferd war der Sage nach kein Geschenk, sondern ein Versteck für
Soldaten. Offenbar vollführen die "Trojaner" genannten Himmelskörper eine
ähnliche Maskerade: Sie erscheinen als felsige Asteroiden, sind aber in Wahrheit
Kometen aus Eis und Staub. Darauf deuten zumindest jüngste Messungen
amerikanischer Astronomen an dem Trojaner-Pärchen Patroclus hin. Die Forscher
berichten darüber in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts Nature.
Als Trojaner bezeichnen die Astronomen kleine Himmelskörper, die mit dem
Planeten Jupiter gemeinsam um die Sonne kreisen. Sie befinden sich jeweils etwa
60 Grad vor oder hinter Jupiter auf der Bahn des Planeten nahe den so genannten
Lagrange-Punkten L4 und L5. Dort erlaubt die Kombination aus den
Anziehungskräften von Jupiter und Sonne stabile Bahnen. Bislang rechneten die
Himmelsforscher die Trojaner, von denen heute über eintausend bekannt sind, zu
den Asteroiden: Himmelskörper aus Gestein und Metall, entstanden gemeinsam mit
Jupiter.
Doch die Beobachtungen von Franck Marchis von der University of California
in Berkeley und seinem Team zeigen nun, dass zumindest das Trojaner-Pärchen
Patroclus von seiner Dichte und Zusammensetzung her eher den Kometen ähnelt.
Kometen sind eine Art locker gepackter "schmutziger Schneebälle" aus Wassereis,
gefrorenen Gasen, Staub und Geröll. Patroclus besteht aus zwei je 122 bzw. 112
Kilometer großen Körpern, die sich in einem Abstand von 680 Kilometern
gegenseitig umkreisen.
Die genaue Vermessung ihrer Bahn erlaubte Marchis und seinem Team nun,
Rückschlüsse auf die Masse und den Aufbau der kleinen Himmelskörper zu ziehen.
Ihre Dichte ist demnach geringer als die von Wasser - typisch für Kometen. Die
Forscher vermuten nun, das Patroclus ursprünglich aus dem Kuiper-Gürtel jenseits
des Planeten Neptun stammt und erst später von Jupiter eingefangen wurde. Bleibt
freilich die Frage, ob Patroclus ein typischer Trojaner ist und dieser Befund
für alle Himmelskörper dieser Region gilt.
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