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Thema: Da fliegt er davon, der Atommüll

  1. #11
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    Zitat Zitat von jonas Beitrag anzeigen
    Vielleicht waren in den global 12.000 t nur die Abfälle selbst gemeint und sie enthielten nicht das Gewicht des Materials, in dem sie eingschlossen sind, also Glaseinschluß, Fässer und Castoren.
    Hallo jonas,

    mit den 12.000 t sind ganz gewiss nur die 'Abfälle' selbst gemeint.
    Genauer ist es die pro Jahr weltweit anfallende Menge an Schwermetall (Uran und Plutonium) in den ausgedienten Brennelementen:

    Storage and Disposal of Spent Fuel and High Level Radioactive Waste (IAEA)

    Daraus folgendes Zitat:

    From today’s 441 operating nuclear power plants in 30 countries, over 10 000 metric tons of heavy metal (tHM) are unloaded each year, with annual discharges projected to increase to ~11 500 tHM by 2010. Since less than one third is reprocessed, an additional 8 000 tHM/year, on average, will need to be placed in storage facilities.
    ...
    The total amount of spent fuel generated worldwide in the 52-year history of civilian nuclear power is over 276 000 tHM, of which roughly one third has been reprocessed, leaving around 190 000 tHM of spent fuel, mostly in wet storage pools but with an increasing amount in dry storage.


    Bei Wiederaufarbeitung des ausgedienten Kernbrennstoffs ist die anfallende Menge an hoch radioaktivem Abfall (Spaltprodukte) gering, denn nur ca. 4% des Brennstoffs sind Spaltprodukte. Für einen LWR mit 1000 MW(e) sind es ca. 3 m^3 verglaste Spaltprodukte pro Jahr.

    Gruss
    hardy

  2. #12
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    Huhu
    bevor man sich hier wieder im Detail verstrickt... die Masse des anfallenden Abfalls ist bis auf gewisse Obergrenzen irrelevant.
    Ich habe da tatsächlich einen sehr wichtigen Punkt vergessen: Die Finanzierung. Die Masse des anfallenden Mülls ist nur ein Multiplikator der Kosten, nicht jedoch ein genereller Faktor.
    Wenn ich mich selbst zitieren darf:
    Zitat Zitat von Hirschi Beitrag anzeigen
    5.1. der Müll
    die Gefahr besteht, dass wir Stoffe vernichten würden, die wir eventuell in 100, 500 oder 1000 Jahren dringend brauchen würden. ...
    Das wäre wohl das größere Problem. Der Rest ist nur ein Finanzierungsproblem. Allerdings ein globales. Es kann doch niemand ernsthaft befürworten, dass die bisherige Lagerung am AKW oder in so Sauhaufen wie Asse und (etwas geordneter) Gorleben die Antwort sei?!
    Ich möchte gar nicht wissen, wie es in Nordkorea oder im Iran aussieht mit der Lagerung. Indien und Pakistan scheinen mir auch im Bezug auf "globale Verantwortung" zumindest schwerhörig zu sein.
    Wenn man der IAEA folgt, sind wohl auch im dunkeln leuchtende Wecker radioaktiver Müll. Vielleicht sollte man da mal auf dem Boden bleiben. Mir ging es nur darum, den Rest in Richtung Sonne zu entsorgen, der nach heutigem Stand der vorrausschauenden Wissenschaft
    1. nicht in mittelferner Zukunft (<1000 Jahre)
    2. überhaupt nicht
    zu entsorgen ist.
    Diesr Müll, der uns nicht nutzt sondern wahrscheinlich eher schadet, der muss weg. Dabei ist es irrelevant, was das kostet und wer die Kosten trägt.
    1. Kosten sind grundsätzlich mit dem Nutzen in Relation zu setzen.
    2. Gehts hier eher um Aufwand/Ertrag und der Ertrag ist schwer meßbar.
    3. Hab ich diese Kosten/Nutzen und Aufwand/Ertrag Scheiße zwar studiert, aber trotzdem führt sie uns nur dahin wo wir uns jetzt befinden. Ertrag hoch wenn keine Verantwortung für Restmüll.
    Ich schau hier eher mal auf die globale Verantwortung, die in keiner BWL und VWL erscheint und wenn, nur am Rande.
    Genug gezetert:
    12kt Abfälle sind sicher etwas zu hoch gegriffen. Abfall ist ja laut IAEA ja mal vornehmlich alles, was schonmal für irgendeinen Prozess verwendet wurde. Egal, ob es nochmal verwendbar ist.
    @ Hardy
    Da haben wir ja den Experten Danke Dir für die Teilnahme hier.
    Da wir nun nicht 2x am Tag einen Castor in den Nachrichten haben sondern eher so alle 2 Jahre, was denkst Du, fällt an radioaktiven Abfällen an pro Jahr in D?
    2. Möchte ich mit meiner Idee des "Weg damit Richtung Sonne" natürlich keine eventuellen zukünftigen Ressourcen angreifen. Was ist eigentlich ein nicht mehr verwertbarer Atommüll (unabhängig von unserer Technologie, vll auch mal rumspinnen )

