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RADIOASTRONOMIE
Die Jets von Centaurus A
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie
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20. Mai 2011

Mithilfe eines Netzwerks aus Radioteleskopen ist Astronomen eine spektakuläre Nahaufnahme zweier stark gebündelter Materieströme, sogenannter Jets, gelungen, die aus unmittelbarer Nähe des zentralen Schwarzen Lochs der aktiven Galaxie Centaurus A stammen. Zu erkennen sind Strukturen bis zu einer Größe von nur 0,04 Lichtjahren.

Centaurus A

Die bisher genaueste Aufnahme eines extragalaktischen Jets. Die TANAMI Aufnahme von Centaurus A (oben) stellt eine 1.000-fache Vergrößerung gegenüber dem optischen Bild (unten rechts) dar, dem auch die großskalige Radio- und Röntgenemission überlagert ist. Bild: ESO/WFI (optisch); MPIfR / ESO / APEX / A.Weiss et al. (Radio/Submillimeter); NASA / CXC / CfA / R.Kraft et al. (Röntgen)

Einem internationalen Forscherteam unter Führung der Doktorandin Cornelia Müller von der Universität Erlangen-Nürnberg ist unter Beteiligung von Wissenschaftlern des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie eine spektakuläre Nahaufnahme des uns nächstgelegenen supermassereichen Schwarzen Lochs gelungen. Die Forscher untersuchten das Zentrum der Radiogalaxie Centaurus A in nur zwölf Millionen Lichtjahre Entfernung, die ein Schwarzes Loch mit der 50-Millionenfachen Masse der Sonne beherbergt. Die erhaltenen Daten zeigen zwei entgegengerichtete stark gebündelter Materieströme, die in unmittelbarer Nähe des Schwarzen Lochs auf Geschwindigkeiten nahe der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden.

Die einzigartige Bildqualität gelang durch die erstmalige Einbindung zweier vom Bundesamt für Kartografie und Geodäsie (BKG) betriebener deutscher Radioteleskope in ein interkontinentales Teleskopnetzwerk im Rahmen des TANAMI-Projekts, welches von Prof. Dr. Matthias Kadler von der Universität Würzburg und Prof. Dr. Roopesh Ojha vom Goddard Space Flight Center der NASA geleitet wird. Die Ergebnisse werden im Juni in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Das internationale Forscher-Team beobachtet im Rahmen des TANAMI-Projekts Schwarze Löcher in den Zentren von aktiven Galaxien. Diese Schwarzen Löcher können Millionen- bis sogar Milliardenfach massereicher als unsere Sonne sein. Den Forschern gelang es, in ihrer neuen Aufnahme der Radiogalaxie Centaurus A Strukturen mit einer Größe von nur 0,04 Lichtjahren abzubilden. Das stellt einen neuen Rekord bei der Erforschung extragalaktischer Schwarzer Löcher dar.

Beim Einfall von Materie auf ein Schwarzes Loch wird eine enorme Energiemenge freigesetzt. Gleichzeitig wird ein Teil der einfallenden Materie gebündelt und mit nahezu Lichtgeschwindigkeit wieder aus dem Einflussbereich des Schwarzen Lochs hinauskatapultiert. Aufgrund der starken Wechselwirkung dieser sogenannten Jets mit mit dem umgebenden Gas spielen diese spektakulären Objekte eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Entwicklung von Galaxien im Universum.

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"Um solche aktiven Galaxien und ihre Rolle im Universum verstehen zu können, ist es unerlässlich, die Entstehungsregionen ihrer Jets mit höchstmöglicher Bildschärfe abzubilden." erklärt Müller. Das TANAMI-Team nutzt die Radioteleskope des australischen Long Baseline Array, welche mit weiteren Teleskopen in Südafrika, Chile und der Antarktis zusammengeschaltet werden, um die qualitativ hochwertigsten Aufnahmen der hellsten Jets des Südhimmels zu erstellen.

"Mittels moderner Computermethoden entstehen Bilder mit der Schärfe eines einzigen riesigen Zehntausendmeter-großen Teleskops", erläutert Dr. Hayo Hase vom BKG und ergänzt: "Durch die Beteiligung der beiden deutschen Radioteleskope TIGO in Concepción in Chile und auf der Antarktis-Station O'Higgins konnten wir seit 2008 die Bildqualität und Auflösung für TANAMI extrem steigern".

Die Jets von supermassereichen Schwarzen Löchern senden nicht nur Radiostrahlung aus, sondern auch höchstenergetische Gammastrahlung. "Eine der wichtigsten Fragen der Astrophysik ist, wo diese Gammastrahlung produziert wird. Nur in Centaurus A und nur mit TANAMI erreichen wir derzeit die nötige Bildauflösung, um diese Regionen abbilden zu können", erläutert Kadler aus. Das TANAMI-Team wird mit kontinuierlich fortgeführten Überwachungsmessungen der Radiostruktur und der veränderlichen Gammastrahlung von Centaurus A, dem Ursprung dieser Gammastrahlung und weiteren Rätseln der Schwarzen Löcher auf der Spur bleiben.

"Die Untersuchung aktiver Galaxienkerne und Jets am Südhimmel im Rahmen des TANAMI-Projekts stellt eine hervorragende Ergänzung unserer Forschungsarbeit dar, die sich im Rahmen zahlreicher Beobachtungskampagnen des internatonalen VLBI-Netzwerks von Radioteleskopen bisher überwiegend am Nordhimmel abgespielt hat", sagt Prof. Anton Zensus, Coautor der Veröffentlichung, der als Direktor am Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie die Forschungsabteilung Astronomie/Very-Long-Baseline Interferometrie leitet. "Wir finden aktive Galaxien mit extrem massereichen Schwarzen Löchern im Zentrum sowohl am Nordhimmel als auch am Südhimmel. Aber Centaurus A stellt als nächstgelegene aktive Radiogalaxie in nur zwölf Millionen Lichtjahre Entfernung einen Solitär dar, bei dem wir das zentrale Schwarze Loch so detailliert untersuchen können, wie bei keiner anderen Galaxie."

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Detaillierter Blick auf die Umgebung eines Schwarzen Lochs. Diskutieren Sie mit anderen Lesern im astronews.com Forum.
siehe auch
Fermi: Die Radioblasen von Centaurus A - 6. April 2010
NTT: Eindrucksvoller Blick in Centaurus A - 20. November 2009
APEX: Neuer Blick auf Centaurus A - 26. Januar 2009
Bild des Tages - 14. April 2008: Das Zentrum von Centaurus A
Very Large Telescope: 1000 "wunderbare" Sterne in Centaurus A - 23. Juni 2003
Centaurus A: Hinweis auf gewaltige Kollision - 27. Oktober 1999
Links im WWW
Max-Planck-Institut für Radioastronomie
Fachartikel bei Astronomy & Astrophysics
Preprint des Fachartikels bei astro-ph
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