@ Luzifix:
Da hätte ich nämlich noch den Satz erwartet, dass es eine übergeordnete Moral gibt, die über unser privates Urteil erhaben ist.
Als ich schrieb, dass die katholische Kirche im Lauf ihrer Geschichte moralische Schuld auf sich geladen hat, hatte ich die Grundsätze einer humanistischen Moral vor Augen, die z.T. auch in das Strafrecht eingeflossen sind. Auf diese Grundsätze kann man sich einigen, wobei es auch immer Ausnahmen geben wird, wo diese teilweise außer Kraft gesetzt werden. Beispielsweise ist das Gebot des Nicht-Tötens im Kriegsfall bezüglich des Kriegsgegners außer Kraft, so dass das Töten des Gegners strafrechtlich nicht verfolgt und darüber hinaus u.U. der besonderen Ehrung würdig ist.
Es gibt also keine übergeordnete Moral im Sinne eines quasi-naturgesetzlichen Imperativs, der immer und überall gültig ist. Dennoch ist die Einigung auf einige wenige moralische Normen über viele Kulturen hinweg allgemein als Konsens gültig und ist daher geeignet, als Ausgangspunkt für eine Beurteilung, ob eine Handlung moralisch verwerflich ist oder nicht. Vielleicht kann man darüber hinaus die Goldene Regel heranziehen, um herauszufinden, was moralisch gut und was böse ist. Wenn ich aus meiner Ego-Perspektive erwarte, dass meine Persönlichkeit unversehrt bleibt und das auf alle anderen Menschen übertrage, dann ergibt sich für mein Handeln, dass ich alles unterlasse, was die Unversehrtheit der Personen beeinträchtigen könnte, die meinem Handeln ausgesetzt sind. Ebenso erwarte ich vom Handeln der anderen Personen, dass sie mir gegenüber ebenso verfahren.
Ergänze ich diese Überlegung noch mit Kants kategorischem Imperativ, nach dem die Maxime meines Wollens Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein kann (der ich selbst dann ebenso unterworfen wäre, muss man noch hinzufügen!), dann wird, denke ich, klar, was ich mit humanistischen Moralgrundsätzen meine. Und vor diesen Moralgrundsätzen lassen sich sowohl katholische Missetäter wie auch kommunistische als böse und moralisch verwerflich beurteilen. Ebenso aber lassen sich vor denselben Moralgrundsätzen sowohl katholische als auch kommunistische Wohltäter als gut und moralisch verdienstvoll beurteilen. Wie MAC bereits ausgeführt hat, gibt es in beiden Ideologie-Vereinen sone und solche, die aus dem Glauben an die Richtigkeit ihrer ideologischen Grundsätze heraus sowohl moralisch gut als auch moralisch böse gehandelt haben. Für die moralische Richtigkeit des Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus z.B. ist es unerheblich, ob die Maxime des Wollens aus katholischen oder kommunistischen Glaubenssätzen gespeist wurde. Gemessen wird die moralische Richtigkeit des Widerstandes an der - bezogen auf humanistische Moralgrundsätze - moralischen Verwerflichkeit der nationalsozialistischen Herrschaftspraxis, die sich aus einer moralisch verwerflichen Ideologie speiste.
Monod
Geändert von Monod (14.12.2011 um 14:49 Uhr)
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Das Universum trug weder das Leben, noch trug die Biosphäre den Menschen in sich. Wenn er diese Botschaft in ihrer vollen Bedeutung aufnimmt, dann muss der Mensch endlich aus seinem tausendjährigen Traum erwachen und seine totale Verlassenheit, seine radikale Fremdheit erkennen. Nicht nur sein Los, auch seine Pflicht steht nirgendwo geschrieben. Es ist an ihm, zwischen dem Reich und der Finsternis zu wählen.
Jacques Monod - Zufall und Notwendigkeit
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