    Ich möchte zum Schluss noch einmal betonen... ich bin ein Anhänger der Kernenergie, sie ist sehr sauber und äußerst effizient. Allerdings hat sie etwas gefährlicheren (was ich mittlerweile etwas anzweifle) und langlebigeren Müll als die bisherige Gewinnung der Energie aus der Verbrennung. Ja, auch ich weiß, dass es Gezeiten- und Solarkraftwerke etc. gibt. Sollte es da mal Quantensprünge geben, die Aufwand und Nutzen in ein erträgliches Verhältnis bringen ... ich bin sofort Anhänger.
    Für mein physikalisches Verständnis sind jedoch die Kernspaltung bzw -fusion (wenn ausgereift) die Energiebringer schlechthin.

    So far
    Hirschi

  3. #13
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    Ach, apropos Kernfusion; deren Aussichten haben sich verschlechtert:

    Nachdem man jahrzehntelang davon sprach, man wolle in 50 Jahren ans Netz gehen, hörte ich kürzlich den Satz, in 60 Jahren werden wir wohl soweit sein.

  4. #14
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    Zitat Zitat von Hirschi Beitrag anzeigen
    Man nehme den Atommüll, schnalle ihn auf ein geeignetes Gerät welches Fluchtgeschwindigkeit erzielt (im Volksmund Rakete) und schicke dieses Gerät Richtung Sonne.
    Auch Staaten wie China, Indien, Pakistan, Israel, Iran und Nordkorea verfügen über ein Kernwaffenprogramm.
    Möglicherweise arbeiten diese Staaten bereits an einem passenden Raketenprojekt.

  5. #15
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    Hallo Hirschi,

    1. vom Öl dürfte fast alles verbrannt werden nicht nur 25%.

    2. Die Sea-Dragon würde ich eher als Wunschtraum einordnen. Und selbst bei einem tatsächlichen Bau trenten eigentlich immer unvorhergesehen Schwirigkeiten auf, die die Kosten in die Höhe treiben. Das Space Shuttle wurde Anfang der 70er? mit ca 60 Flügen pro Jahr, deutlich mehr Nutzlast, und 10 Millionen $ Kosten pro Flug geplant. Hätte man es nicht gebaut, könnte man heute sagen was für ein tolles Gefährt schon damals geplant war und dann aus .... Gründen nicht gebaut wurde. Doch ein Space Shuttlestart kostet (mit Fixkosten) nun über 1 Millarde $.

    3. Sonne: Die Sonne ist der wohl am schwierigsten zu erreichende Körper des Sonnensystems. Direkt so wie du Vorschlägst brauchst du deltaV=29km/s. Einfacher wäre ein Umweg weit hinter Pluto.
    Zitat:"Ja, wohin denn sonst?"
    Der Mond wäre einfacher. Noch sehr viel einfacher, billiger und ungefährlicher wäre ihn tief genug zu vergraben.
    Ich empfehle die Grundlagen der Raumfahrt:
    http://www.bernd-leitenberger.de/gru...aumfahrt.shtml

    4. Ich schätze jetzt einfach mal die Anzahl der (unnötigen) Toten durch Strahlung auf einige 100000 pro Jahr durch Unfälle, ca. 1-3% werden beim Wiedereintritt in die Atmosphäre gelangen, und die Kosten auf 1 Billion $ (10^12 $) pro Jahr im Falle des Mondes als Ziel und auf 1 Billiarde $ (10^15 $) pro Jahr im Falle der Sonne (mit deinem Flugplan, ca. 7-stufig jeweils wenige kg Nutzlast) als Ziel.

