Wenn man etwas über weit entfernte Galaxien erfahren möchte,
lohnt es sich zuweilen, ähnliche Objekte in der näheren Umgebung zu
untersuchen. Genau dies machten einige Wissenschaftler mit dem Hubble-Weltraumteleskop:
Die Astronomen untersuchten 37 nahegelegene Galaxien, um herauszufinden,
warum entfernte Galaxien sich oft so deutlich von diesen unterscheiden. Eine
mögliche Antwort: Vielleicht sieht man einfach nicht alles.

Drei
der von Hubble untersuchten nahen Galaxien. Foto: NASA,
Rogier Windhorst (Arizona State University) und das Hubble
mid-UV-Team |
Sehen weit entfernte
Galaxien wirklich so ungewöhnlich aus, wie sie auf manchen Bildern erscheinen,
oder handelt es sich hierbei vielmehr um eine "kosmische Täuschung",
da wir wegen der großen Entfernung nur die hellsten Bestandteile der fernen
Galaxien sehen können. So unwahrscheinlich ist diese Vermutung nicht: Das Licht
von weit entfernten Galaxien ist oft oft Milliarden Jahre unterwegs und wird auf
seinem Weg durch die allgemeine Expansion des Universums quasi gedehnt. Dadurch
verschiebt sich die Wellenlänge des Lichtes beispielsweise vom sichtbaren
Bereich in den Infrarotbereich, wo moderne Instrumente weniger
empfindlich sind. Junge Sterne in den fernen Galaxien hingegen senden
hauptsächlich ultraviolettes Licht aus, was auf dem Weg zur Erde in den
sichtbaren Bereich des Lichtes verschoben wird, so dass man diese Regionen der
Galaxien sehen kann. So könnte man es bei Beobachtungen von entfernten Galaxien mit
einer Art Puzzle zu tun haben, bei dem einige Teile fehlen.
Aber wie sehen nun
die entfernten Galaxien wirklich aus? Um das herauszufinden, schauten sich
Astronomen 37 relativ nahe gelegene Galaxien mit dem Hubble-
Weltraumteleskop an. Und dies taten sie nicht nur im sichtbaren Bereich des
Spektrums sondern auch im ultravioletten Licht, so dass sie die beobachteten
Galaxien mit ihren entfernten Verwandten vergleichen konnten. Das Ergebnis der
Untersuchung stützt die Vermutung, dass man oft nur die "Spitze des
Eisbergs" sieht, wenn man entfernte Galaxien betrachtet und viele dieser
entfernten Objekte gar sich so ungewöhnlich aussehen, wie es auf den ersten
Blick erscheinen.
Drei der untersuchten
Galaxien sind im obigen Bild zusammengestellt. Im Zentrum der Spiralgalaxie
NGC 3310 befinden
sich gleichmäßig verteilt junge und alte Sterne. Wenn das immer der Fall
wäre, hätte man nicht so große Probleme die wahre Form der entfernten
Galaxien zu erkennen. NGC 3310 liegt 46 Millionen Lichtjahre von der Erde
entfernt im Sternbild Großer Bär. ESO 418-008, 56 Millionen Lichtjahre von der
Erde entfernt im südlichen Sternbild Fornax gelegen, ist eine Zwerggalaxie, die
deutlich kleiner ist als unsere Milchstraße. Hier findet man verschiedene
Sternengenerationen an verschiedenen Orten: Die alten Sterne scheinen rötlich
und befinden sich mehr im Zentrum, die jungen blauen Sterne entstehen in den
Spiralarmen.
Das rechte Bild
schließlich zeigt die Galaxien UGC 06471 und UGC 06472. Hier wird man Zeuge
einer galaktischen Kollision. Sie findet in 145 Millionen Lichtjahren
Entfernung im Sternbild Großer Bär statt. Astronomen gehen davon aus, dass solche
Kollisionen im frühen Universum an der Tagesordnung waren und zuweilen für
Galaxien mit recht ungewöhnlichen Aussehen sorgten. Aus dem Ultraviolett-Bild
kann man erkennen, dass es hier große Mengen von Staub geben muss, der von
Sternen stammt, die vor oder während der Kollision entstanden sind. Der Staub
sorgt für eine Rötung des Sternenlichtes. Eine genauere Untersuchung von in unserer
Nähe stattfindenden Kollisionen sollte, so die Hoffnung der Forscher, helfen,
die ungewöhnlichen Formen von Galaxien zu erklären, die man in deutlich
größeren Entfernungen findet.