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Thema: Brauchen wir die Kernenergie?

  1. #41
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    Hallo galileo

    Zitat Zitat von galileo2609 Beitrag anzeigen
    die von dir zuletzt zitierten Beiträge hat Martin geschrieben, nicht hardy.
    Upps, werde ich gleich ändern.

    Zitat Zitat von galileo2609 Beitrag anzeigen
    Weiter melde ich Bedenken gegen die Verlinkung von zeit-fragen an. Das ist das Publikationsorgan der Schweizer Politsekte VPM. Wenn du vielleicht einen anderen Link zum Autor hättest, würde ich das begrüssen.
    Hmm, wirklich seriöse Links finde ich dazu nicht.

    Hier werden Angaben zur Entsorgung von "toxic waste" (womit wohl eher Chemieabfälle gemeint sind) in Nigeria gemacht:
    http://www1.american.edu/projects/ma...ED/nigeria.htm

    Vielleicht hat zeit-fragen "toxic, pharmaceutica und industrial waste" fälschlicherweise als Atommüll übersetzt?

    Under the contract, Guinea-Bissau would receive up to 500,000 tons of pharmaceutical and industrial waste from Switzerland at a price of $40 per ton."
    Explizit von radioaktiven Abfällen wird in dem Dokument jedenfalls nicht gesprochen.

    PS: Eine Google Suche nach "Giftmüll Afrika" liefert viele seriöse Links.
    Dagegen findet eine Suche nach "Atommüll Afrika" haufenweise ideologisch vorbelastete Seiten.

    Von daher gehe ich jetzt davon aus, das die Angaben auf "zeit-fragen" komplett falsch sind und die einfach Giftmüll mit Atommüll gleichgesetzt haben.

    Gruß Helmut
    Geändert von Aragorn (17.09.2009 um 22:02 Uhr)

  2. #42
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    Zitat Zitat von Aragorn Beitrag anzeigen
    Kein Wunder dass das Paul Scherrer Institut keine Probleme der Entsorgungsfrage sieht: Ab nach Afrika und Rußland damit und weg ist der schweizer Atommüll.
    Hättest du dich besser informiert, Aragorn, dann wüsstest du,

    - dass die Gesetze der Schweiz den Export von Atommüll verbieten,

    - dass der schweizerische Atommüll und abgebrannte Brennelemente im Zentralen Zwischenlager Würenlingen (neben dem Paul Scherrer Institut) in CASTOR-ähnlichen Behältern zwischengelagert werden,

    - dass die Fertigung von Brennelementen in Russland (für zwei schweizerische KKW) nichts zu tun hat mit dem Export von Atommüll.

    Dem User ispom wirft man hier vor, sich 'jenseits jeder Diskussionskultur' zu bewegen.
    Aber einige deiner Formulierungen, Aragorn, sind ebenfalls auf diesem Niveau.

    meint
    hardy

  3. #43
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    Hast du dich inzwischen besser informiert und verstanden warum Blockheizkraftwerke eine negative CO2-Bilanz haben?

  4. #44
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    Zitat Zitat von galileo2609 Beitrag anzeigen
    Das Thema Kernenergie hat für mich auch noch einen übergeordneten Aspekt. Neben der Photovoltaik ist die Kernspaltung das einzige Prinzip bisher realisierter Energieerzeugung, die über das chemische Verbrennen von Energieträgern hinausgeht (auch wenn in KKW letztlich auch nur Wasser gekocht wird).
    Das sehe ich ebenso, galileo.

    Sowohl Photovoltaik als auch Kernspaltung sind Energieerzeugungsarten, die auf physikalischen Kenntnissen der modernen Physik basieren (Einstein 1905, Hahn et al. 1938). Allerdings, während sich die Energiefreisetzungen der Photovoltaik - wie auch der chemischen Verbrennungen - im Bereich von Elektronenvolt (eV) bewegen (Bindungsenergien elektrostatischer Kräfte), sind die Energiefreisetzungen durch Kernspaltung wegen der Stärke der Kernkräfte um einen Faktor 10^6 grösser.

