Zum ersten Mal konnten Astronomen einen gewaltigen Ausbruch im
Röntgenbereich beobachten und zwar genau dort, wo die
Forscher das Zentrum unserer Milchstraße vermuten: Ursache dafür dürfte
wahrscheinlich das supermassereiche Schwarze Loch sein, das gerade Materie
verschlungen hat und somit erstmals "in Aktion" beobachtet wurde.

Der von Chandra beobachtete Röntgenstrahlen-Ausbruch in
Sagittarius A, dem Zentrum der Milchstraße. Foto: NASA /
MIT / F. Baganoff et al. |
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Der Forschergruppe gelang diese seltene Beobachtung mit Hilfe des
Röntgenteleskops Chandra, als sie gerade dabei waren, Sagittarius A* zu
beobachten, eine Quelle intensiver Radiostrahlung, die vermutlich mit dem
zentralen Schwarzen Loch in Verbindung steht. "Dies ist eine sehr schöne
Beobachtung", freut sich Frederick K. Baganoff vom MIT, "denn es ist das erste
Mal, dass wir unser eigenes Schwarzes Loch dabei beobachten können, wie es
Materie verschlingt. Das Signal liegt näher am Ereignishorizont des Schwarzen
Loches unserer Galaxis als alles andere, was wir bisher empfangen haben. Es ist
ganz so, als hätte uns das Material, das gerade verschlungen wird, noch einmal
eine Postkarte gesendet."
In nur wenigen Minuten war Sagittarius A* über 45
Mal heller im Röntgenbereich geworden, bevor das Objekt einige Stunden später
wieder die normale Helligkeit erreichte. Aus dem starken Abfall der Helligkeit
im Röntgenbereich nach Erreichen des Maximums konnten die Astronomen auch die
Größe der Region eingrenzen, aus der das Signal gekommen sein muss: Sie ist nur
rund zwanzig Mal größer als der Ereignishorizont, also jene Grenze eines
Schwarzen Loches, nach deren Überschreiten es keinen Weg zurück gibt. Alles
würde dafür sprechen, dass der Grund für die plötzliche Helligkeitsänderung
Materie ist, die gerade in das Schwarze Loch gefallen ist. Das würde die Theorien
bestätigen, nach denen im Schwarzen Loch im Zentrum unserer Milchstraße ähnliches vor
sich geht wie in anderen aktiven Galaxienkernen und Quasaren.
Aus Auswertungen der Bewegung der Sterne im Zentrum unserer Milchstraße
konnten die Forscher auf die Existenz eines großen dunklen Objektes schließen,
das die Bahnen der Sterne beeinflusst. Dabei dürfte es sich aller
Wahrscheinlichkeit nach um ein supermassereiches Schwarzes Loch handeln mit etwa
der drei Millionenfachen Masse unserer Sonne. Die Quelle Sagittarius A* wird, so
die Theorien, durch in das Schwarze Loch einfallende Materie gespeist.
"Die schnelle Variation in der Intensität der Röntgenstrahlung lässt darauf
schließen, dass das beobachtete Material so nahe am Schwarzen Loch liegt, wie
die Erde von der Sonne entfernt ist", erläutert Gordon Garmire von der Penn
State University. "Das macht Sagittarius A* zu einer enorm wertvollen Quelle
um die Bedingungen in der Nähe eines supermassereichen Schwarzen Loches zu
studieren." Die Energie des Ausbruchs entspricht etwas einem plötzlichen Einfall
von Materie, die etwa der Masse eines Kometen entspricht. Es könnte aber auch
sein, dass der Energieausbruch auf Änderungen magnetischer Feldlinien
zurückzuführen ist - ganz ähnlich den Vorgängen, die für Ausbrüche auf der Sonne
sorgen.
Beide Prozesse wären von Schockwellen begleitet, die wiederum Elektronen auf
nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigen und so für die beobachtete
Röntgenstrahlung sorgen würden. Besonders freuen sich die Forscher, dass es überhaupt
möglich war, diesen Ausbruch im extrem dichten Zentrum unserer Milchstraße
auszumachen. Ohne das Auflösungsvermögen von Chandra wäre das nicht
möglich gewesen.