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Ferne Welten aus Diamant?
von Ulrich Knittel
für
astronews.com
27. April 2005
Bestehen manche Planeten ferner Sonnen teilweise aus reinem Diamant? Ja, meinen
zwei amerikanische Forscher. Erdähnliche ferne Welten könnten nach ihren
Berechnungen tatsächlich aus Kohlenstoffverbindungen aufgebaut sein. Und auch
Jupiters Kern könnte nicht aus Eisen, sondern aus Kohlenstoffverbindungen
bestehen.

Bestehen manche der Riesenplaneten um
ferne Sonnen teilweise aus reinem Diamant?
Hier ein künstlerische
Darstellung des
Systems um Gliese 876.
Bild:
NASA / G. Bacon |
Ausgangspunkt der Überlegung der Forscher ist die Tatsache, dass die Materie,
aus der nach gegenwärtig akzeptierten Vorstellungen die Planeten kondensierten,
reichlich Kohlenstoffverbindungen enthielt. Dies belegen die kohligen Chondrite,
die primitivste Gruppe unter den Meteoriten. Diese enthalten eine Reihe von
Kohlenstoffverbindungen, die zumeist der organischen Chemie zugerechnet werden,
die aber anorganisch entstanden sind.
Dies kann man beispielsweise daran
erkennen, dass bestimmte biologisch entstandene organische Moleküle immer einen
bestimmten Drehsinn haben - etwa rechtsdrehende Milchsäure im Yoghurt -
während solche die anorganisch entstanden sind, beide Drehrichtungen aufweisen.
In manchen Meteoriten finden sich zudem so genannte präsolare Partikel,
Teilchen, die älter sind als das Sonnensystem und sich daher in anderen
Sonnensystemen gebildet haben müssen. Und diese bestehen aus Diamant und
Siliziumcarbid, einer Verbindung von Kohlenstoff und Silizium, die auf Grund
ihrer Härte unter dem Namen Carborundum als Schleifmittel verwendet wird.
Marc Kuchner von der Princeton Universität in New Jersey und Sara Seager von
der Carnegie Institution in Washington spekulierten nun, dass manche
extrasolare Planeten vor allem aus Kohlenstoffverbindungen bestehen könnten - im
Gegensatz zu den terrestrischen Planeten unseres Sonnesystems, die vorzugsweise
aus Silikaten (Silizium-Verbindungen) aufgebaut sind.
Die beiden Wissenschaftler
gingen bei ihren Untersuchungen von Überlegungen aus, die Katharina Lodders an
der Washington Universität in St. Louis anstellte. Danach deutet die
methanreiche Atmosphäre des Jupiter darauf hin, dass dieser Planet keinen Kern
aus Eisen, sondern einen aus Kohlenstoffverbindungen besitzt. Lodders
entwickelte auf dieser Basis ein Modell, demzufolge Kohlenstoffverbindungen im
frühen Sonnensystem in einem Ring um die Sonne kondensierten und sich dort
schließlich zum Kern des Planeten Jupiter zusammenballten.
Kuchner und Seager untersuchten nun, ob sich in anderen Sonnensystemen nicht
nur Gasplaneten, sondern auch terrestrische Planeten aus Kohlenstoffverbindungen
bilden könnten. Die Ergebnisse ihrer Berechnungen waren so ermutigend, dass sie
weitere Überlegungen zur Zusammensetzung solcher Planeten anstellten. Danach
könnte der Kern solcher Kohlenstoff-Planeten aus Siliziumcarbid oder Titancarbid
bestehen.
Dieser Kern wäre mit einer dicken Schale aus Graphit und – sofern die
erreichten Drücke hoch genug sind – aus Diamant umgeben. Die Oberfläche solcher
Planeten würde dann vor allem aus teerartige Kohlenwasserstoffverbindungen
bestehen, die man auch aus den kohligen Chondriten kennt. Und in größerer Tiefe
würde sich dann fast zwangsweise Diamant bilden.
Ganz neu ist die Idee, dass es Riesendiamanten auf anderen Planeten gibt
nicht: Bereits in dem Roman 2061 von A. C. Clarke, spielt ein von Jupiter auf
den Mond Europa geschleuderter Riesendiamant eine entscheidende Rolle. Clarke
bezog die Idee von Marvin Ross, der damals am Lawrence Livermore
Laboratorium arbeitete und ausrechnete, dass sich in den Tiefen der Atmosphären
der Gasgiganten Uranus und Neptun, bedingt durch die dort herrschenden hohen
Drücke und Temperaturen, Diamanten bilden müssten, die auf den
Eisen-Gesteins-Kern der Planeten herabsinken würden. Was Clarke dabei
überraschte war, dass Ross diese Berechnungen nie für die Verhältnisse in der
Jupiteratmosphäre anstellte.
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Ferne Welten - die
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über die Suche nach extrasolaren Planeten und außerirdischem Leben |
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