    Mit der zur Disposition stehenden Kernenergie in Deutschland steht und fällt meiner Ansicht nach damit auch eine (gross)technische Anwendung moderner Physik.
    ...
    Entscheidet das politische Schicksal der Kernenergie auch ein wenig über unsere zukünftigen Entwicklungsperspektiven im Allgemeinen? Was trauen wir uns noch zu?
    Ich meine, dass Deutschland mit seiner am Ausstieg aus der Kernspaltungsenergie orientierten Politik auch forschungsmässig ins Abseits driftet.

    Nicht nur, dass Kernspaltungsreaktoren der 4. Generation entwickelt werden: Auch andere Optionen der Kernenergienutzung wie die Kernfusion werden international forciert (Beispiel: Projekt ITER). Dabei ist das Verhalten von Materialien unter Neutronenbestrahlung von wesentlicher Bedeutung. Erfahrungen aus der Kernspaltungsenergetik sind hier willkommen.

    Der Ausstieg aus der Kernspaltungsenergetik bedeutet für mich, dass D eine entwicklungsfähige Technologie aufgibt.

    Gruss
    hardy

  5. #45
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    Zitat Zitat von Aragorn Beitrag anzeigen
    * Harrisburg war ja auch so furchtbar unsicher. Bei uns ist alles viel besser.
    War er nicht, der passive Schutz des Reaktors hat funktioniert wie er sollte. Waere natuerlich besser gewesen wenn es gar nicht zu dem Vorfall gekommen waere, aber: In Harrisburg gab es eine teilweise Kernschmelze! und trotzdem ging dort die Welt nicht unter.

    Zitat Zitat von Aragorn Beitrag anzeigen
    Die Halbwertszeiten einiger Nuklide:

    U-235 - 4510000000 Jahre
    Cs-137 - 30000 Jahre
    Pb-210 - 22000 Jahre
    Kr-85 - 10600 Jahre
    Co-60 - 5300 Jahre
    Pu-236 - 2700 Jahre
    Na-22 - 2600 Jahre

    Po-210 - 138,4 Tage
    Ra-214 - 2,6 Sekunden

    Wieso sollte es da nicht von großem Vorteil sein die langlebigen in kurzlebige Nuklide umzuwandeln?
    Dann braucht man wenigstens die Endlagerstätte nicht Milliarden von Jahren überwachen?
    Ueberpuefe Deine Quellen nochmal: U-235 hat eine HWZ von grob 700 Mio a, U238 von 4,5 Mrd a. Co-60 hat eine HWZ von etwa 6 a.
    Die langlebigen Uranisotope auffuehren und ohnehin nicht sehr sinnreich, mit den hast Du taeglich ganz ohne Kernenergie ohnehin Kontakt. Der durchschnittliche Anteil von Uran in der Erdkruste liegt bei 2 - 4 g/t. In Graniten kann das deutlich mehr sein (einige 10er g/t), ebenso in kohlenstoffreichen Gesteinen wie Kohle oder Schwarzschiefer (die in Thueringen bis 60 g/t), marine Phosphate (ebenfalls mehrere 10er g/t), Meerwasser hat immerhin noch 3 mg/t, das sind 3 t pro Kubikkilometer. Dazu kommt noch K-40 (HWZ 1,2 Mrd a), Thorium-232 (Krustenschnitt 13 g/t), C-14 und einige mehr. Im boehmischen Massiv stand ich mal auf einen Ausbiss von einem Syenit (das ist sowas wie quarzarmer Granit), der hatte 300 g/t Uran und 1000 g/t Th. Das ist fast schon Uranerz.
    Und wenn wir bei eben jenen sind: Naechste Woche bin ich wieder mal auf Olympic Dam zu Besuch, 8,4 Mrd Tonnen Erz mit 0.8 % Cu, 280 g/t U3O8 + Au und Ag. Dieser Erzkoerper ist 1,58 Mrd Jahre alt, und immer noch da samt Uran. Und das obwohl vor 700 Ma Jahren Gletscher druebergefahren sind. Es gibt einige die bedeutend aelter sind, wie Witwatersrand oder Elliot Lake. Wir sprechen bei der Endlagerung von einem Zeitraum von max. 1Mio Jahren, das ist kein Zeitraum. Schoenes Beispiel ist auch die Lagerstaette Oklo in Gabun, Afrika. Dort waren vor rund 2 Mrd Jahren natuerliche Kernreaktoren in Betrieb, inklusive der Produktion von 1 t Plutonium. Die Spaltprodukte sind heute natuerlich alle zu nichtradioaktiven Isotopen zerfallen, aber diese lassen sich alle den urpsruenglichen Spaltprodukten zuorden. Das heisst man hat hier die Gelegenheit das verhalten von "Atommuell" in der Geosphaere unter voellig unkontrollierten Bedingungen zu studieren. Ergebnis ist das die es kaum eine Umlagerung von Stoffen kam, der groesste Teil ist noch an Ort und Stelle, wie gesagt unkontrolliert.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Uranmunition
    Das starke Interesse der Chinesen an der Atomenergie könnte ergo auch etwas mit den Wünschen der dortigen Militärs zu tun haben.
    Unwahrscheinlich, den die Chinesen haben bereits ein starkes nukleares Ruestungsprogramm, das heisst die haben alles was man fuer die Fertigung von Kernwaffen in Serie braucht und machen es auch. Es gibt zwischen der militaerischen und zivilen Nutzung auch kaum Ueberschneidungen, unterschiedliche Anforderungen.

