Es war alles so schon geplant: Ende April soll ein russisches Soyuz-Raumschiff
an die Internationale Raumstation ISS andocken und an Bord sollte, so
zumindest die Idee der russischen Weltraumagentur, Dennis A. Tito sein.
Dieser hatte im letzten Jahr bei der MirCorp einen Aufenthalt auf
der Mir gekauft und war von der niederländischen Firma als erster
Weltraumtourist gefeiert worden. Für viele Millionen Dollar sollte er die
altersschwache Mir besuchen und somit den Startschuss für die
kommerzielle Nutzung der Station geben.
Zwar begann Tito mit seinem Training im russischen Sternenstädtchen
bei Moskau, doch das Schicksal meinte es nicht gut mit seinem Reiseziel:
Russland beschloss, die Mir im Pazifik zu versenken - am Freitag
soll es soweit sein. Die MirCorp schwenkte nun von der
kommerziellen Nutzung der Mir auf die ISS um und buchte Tito für
einen Flug zur ISS. Vorgesehen war ein entsprechender Flug einer Soyuz-Kapsel
Ende April.
Doch da hatten die Russen die Rechnung ohne die NASA gemacht. Als die
zwei russischen Kosmonauten zusammen mit der Ersatzcrew und Dennis Tito
Anfang der Woche zum Training in Houston eintrafen, machten die Amerikaner
deutlich, dass die Kosmonauten sehr wohl mit den Übungen beginnen
könnten, im Falle von Herrn Tito aber noch ein gewisser Klärungsbedarf
bestünde. Zum einen, so die NASA gäbe es noch Versicherungsfragen zu
klären und - weitaus wichtiger - hätte Tito nicht den Trainingsumfang
absolviert, den bisher alle Crewmitglieder an Bord der ISS durchlaufen
hätten. Darüber hinaus sei der Zeitpunkt extrem ungünstig: Die ISS
wäre gerade in einer entscheidenden Bauphase, wo jedes Crewmitglied voll
ausgebildet sein müsste.
Bisher stehen sich Russen und Amerikaner unversöhnlich gegenüber: Die
NASA hat in einer Presseerklärung mitgeteilt, dass ihrer Ansicht nach bis
Ende April nicht genügend Zeit für eine ausreichende Ausbildung Titos
bliebt, die Russen wollen den Vertrag mit Tito erfüllen. Inoffiziell soll
die NASA - die betont, nichts gegen die Kommerzialisierung der ISS zu
haben - einem Soyuz-Flug mit Tito an Bord im Oktober den Vorzug
geben.