    5. Eine Endlagerung im Untergrund dürfte auch auf lange Sicht nur ein hundertstel der Toten und der Kosten (vergleich Mond) verursachen. Das ist weniger als bei den meisten anderen benutzen Enegiequellen wie z.B. Photovoltaik, Erdgas, Erdöl, Kohle oder gar Biomasse.

    @Jonas:
    Strom kostet (ohne Netzkosten) im Mittel etwa 6cent/kWh an der Strombörse, nicht 18 cent.
    Anteile der Energieformen an der Stromerzeugung verschiedener Länder im Zeitverlauf gibt es hier
    http://www.iea.org/stats/graphsearch.asp?m=country

    Im Jahr 2006 war in OECD Europa die Stromerzeugung 3530TWh davon 978TWh (28%) Nuclear aus 117GW Kapazität.
    Im Jahr 2006 war in der EU die Stromerzeugung 3316TWh davon 990TWh (30%) Nuclear aus 118GW Kapazität.
    Quelle: World Energy Outlook 2008
    http://www.worldenergyoutlook.org/2008.asp

    Grüße UMa

  6. #16
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    Zitat Zitat von Hirschi Beitrag anzeigen
    @ Hardy
    ... was denkst Du, fällt an radioaktiven Abfällen an pro Jahr in D?
    Das weiss das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) (Rubrik: Endlager) recht gut.
    Ich konzentriere mich mal auf die BfS-Daten/Prognosen für die abgebrannten Brennelemente:

    "Beim Betrieb der zurzeit laufenden 17 Kernkraftwerke fallen pro Jahr abgebrannte Brennelemente mit ca. 370 Tonnen Schwermetall (t SM) an."

    "Auf der Grundlage des Atomgesetzes (Laufzeit 32 Jahre) wird noch ein Anfall von 4.800 t SM nach dem 01.01.2009 erwartet. Bis zum Ende der Kernenergienutzung in Deutschland werden insgesamt 17.400 t SM abgebrannter Brennelemente erwartet, wovon ca. 10.600 t SM direkt endgelagert werden sollen. Das Volumen dieser Abfälle wird mit 21.000 m^3 abgeschätzt. Bei Laufzeitverlängerungen würde sich die Menge der noch anfallenden zusätzlichen abgebrannten Brennelemente ... deutlich erhöhen."

    12 Jahre Laufzeitverlängerung ergeben zusätzlich 4'440 t SM.

    Gruss
    hardy

  7. #17
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    Zitat Zitat von UMa Beitrag anzeigen
    Hallo Hirschi,
    3. Sonne: Die Sonne ist der wohl am schwierigsten zu erreichende Körper des Sonnensystems. Direkt so wie du Vorschlägst brauchst du deltaV=29km/s. Einfacher wäre ein Umweg weit hinter Pluto.
    Zitat:"Ja, wohin denn sonst?"
    Der Mond wäre einfacher. Noch sehr viel einfacher, billiger und ungefährlicher wäre ihn tief genug zu vergraben.
    Ich empfehle die Grundlagen der Raumfahrt:
    http://www.bernd-leitenberger.de/gru...aumfahrt.shtml
    Das mit dem Vergraben wäre doch eine tolle Idee, wenn man ihn wirklich in vielen tausend Jahren nicht mehr haben will, sollte man den Atommüll doch "einfach" in eine Subduktionszone der Erdplatten vergraben. Müsste man halt nur mal suchen ob es geeignete Stellen gäbe.

    Aber ist es vielleicht nicht sogar schlimmer diese Materialien endgültig für die Zukunft zu vernichten/ zu verstecken? Wer weiß wofür man das in 5000 Jahren brauchen könnte.

    Und wer weiß wie sich der menschliche Organismus an erhöhte Strahlung gewöhnen könnte... die Tiere können das ja scheinbar. Siehe z.B. das Gebiet um Tschornobyl, da leben Tierarten, die sonst fast aussterben, denn für die Natur ist nicht die Strahlung das tödlichste, sondern im Moment der Mensch.