    Zitat Zitat von Aragorn Beitrag anzeigen
    Nunja, von kleineren Mengen die nach Russland flogen abgesehen, trifft das wohl tatsächlich zu:
    http://de.wikinews.org/wiki/Atomm%C3...nd_ausgeflogen
    Das ist kein Muell, sondern unbestrahlter Brennstoff. Dieser wurde zu DDR-Zeiten von der UdSSR geliefert zur Verwendung im Forschungsreaktor Rossendorf, dann aber dort nicht eingesetzt. Es ist also ein Wertstoff der in abereicherter Form in normalen Kernkraftwerken Verwendung finden wird.

    Was waermeentwickelnden Abfall angeht, so hatte die DDR und die UdSSR ein Abkommen, dass die UdSSR alle bestrahlten Brennelemente aus DDR-Kernkrfatwerken wieder zuruecknimmt und die DDR nur fuer den nicht-waermeentwickelnden Muell (also schwach- und mittelaktiv) verantwortlich ist. Das fuehrte dann sogar zu dem Problem, das als man im ERA Morsleben dennoch Versuche mit hochaktiven Muell durchfuehren wollte, keiner beschafft werden konnte. Die Sowjetunion weigerte sich Proben zur Verfuegung zu stellen. Also ging man zur DDR-Wasserwirtschaft und bekam von dort Co-60 Strahlungsquellen aus Trinkwasserbrunnen (zum abtoeten von Keimen).

    Martin

  6. #46
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    Yo,

    das betrifft ganz aktuell das Thorium-Thema aus dem Marsbesidelungsthread, damit der aber nicht noch weiter Off-Topic abdriftet parke ich das mal hier.

    http://www.world-nuclear-news.org/NP...a_1709091.html

    Indien moechte nun zum nuklearen Technologieexporteur aufsteigen. Das Land arbeitet intenisiv an einem Thoriumkreislauf, das es ueber grosse Reserven dieses Metalls verfuegt (vor allem in Strandseifenlagerstaetten), aber nur kleinere Uranvorkommen besitzt.
    Geplant ist ein Dreistufenprogramm: In der ersten Phase produzieren Schwer- und Leichtwasserreaktoren Plutonium. In der zweiten Phase werden unmoderierte Brutreaktoren dieses Plutonium verbrennen und U-233 aus Th-232 erzeugen. In Phase drei werden sogenannte AHWR Reaktoren das U-233 aus Phase zwei mit Pu verbrennen mit weiterem Th im Reaktor. Dabei sollen 2/3 der Energie aus dem aus Thorium erzeugten Uran stammen.

    Der letzte Reaktortyp soll nun als Exportvariante vermarktet werden, allerdings mit auf 20% U235 angereichertem Uran anstelle von Plutonium. Die Einheiten sollen 300 MWe produzerien, auf 100 Jahre Betriebsdauer ausgelegt sein sowie inherent sicher sein. Damit sollen sie vor allem fuer Schwellen- und Entwicklungslaender interessant werden.

    Mal sehen was am Ende rauskommt.

  7. #47
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    Hallo Martin,

    danke für deine hilfreichen Antworten.
    Sieht so aus als sei ich da ein paar Irrtümern aufgesessen.

