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ENVISAT
Erste Ergebnisse vom Klimalabor im All
Redaktion
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2. April 2002

Vor einem Monat startete der Umweltsatellit Envisat der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) mit einer Ariane 5-Rakete vom Raumflughafen Kourou aus in Französisch-Guayana ins All. Jetzt hat der Satellit mit einem ersten gründlichen "Gesundheits-Check" der Erde begonnen und konnte schon faszinierende Daten liefern.

Envisat

Der europäische Umweltsatellit Envisat. Bild: ESA/Denmann Production

Im Anschluss an die Entfaltung der Sonnenzellenflügel und der Radar- und Funkantennen wurden die zehn Bordinstrumente eingeschaltet und nacheinander überprüft. Alle zehn funktionieren einwandfrei. Der Satellit liefert planmäßig seine Messdaten über die Atmosphäre, die Ozeane und die Land- und Eismassen und trägt so zu einem besseren Verständnis der die globale Umwelt und den Klimawandel betreffenden Fragen bei.

Envisat wird zudem die Informationen aus den Beobachtungen von ERS1 und ERS2 ergänzen. Diese beiden ESA-Satelliten haben in den vergangenen zehn Jahren wichtige Erkenntnisse über die Auswirkungen der Tätigkeit des Menschen auf die Umwelt vermittelt und Probleme wie das Ozonloch und die zunehmende Umweltverschmutzung in das Bewusstsein der Entscheidungsträger und - über die Medien - der Öffentlichkeit gerückt.

Die anfänglichen Daten von Envisat wurden von der Bodenstation Kiruna in Schweden empfangen und zur Verarbeitung an die ESA-Niederlassung ESRIN sowie an Verarbeitungs- und Archivierungszentren in ganz Europa weitergeleitet. Das Radarinstrument ASAR und das Instrument MERIS haben erste Bilder von Teilen der Antarktis und Westafrikas aufgenommen. Diese Bilder sind von erstaunlich hoher Qualität. Envisat wurde gerade rechtzeitig gestartet, um das dramatische Auseinanderbrechen des Larsen B-Eisschelfs in Antarktika zu beobachten. Der in der ASAR-Aufnahme erkennbare Einsturz des 3250 Quadratkilometer großen Eisschelfs ist das neueste Drama in einer Region der Antarktis, die in den letzten fünfzig Jahren eine außergewöhnliche Erwärmung erfahren hat.

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Im letzten Monat zerbrach die 200 m dicke Eisdecke in kleine Eisberge und Schollen, die als Streifen mittlerer bis starker Radarechos aus dem Gebiet südlich von Seal Nunataks zum Weddellmeer wandern. Dies ist die größte in einer Reihe von Rückzugsbewegungen, die im Eisschelf entlang der antarktischen Halbinsel zu verzeichnen sind und auf die zunehmende Klimaerwärmung in dieser Region zurückgeführt werden. Die durchschnittliche Erwärmung beträgt etwa 0,5 Grad Celsius pro Jahrzehnt und hat spätestens Ende der 40er Jahre eingesetzt.

Die nun mit ENVISAT gewonnenen Daten und die historischen Daten der ERS-Satelliten seit 1992 zeigen den Rückzug von Larsen B und anderer Eisschelfe, der wichtige Hinweise auf den Klimawandel in den Polregionen liefert. Diese Beobachtungen sind für das Verständnis nicht nur der Eisdynamik und der Wechselwirkungen zwischen dem Polareis und dem Klima, sondern auch der weltweiten Meereszirkulation von Bedeutung, da Eisschelfe bei der Produktion von Tiefenwasser eine maßgebliche Rolle spielen.

Von den zehn Instrumenten an Bord von Envisat hat das Abbildende Spektrometer mittlerer Auflösung (MERIS) in den ersten Tagen nach seiner Inbetriebnahme die Konzentration von Phytoplankton und Chlorophyll in der westafrikanischen Region gemessen. Als weitere wichtige Eigenschaft gibt dieses Instrument Auskunft über dynamische Aufwallungsgebiete und ihre Primärproduktion. Diese Informationen erleichtern die Bewirtschaftung der Fischbestände, da solche Aufwallungsgebiete zu den wichtigsten Fischfanggründen gehören. Kommt der Aufwallungsprozeß zum Stillstand, wie dies bereits entlang der peruanischen Küste während des Auftretens von El Niño der Fall war, bricht die gesamte regionale Fischereiwirtschaft zusammen. Eine Klimaänderung wirkt sich auf die Intensität und geographische Lage der Aufwallungsgebiete aus, was für die Wirtschaft und Lebensqualität in den betreffenden Regionen gravierende Folgen hat.

Darüber hinaus trägt MERIS mit Informationen über die Primärproduktion der Weltmeere zu einem besseren Verständnis des Kohlenstoffkreislaufs bei. Dank der Beobachtungskapazität des MERIS-Instruments im Verbund mit dem synergetischen Einsatz der anderen Instrumente an Bord von Envisat können äußerst genaue Messungen der Temperaturen an der Meeresoberfläche angestellt und die Wechselwirkungen zwischen Wind, Temperatur und Phytoplanktonwachstum genauer untersucht werden.

Envisat ist bei einem Gewicht von 8000 kg so groß wie ein Bus und umkreist die Erde auf einer polaren Umlaufbahn in 800 km Höhe. Er führt zehn hochentwickelte Instrumente zur Beobachtung der Erde mit. Der Satellit wird eine große Anzahl von Nutzern mit Datenprodukten für geowissenschaftliche Forschung, die Entwicklung von Pilotanwendungen, öffentliche Dienste und kommerzielle Zwecke versorgen. Mit einer geplanten Betriebsdauer von fünf Jahren ist Envisat der wichtigste Satellit zur Unterstützung der europäischen Initiative für globale Umwelt- und Sicherheitsüberwachung (GMES).

Links im WWW
ENVISAT, Homepage der ESA
siehe auch
Envisat: Europas Klimalabor ist im All - 1. März 2002
Envisat: Start frei für Europas Klimalabor - 28. Februar 2002
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