    4. Ich schätze jetzt einfach mal die Anzahl der (unnötigen) Toten durch Strahlung auf einige 100000 pro Jahr durch Unfälle, ca. 1-3% werden beim Wiedereintritt in die Atmosphäre gelangen, und die Kosten auf 1 Billion $ (10^12 $) pro Jahr im Falle des Mondes als Ziel und auf 1 Billiarde $ (10^15 $) pro Jahr im Falle der Sonne (mit deinem Flugplan, ca. 7-stufig jeweils wenige kg Nutzlast) als Ziel.

    5. Eine Endlagerung im Untergrund dürfte auch auf lange Sicht nur ein hundertstel der Toten und der Kosten (vergleich Mond) verursachen. Das ist weniger als bei den meisten anderen benutzen Enegiequellen wie z.B. Photovoltaik, Erdgas, Erdöl, Kohle oder gar Biomasse.
    Das schlimmes ist halt nur, dass die Kernkraft (Atomkraft wird es ja nur genannt, wenn jemand es negativ Darstellen will) so ein politisches Thema geworden ist, und da es da um bessere Wahlergebnisse geht, wird das Thema eben als "das große Böse" verkauft, was schon immer gut als Meinungsbildung der Massen funktioniert hat.
    Suche etwas ganz böses, erzähle jedem, du kannst sie davor "retten" und schon ist man der Held Ob es wirklich so böse ist, ist ja egal.

  8. #18
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    Zitat Zitat von Alex0815
    wenn man ihn wirklich in vielen tausend Jahren nicht mehr haben will, sollte man den Atommüll doch "einfach" in eine Subduktionszone der Erdplatten vergraben.
    Naja, das Dumme ist halt, daß die subduzierte Platte dort an den Vulkanen postwendend wieder rausspritzt Zumindest zum Teil.

    Zitat Zitat von Alex0815
    Aber ist es vielleicht nicht sogar schlimmer diese Materialien endgültig für die Zukunft zu vernichten/ zu verstecken? Wer weiß wofür man das in 5000 Jahren brauchen könnte.
    Diese Diskusion, ob das heute als Müll betrachtete Material für künftige Generationen zugänglich gehalten werden soll oder nicht, wird glaube ich immer noch geführt.

    Zitat Zitat von Alex0815
    Und wer weiß wie sich der menschliche Organismus an erhöhte Strahlung gewöhnen könnte... die Tiere können das ja scheinbar. Siehe z.B. das Gebiet um Tschornobyl, da leben Tierarten, die sonst fast aussterben, denn für die Natur ist nicht die Strahlung das tödlichste, sondern im Moment der Mensch.
    Ob in Tschernobyl die Tiere wirklich so gut mit der Radioaktivität zurecht kommen, darüber gibt es keine Untersuchung. Es ist zwar richtig, daß dort das Leben ähnlich wie in einem Naturschutzgebiet in Ruhe gelassen wird. Aber es gibt keine Untersuchungen über Krankheiten, Fehlgeburten oder Missbildungen der Tiere. Man kann also überhaupt nichts darüber sagen, ob sich die dortige Fauna an die Radioaktivität "gewöhnt" hat.
    Much more attention has been paid to carbon organic chemistry than to silicon organic chemistry, largely because most biochemists we know are of the carbon, rather than the silicon, variety (Carl Sagan)

  9. #19
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    Das heißt, in Tschernobil läuft eine Art spezielle Evolution ab, bei dem die Strahlungsressistenteren Tiere einen großen Vorteil haben....

    Die werden in Zukunft dann den Planeten beherrschen nach dem Hyper-Gau

  10. #20
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    Das heißt, in Tschernobil läuft eine Art spezielle Evolution ab, bei dem die Strahlungsressistenteren Tiere einen großen Vorteil haben....
    Das heißt es nicht, denn es ist ja kein geschlossenes Gebiet. Es kann durchaus sein, daß die Tiere dort alle nach 20-30% ihrer normalen Lebenserwartung sterben und dass das Ökosystem durch Zuwanderung von außen stets nachgefüllt wird, sodass es nur so aussieht, als ob es sich normalisiert hat.
    Much more attention has been paid to carbon organic chemistry than to silicon organic chemistry, largely because most biochemists we know are of the carbon, rather than the silicon, variety (Carl Sagan)

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