    Gruß Helmut

  8. #48
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    Hallo Martin,

    darf ich noch ein paar Fragen als Laie an den Experten stellen?

    Zitat Zitat von Martin
    War er nicht, der passive Schutz des Reaktors hat funktioniert wie er sollte. Waere natuerlich besser gewesen wenn es gar nicht zu dem Vorfall gekommen waere, aber: In Harrisburg gab es eine teilweise Kernschmelze! und trotzdem ging dort die Welt nicht unter.
    Führt eine Wasserstoffexplosion innerhalb des Druckbehälters heutiger Reaktoren nicht mehr zu dessen Zerstörung und das des Containments?
    Sind die Notkühlmassnahmen soweit verbessert worden, das keine so hohen Temperaturen mehr entstehen können, um Wasserstoff im Druckbehälter zu erhalten?
    Ist das Fundament aller heutigen deutschen Reaktoren in der Lage die Abklingphase nach einer Kernschmelze sicher zu überstehen (um das Eindringen des Kerns ins Grundwasser und einer dann evtl. auftretenden gigantischen Wasserstoffexplosion zu verhindern)?

    http://wissen.spiegel.de/wissen/imag...df&thumb=false

    Zitat Zitat von Martin
    Die langlebigen Uranisotope auffuehren und ohnehin nicht sehr sinnreich, mit den hast Du taeglich ganz ohne Kernenergie ohnehin Kontakt. Der durchschnittliche Anteil von Uran in der Erdkruste liegt bei 2 - 4 g/t.
    Ok das leuchtet mir ein. Das eine natürliche Radioaktivität immer vorhanden ist und grundsätzlich die Strahlenbelastung immer relativ zu dieser verglichen werden sollte, wird leider häufig (so wie von mir zuvor) vergessen.
    Ab welcher Strahlenbelastung gilt radioaktiver Müll eigentlich als Atommüll der nicht mehr in Bauschuttdeponien gelagert werden darf?
    In Bezug auf den Abriß von Atomkraftwerken werden meist so etwa 1% der Baumasse (nur einige tausend Tonnen) als so radioaktiv angegeben, daß sie in Endlagern untergebracht werden müssen.
    Dann erscheinen manche Angaben zur Abfallmenge (auf einigen dubiosen Seiten werden sogar mehrere Millionen Tonnen Atommüll genannt) illusorisch. Soviel endzulagernder Müll kann dann doch niemals angefallen sein?

    Gruß Helmut

  9. #49
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    Daumen hoch

    Hallo Hardy und Martin,
    danke für eure sachlichen Beiträge, die mich als ineressierten Laien in der Auffassung bestärken, daß die Kernenergie aus Fission weltweit technisch weiterentwickelt wird und noch sehr lange als Brückentechnologie zwischen Kohle und Öl und der Kernfusion dient.
    Grüße von Ispom

  10. #50
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    Zitat Zitat von ispom Beitrag anzeigen
    und noch sehr lange als Brückentechnologie zwischen Kohle und Öl und der Kernfusion dient.
    Als 'Brückentechnologie' werden die KKW, zumindest in Deutschland, nur bis zur Übernahme der Grundlast durch erneuerbare Energien gehandelt. Die Kernfusion spielt angesichts ihrer völlig unberechenbaren Zeitschiene als Option auf die nähere und mittlere Zukunft keine realistische Rolle.

    Der Post-Kyoto-Prozess wird sicherlich nicht auf die Realisierung der Kernfusion warten, bei der Verfeuerung von Kohle und Öl verharren und sich damit begnügen, ob eine extensive Ausweitung der Fissionsenergie gesellschaftlich durchsetzbar ist. Da sind zum Glück alle Beteiligten ein wenig realistischer.

    Die Frage die übrig bleibt ist doch die, mit welchen Anteilen die KKW zum Energiemix der kommenden Jahre beitragen werden. Die Nuklearpolitik ist ein Bereich, der den Spezialisten von Laien erfolgreich streitig gemacht wird. Wer hier erfolgreich sein will, kann sich nicht nur auf sein besseres Wissen oder Meinungen zurückziehen, er muss überzeugen und verlorenes Terrain auch gegenüber irrationalen Überzeugungen zurückgewinnen können.

    Grüsse galileo2609
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